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So werden syrische Flüchtlinge von Modeunternehmen wie Zara und Asos ausgebeutet

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SYRIEN KINDER AUSBEUTUNG
Einige der größten Modeunternehmen des Vereinigten Königreichs haben Kleidung verkauft, die von syrischen Flüchtlingen hergestellt worden ist | BBC PANORAMA
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  • Britische Modeunternehmen haben Kleidung verkauft, die von syrischen Flüchtlingen hergestellt worden ist
  • Laut BBC mussten 15-Jährige mehr als zwölf Stunden in der Fabrik schuften
  • Die entdeckten Fabriken stellten unter anderem Kleidung für Zara und Asos her

Einige der größten Modeunternehmen des Vereinigten Königreichs haben Kleidung verkauft, die von syrischen Flüchtlingen hergestellt worden ist.

Nachforschungen von "BBC Panorama" ergaben, dass Minderjährige in Fabriken in der Türkei bei der Herstellung von Kleidung für Marks and Spencer und Asos helfen.

Eine Fabrik, die Kleidung für Next hergestellt beschäftigte dem Bericht zufolge türkische Kinder und syrische Flüchtlinge. Weitere Flüchtlinge hatten demnach illegal Jeans für Zara oder Mango produziert.

Alle genannten Unternehmen behaupteten gegenüber der BBC, ihre Händler in der Türkei strengstens zu überwachen und dass sie die Ausbeutung von Flüchtlingen oder Kindern nicht tolerieren würden.

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BBC PANORAMA. Manche Flüchtlinge waren erst 15 Jahre alt

Marks and Spencer berichteten, während ihrer Nachforschungen keinen einzigen syrischen Flüchtling in deren Produktionsstätten in der Türkei gefunden zu haben.

Ein Fünfzehnjähriger bügelte zwölf Stunden pro Tag

"BBC Panorama" sprach jedoch mit sieben von der Ausbeutung betroffenen angestellten Flüchtlingen in den Hauptfabriken des beliebten britischen Einzelhändlers. Oft würden die Flüchtlinge nur knapp mehr als einen Euro pro Stunde verdienen. Sie bekommen damit weit weniger als den türkischen Mindestlohn. Auch wurden die Flüchtlinge von Mittelsmännern auf der Straßen angesprochen, die sie gleich bar bezahlten.

Einer der Flüchtlinge behauptete: "Wenn einem Syrer in eine Fabrik irgendetwas zustößt, wird er einfach wie ein altes Kleidungsstück aussortiert." Der jüngste Arbeiter war 15 Jahre alt und bügelte mehr als zwölf Stunden pro Tag Kleidung, die daraufhin nach Großbritannien geliefert wurde.

M&S versprechen Besserung

Ein Sprecher von Marks and Spencer sagte, die aufgedeckten Zustände seien "extrem ernst" und "inakzeptabel für M&S". Deswegen bietet das Unternehmen allen Syrern, die in den Fabriken aufgefunden wurden, eine dauerhafte, legale Anstellung an.

"Ethischer Handel ist grundlegend für M&S. All unsere Lieferanten verpflichten sich vertraglich, sich an unsere weltweit geltenden Prinzipien zu halten", so der Sprecher weiter. Diese regelten, was der Konzern von Händlern und deren Umgang mit Arbeitern erwarte. "Wir tolerieren es nicht, wenn unsere Prinzipien nicht eingehalten werden und wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um zu verhindern, dass der Fall sich wiederholt."

Ein großer Teil der Kleidung, die heutzutage in Großbritannien verkauft wird, wird aufgrund der geografischen Nähe und hohen Arbeitsgeschwindigkeit in der Türkei hergestellt, berichtet "BBC Panorama".

Der Großteil der Flüchtlinge, die versteckt in den Fabriken gefilmt worden seien, hätten keine Arbeitserlaubnis. Viele von ihnen arbeiteten illegal in der Bekleidungsindustrie.

Panorama-Reporter Darragh MacIntyre hat mit einem Dutzend syrischer Arbeiter gesprochen, die sich ausgebeutet fühlten. Er sagte: "Sie erzählen von miserablen Gehältern und schrecklichen Arbeitsbedingungen. Sie wissen, dass sie ausgebeutet werden – aber sie wissen auch, dass sie nichts dagegen tun können."

Asos versichert, jetzt angemessene Löhne auszubezahlen

In einer Produktionsstätte in einem Hinterhof von Istanbul fand das Recherche-Team mehrere syrische Kinder, während sie harte Arbeit verichten mussten. In derselben Fabrik entdeckten sie auch Kleidungsstücke von Asos.

Asos duldete es, dass Kleidung in dieser Fabrik hergestellt worden ist. Nun hat das Modeunternehmen Nachforschungen angestellt und 14 syrische Arbeiter gefunden, darunter drei Jugendliche unter 16 Jahren.

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Ein Sprecher von Asos versicherte, dass die Kinder jetzt finanziell angemessen unterstützt werden sollen, damit sie den Schulunterricht wieder aufnehmen könnten. Den Erwachsenen wird solange Gehalt ausgezahlt, bis sie einen legalen Arbeitsplatz finden.

Der Sprecher sagte gegenüber BBC: "Wir haben diese Förderprogramme eingeführt, obwohl diese Fabrik nichts mit Asos zu tun hatte."

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BBC PANORAMA. Darragh MacIntyre hat die Nachforschungen in der Türkei geführt

Jeans für Mango und Zara

Das Recherche-Team fand außerdem Syrer, die zwölf Stunden täglich in einer Fabrik gearbeitet haben, die Jeans für Mango und Zara herstellt.

Dabei mussten die Flüchtlinge gesundheitsschädigende Chemikalien auf die Jeans sprühen, um sie zu bleichen. Die wenigsten Arbeiter trugen einen Mundschutz.

Mango behauptet, die Fabrik diente ohne sein Wissen als Subunternehmen. Zaras Mutterunternehmen, Inditex, saget, ihre Fabrikinspektionen seien eine "hoch effektive Methode, um die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren und zu verbessern." Bereits im Juni seien Verhältnisse aufgedeckt worden, die nicht den gängigen Anforderungen des Unternehmens entsprächen. Die Fabriken hätten noch bis Dezember dieses Jahres Zeit, um Missstände zu beseitigen.

In einer weiteren Fabrik in Istanbul entdeckte BBC Syrer, die Seite an Seite mit gerade einmal zehnjährigen türkischen Kindern arbeiteten.

Der Fabrikbetreiber erzählte, er arbeite für Next. Er zeigte dem Undercover-Team einen Pyjama, der in seiner Fabrik hergestellt worden ist – mit dem Label des Unternehmens.

Next sagte, der Pyjama wäre von einem anderen Hersteller angefertigt worden und sei wahrscheinlich nur eine Mustervorlage gewesen. Solche Vorlagen kursierten regelmäßig in zahlreichen Produktionsstätten und seien noch lange kein Beweis dafür, dass sie in derselben Fabrik auch hergestellt worden seien.

Dieser Text erschien ursprünglich auf der Huffington Post UK und wurde von Agatha Kremplewski übersetzt.

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