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Der "Dschungel" in Calais wird aufgelöst: Diese 5 Bilder zeigen die heikle Räumung

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  • Ab Montag wird das Flüchtlingscamp in Calais geräumt
  • In der Nacht kam es zu Unruhen, bisher läuft die Evakuierung aber ruhig
  • Den Behörden steht dennoch eine gewaltige Aufgabe bevor, tausende Flüchtlinge werden auf ganz Frankreich verteilt

Brennende Mülltonnen, wütende Menschen, Aufregung im sogenannten Dschungel. Ab Montagmorgen wird das riesige Flüchtlingslager im nordfranzösischen Calais geräumt.

In der wilden Zelt- und Hüttensiedlung, die unter dem Namen “Dschungel” bekannt geworden war, hatten sich in den vergangenen Jahren tausende Flüchtlinge gesammelt. Sie wollten über den Ärmekanal von Frankreich aus illegal nach Großbritannien übersetzen.

Der Dschungel ist Frankreichs größter Slum

Das Flüchtlingslager von Calais ist Frankreichs größter Slum. Auf Brachland entstand ab April 2015 das Lager aus Zelten, Hütten und Wohncontainern. Letztere wurden vom französischen Staat eingerichtet.

Dort, hinter Chemiefabriken und einer Autobahn, leben nach offiziellen Angaben etwa 6500 Menschen. Die meisten von ihnen kommen aus Afghanistan, Äthiopien, Eritrea und dem Sudan.

Sie alle sollen das Camp verlassen. Diese Bilder zeigen, wie der Dschungel von Calais geräumt wird:

dschungel calais

Im Flüchtlingslager leben viele Menschen, die gerne nach Großbritannien möchten, weil sie sich dort eine bessere Zukunft versprechen.

Auch die Sprache wäre für sie einfacher zu beherrschen, die meisten sprechen kein Französisch.

Großbritannien ist nicht weit, nach Dover sind es nur rund 40 Kilometer. Calais hat einen großen Fährhafen, der Kanaltunnel ist nahe. Allerdings ist die Grenze dicht, die Zufahrtsstraßen zum Hafen sind mit meterhohen Zäunen mit Stacheldraht abgesperrt.

Schon mehrere Migranten kamen auf dem Weg auf die Insel bereits ums Leben.

dschungel calais

Noch in der Nacht brannten Mülltonnen im Camp. Es war zu einigen Zusammenstößen gekommen, als Migranten versucht hatten, auf die nahegelegene Autobahn zu gelangen. Die Polizei hatte sie zurückgedrängt und dabei auch Tränengas eingesetzt. Verletzt wurde nach Angaben der Behörden allerdings niemand.

Die Befürchtungen der Behörden, Aktivisten könnten die Auflösung des Lagers mit gewaltsamen Protesten begleiten, traten zunächst nicht ein. Die vollständige Räumung soll allerdings noch eine Woche dauern. Für den Montag war dem Sprecher des Innenministeriums zufolge nicht geplant, die Hütten einzureißen.

dschungel calais

Derweil bilden sich lange Schlagen vor dem Registrierungszentrum. Dennoch wird die vollständige Auflösung des Camps noch dauern. “Das ist ein wichtiger Tag. Der Staat macht eine beträchtliche Anstrengung”, sagte der Sprecher des Pariser Innenministeriums Pierre-Henri Brandet.

Vor dem Registrierungszentrum in der Nähe des “Dschungel” warten mehrere hundert, gar tausende Menschen. In den Tagen zuvor wurden Rucksäcke, Koffer und Taschen an die Flüchtlinge verteilt, damit sie darin ihre Habseligkeiten verpacken können.

Die Präfektur sprach von einer "noch nie da gewesenen Operation". Im Einsatz sind nach offiziellen Angaben rund 1250 Polizisten. Die Präfektin von Pas-de-Calais verglich das Registrierzentrum mit einem riesigen, improvisierten Busbahnhof.

calais dschungel

In dem Zentrum findet nur eine erste Befragung der Migranten statt, noch kein Asylverfahren. Den Menschen sollen zwei Regionen vorgegeben werden, zwischen denen sie wählen können. Ausgenommen sind der Großraum Paris und Korsika.

Die Behörden betonten immer wieder ein “humanitäres” Vorgehen. Man setze darauf, dass sich die Menschen freiwillig melden, sagte der Sprecher des Innenministeriums. “Keiner wird gezwungen, sich in einen Bus zu setzen.” Die Behörden arbeiten seit langem mit Hilfsorganisationen zusammen, um die Menschen davon zu überzeugen, das Lager zu verlassen.

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Unbegleitete Minderjährige, Familien und Kranke oder Schwangere werden getrennt registriert. Kinder und Jugendliche, die alleine unterwegs sind, dürfen zunächst in Containern in Calais bleiben. Für ihr Aufnahmeverfahren gibt es besondere Regeln. Frankreich pocht auf eine Familienzusammenführung, wenn Angehörige bereits in Großbritannien leben.

Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, kritisierte am Montag, dass Großbritannien sich abschotte und verschanze. “Flüchtlinge möchten dorthin wo es Communities gibt.” Polizeieinsätze seien keine Lösung.

Mit Material der dpa

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