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Phil Collins: In seiner Biografie hat der Ausnahmekünstler einiges zu berichten

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Phil Collins bei seinem Auftritt bei den US Open 2016

Seine Hits wie "In the Air Tonight", "You Can't Hurry Love" oder "Another Day in Paradise" sind Kult, aber Phil Collins (65) hat nicht nur solo, sondern auch mit der Band Genesis große Erfolge gefeiert. Mit über 250 Millionen verkaufter Tonträger spielt der inzwischen 65-Jährige in einer Liga mit Michael Jackson (1958-2009) und Paul McCartney (74). Für kommendes Jahr hat er ein Comeback angekündigt. Zudem ist seine Autobiografie gerade erschienen: "Da kommt noch was - Not dead yet" (Heyne, 528 Seiten, 24,99 Euro). Im Rückblick hat der Ausnahmekünstler ja auch einiges zu berichten.

Er war zu "allgegenwärtig"

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Aufgewachsen in einem Londoner Außenbezirk beschreibt Phil Collins in seinem Buch die Anfänge seiner Karriere, seine ersten Erfahrungen als Star mit der Band Genesis bis hin zu seinem Karrierehöhepunkt, auf dem er einer der größten Musiker der 80er und 90er Jahre wurde. Er selbst sieht das im Rückblick kritischer: "Ich glaube, in den 80ern bin ich lästig geworden", fasst er bei "CBS News" diese Zeit zusammen. Viele Leute hätten seine Sachen zwar gemocht, er sei aber zu "allgegenwärtig" gewesen, so der Musiker. "Und sowas kann den Leuten auf den Wecker gehen."

Auch den Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet Phil Collins rückblickend als "eine Art Angeberei": 1985 lud Bob Geldof ihn ein, bei seinem Wohltätigkeitskonzert Live Aid aufzutreten, das sowohl im Wembley-Stadion in England als auch im JFK-Stadion in Philadelphia, USA stattfand. Collins nahm an beiden Veranstaltungen teil. In London trat er zusammen mit Sting auf, anschließend flog er mit der Concorde nach New York und per Helikopter weiter nach Philadelphia. Dort übernahm er zusammen mit Tony Thompson (Chic) beim Auftritt von Led Zeppelin teilweise den Part des 1980 verstorbenen Schlagzeugers John Bonham und spielte zudem Schlagzeug für Eric Clapton.

Fast am Alkohol gestorben

Lange Zeit wollte er nicht kürzer treten. 2006 ging schließlich seine dritte Ehe zu Brüche. Und Phil Collins hätte sich selbst fast umgebracht, durch Alkohol. Ihm sei klar gewesen, dass er zu viel trinke, bestätigt er "CBS News". Die Ärzte hätten ihm gesagt, dass er mit einem Bein im Grab stehe, sagt er. Er lag auf der Intensivstation eines Krankenhauses. Seine Bauchspeicheldrüse habe nicht mehr richtig funktioniert, seine Organe seien angegriffen gewesen. Seine Assistentin sei dann in der Klinik gefragt worden, ob "Mr. Collins alles geregelt hätte, weil er es vielleicht nicht schafft". Und wie steht es heute um seinen Alkoholkonsum? "Ich war drei Jahre lang trocken. Jetzt denke ich, dass ich wieder ein Glas Wein vertrage."

Gescheiterte Beziehungen

Seit August 2015 lebt Phil Collins wieder mit seiner dritten Exfrau Orianne - die bei der Scheidung über 30 Millionen Euro von ihm erhalten haben soll - und den Söhnen Nick (15) und Matthew (11) in Miami zusammen. Das Haus gehörte früher mal Jennifer Lopez. Auch über seine Beziehungen hat er sich Gedanken gemacht: "Wenn du dreimal verheiratet warst und fünf Kinder hast und nicht mit ihnen zusammenlebst, außerdem dreimal geschieden bist, fängst du an, dich zu fragen, ob es an dir selbst liegt. Es kann nicht immer die Schuld von jemand anderem sein."

In seinem Buch verrät er auch, was ihn seine zweite Ehe gekostet hat: eine Affäre mit seiner ersten Liebe. Er wolle nicht falsch verstanden werden, schreibt er, es sei schwer zu erklären, wie sehr eine Schul-Liebe einen ein ganzes Leben lang begleiten könne. Er sei noch mal mit seiner zweiten Ehefrau, Jill Tavelman, mit der er von 1984 bis 1996 verheiratet war, zusammengekommen, aber ohne Erfolg. Aus der Ehe stammt Tochter Lily (27). Seine schwindenden Gefühle drückte er in einem Fax an seine Frau aus, das in der Boulevardpresse landete - sein "Mr. Nice Guy"-Image war erst mal dahin. Collins war zuvor - von 1975 bis 1980 - schon mit Andrea Bertorelli verheiratet gewesen. Zusammen haben sie Sohn Simon (40). Bertorellis Tochter Joely (44) wurde von Collins adoptiert.

Gesundheitlich fühlt er sich gut

Ein ehemaliger Workaholic, der zwischenzeitlich zum Alkoholiker wurde - wie fit ist Phil Collins, der vor einigen Monaten eine Rücken-OP hatte und zudem auf einem Ohr nicht mehr richtig hören soll? Schließlich will der Schlagzeuger und Sänger im Sommer 2017 mehrere Live-Shows spielen - Konzerte in London, Köln und Paris sind geplant. Der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" sagte der 65-Jährige: "Ich bin okay. Das einzige Problem, das ich habe, ist mein rechter Fuß; durch die Rücken-OP ist er taub. Ich warte darauf, dass die Nerven sich regenerieren; das dauert: ein Millimeter pro Woche, so die Ärzte."

Schlagzeug spielen könne er derzeit nicht, sagte Phil Collins weiter: "Ich würde einige Zeit brauchen, um zu üben. Mein letzter Auftritt war 2010. Das ging gar nicht gut; ich dachte, ich würde nie wieder am Schlagzeug sitzen. Jetzt geht es mir besser. Das Problem ist der Griff; mir fehlen die Geschmeidigkeit und die Stärke in den Fingern." Ein Ende seiner Karriere ist wohl trotzdem nicht in Sicht, nicht umsonst nennt er seine Autobiografie "Da kommt noch was - Not dead yet".