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Mercedes-Benz C300 Coupé: Großes Kino

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Attraktive Erscheinung: Mercedes-Benz C300 Coupé

Wenn sich Passanten nach ihm umdrehen, an der Ampel von links und rechts neidvolle Blicke herüberfliegen und der im Stadtstau auf dem Mofa sitzende Jungspund den Daumen in die Höhe reckt, dann kann man ziemlich sicher sein, in einem Auto zu sitzen, das zumindest optisch die Umwelt beeindruckt. Die Steigerung ist, wenn dies in Italien geschieht, wo nach Ferrari lange nichts und - nach vielen Jahren der Bedeutungslosigkeit - endlich wieder Alfa Romeo kommt. Und dann der Höhepunkt automobiler Verehrung, an einer Tankstelle irgendwo in der hügeligen Wunderlandschaft der Toskana, unweit von Florenz: Während aus der Zapfpistole frischer Treibstoff entströmte, streichelte ein verzückt-entrückter Benzinaro fast zärtlich mit der Hand über jene abfallende Stelle des Daches, die den Mercedes C300 zum Coupé macht.

Masterpiece mit optischen Akzenten

Die Frage an das Spieglein, Spieglein an der Wand nach dem Schönsten im Land stellt sich auch bei subjektiver Betrachtung nicht: das Coupé ist nicht nur der attraktivste Spross der Stuttgarter Familie C-Klasse, sondern steht stellvertretend für den designerischen Quantensprung, der den Schwaben in den letzten Jahren gelungen ist. Nun sind die unmittelbaren Konkurrenten wie der BMW-4er oder der Audi A 5 alles andere als hässliche Entlein, das C-Coupé aber ist über seine Länge von 4,69 Metern ein Masterpiece mit optischen Akzenten, die sich in der Summe zum harmonischen Ganzen vereinen: Die Front mit dem Diamantgrill und der langen Motorhaube signalisiert stilvolle Sportlichkeit, die Wangen unter den Seitenfenstern und über den Schwellern werden von markanten Linien bestimmt, am Heck dominieren der kleine, feine Spoiler und die beiden perfekt in die Karosse integrierten Auspuffrohre. Komplettiert wird das Auftreten des Schöngeistes durch die um 15 Millimeter tiefer gelegte Karosse im Vergleich zu den anderen C-Modellen und der serienmäßigen 17-Zoll-Felgen. Das sind hier kleine Kunstgriffe mit großer Außenwirkung.

Der Viersitzer ist ein perfekter Fall für Zwei

Die wohl größte Herausforderung für einen Designer bei der Zeichnung eines Coupé ist der Übergang vom Dach zum Heck, der im französischen Wortsinn "geschnitten" oder auch "abgeschnitten" bedeutet. Nicht so beim C-Coupé, wo sich die abfallende Neigung in fließenden Linien vollzieht, weich und dennoch ausdruckstark. Das ist, man muss es sagen, ganz großes Kino.

Zur nüchternen Realität gehört freilich, dass solch traumhaften Konturen auch ihren Tribut fordern. So ist das C-Klasse Coupé zwar auf dem Papier ein Viersitzer, aber die Passagiere auf den hinteren Plätzen sollten zum einen für den Einstieg gymnastische Grundlagen beherrschen und sich zum anderen für längere Fahrten mit dem Gedanken trösten, dass sie im Charterflug in den nächsten Urlaub auch nicht bequemer sitzen - Kinder ausgenommen. Auch der Kofferraum mit einem relativ bescheidenen Volumen von 400 Litern ist ein Indiz dafür, dass sich ein Coupé - und das gilt für die meisten Autos dieser schönen Gattung - zwar noch zur Fahrt in die Schule, aber nicht für die lange Reise eignet. Speziell beim Mercedes-Coupé müssen sich die Entwickler aber die Frage gefallen lassen, warum sich der Kofferraum nur über einen Öffner im Innenraum und über den Autoschlüssel öffnen lässt. Unter dem rückwärtigen Stern, wo dies auch möglich gewesen wäre, verbirgt sich die Rückfahrkamera, eine andere Stelle fand sich offensichtlich nicht.

Abgesehen von diesem kleinen Manko kommt die Zielgruppe, so man die im Kreis junger und jung gebliebener Benz-Fans ohne Großfamilie verortet, in den Genuss eines erstklassigen Mittelklasse-Zweitürers. In dem dürfen sich Fahrer und Beifahrer wie in der gehobenen Business Class fühlen, um im Bild zu bleiben. Erst recht, wenn sie im C300 Platz nehmen und sportlich unterwegs sein wollen. Für solche Ambitionen empfehlen sich die als Extra die mit 2.559 Euro nicht eben günstigen Sportsitze aus der AMG-Linie, wenn man überwiegend im Sport- oder Sport plus-Modus unterwegs ist, den beiden Spaßmachern unter den elektronischen Einstellungen. Dank ihnen entwickelt der C300 nämlich ein Eigenleben, das ihn zum souveränen Kurvenkünstler macht: Dann strafft sich das Fahrwerk, verschärft sich die Motorleistung des Zweiliter-Turbotriebwerks, schaltet die 9-G-Tronic schneller und exakter, als man es händisch mit Hilfe der Wippen je könnte.

Schalten mit kerniger Soundbegleitung

Obwohl: Wippen macht schon allein deshalb Spaß, weil das Herunterschalten den Tritt auf die Bremse oft überflüssig macht und ein kerniger Motorensound das Szenario begleitet, der den Jugendlichen im Mann jubeln lässt. Geschenkt, dass die Ingenieure hier künstlich nachgeholfen haben. Was zählt, ist der brabbelnde Bass, der den Endrohren entweicht. Wie es bei solch verschärften Ritten um den Benzinverbrauch steht? Das fragt keiner ernsthaft, der mit Spaß aufs Gas geht. Nur soviel: Der Normwert von 6,3 Litern bleibt bei der Beschleunigung von 6 Sekunden auf Hundert und einer abgeriegelten Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h dann ein theoretischer. Außerdem empfiehlt es sich dringend, zusätzliche 1.416, 10 Euro in das "Airmatic" genannte Fahrdynamik-Paket zu investieren, dem Luftfederungssystem von Mercedes-Benz.

Natürlich geht es im C300 auch gemütlicher, vor allem bei längeren Autobahnfahrten und dichtem Verkehr. Mit Hilfe des Fahrassistenz-Paktes Plus, das allerdings leider mit weiteren 2.499 Euro zu Buche schlägt, lassen sich genannte Verkehrssituationen völlig entspannt angehen. Lenk-Assistent, Stop&Go-Paket, die Pre-Safe-Bremse mit Fußgängererkennung und einige andere elektronische Helfer mehr sorgen dafür. Im Eco-Modus liegt man dann auch wieder im Normbereich.

Bleibt noch die Verbindung zur digitalen Welt, bei Mercedes mit Comand Online immer auf dem aktuellen Stand. Aber - seufz - Sie haben es geahnt, auch das kostet. Und wenn man nun nochmals 3.510,50 Euro addiert, bewegt man sich schnell auf die 60.000 Euro zu. Das ist viel Geld - allerdings für viel Auto. Einem mit zeitlosem Design, das überall Eindruck macht. Vor der Oper ebenso, wie vor der Nobeldisco.

Technische Daten Mercedes-Benz C300 Coupé: Viersitzige Sportlimousine mit zwei Türen, Länge: 4,68 Meter, Breite: 1,81 Meter, Höhe: 1,40 Meter, Radstand: 2,84 Meter, Leergewicht: 1.617 kg, Wendekreis: 11,2 Meter, Tankinhalt: 66 Liter, Kofferraumvolumen: 400 Liter, Motor: 2 Liter-Vierzylinder-Turbo, Hubraum: 1.991 ccm, Leistung: 180 kW/245 PS, maximales Drehmoment: 370 Newtonmeter bei 1.300 - 4.000 U/min, Getriebe: Hinterradantrieb, 7-Stufen-Automatik, 0-100 km/h: 6,0 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h (elektronisch abgeregelt), Durchschnittsverbrauch: ca. 9,5 Liter Super, CO2-Emission: 146 g/km, Abgasnorm: Euro 6, Effizienzklasse: C, Preis: ab 44.803,50 Euro.