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Comedian Oliver Polak: So wird seine Talkshow "Applaus und Raus!"

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Oliver Polak kann seine Gäste jederzeit aus dem Studio buzzern

ProSieben geht mit der Talkshow "Applaus und Raus!" neue Wege. Ab Montag, den 24. Oktober um 23:15 Uhr, bittet Comedian Oliver Polak (40, "Der jüdische Patient") seine Gäste zum Gespräch. Doch wer denkt, dass es sich um eine herkömmliche Talkrunde handelt, der irrt. Das Besondere: Polak hat keine Ahnung, wer zu ihm kommt: A-Promi, C-Promi, Normalo oder doch ein guter Freund von ihm. Im Interview mit dem Nachrichtenagentur spot on news gibt Polak weitere Einblicke in das ungewöhnliche Konzept.

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Oliver Polak: Ich glaube, dass jeder Mensch eine interessante Geschichte zu erzählen hat. Außerdem kommt das normale Gespräch bei uns im Alltag viel zu kurz, viele Leute können sich gar nicht mehr richtig unterhalten. In unserer Show steht genau das wieder im Mittelpunkt.

Wie meinen Sie das?

Polak: Wenn ich heute an der Bushaltestelle jemanden anspreche, dann reagieren die Leute oft so, als würde ein Exhibitionist nackt vor ihnen stehen - nur wenn man zum Beispiel nach dem Weg fragt. Ich glaube, wir haben es ein bisschen verlernt, miteinander zu reden.

Ist Oliver Polak ein guter Zuhörer?

Polak: Ja und Nein. Für mich gilt immer die Regel: Wenn du nicht lustig bist, sei zumindest interessant. Ich kann schon sehr gut zuhören, wenn aber jemand nur Müll redet und blubbert, dann schalte ich ab.

Und was unterscheidet das Format von anderen Talkshow-Formaten?

Polak: Ziemlich viel! Zum einen, dass zu mir niemand kommt, um irgendwas zu promoten. Ja, es kommen natürlich auch Musiker, Schauspieler und Comedians, aber eben auch ganz normale Menschen mit einer guten Geschichte. Vielleicht Freunde von mir oder auch Feinde.

Und Sie entscheiden, wie lange ein Gespräch dauert?

Polak: Ja, ich habe einen Buzzer und wenn mich jemand nervt, dann kann ich drücken und er muss weggehen.

Wann buzzern Sie denn jemanden raus?

Polak: Wir haben ja schon eine Aufzeichnung hinter uns. Und es gab da einen bekannten Promi, den ich rausgebuzzert habe. Der wollte dann aber nicht gehen und unser Türsteher musste den dann tatsächlich raustragen. Sehr lustig...

In einem anderen Interview sagten Sie, sie würden sogar mit Adolf Hitler ein Gespräch beginnen. Gibt es wirklich niemanden, den sie schon vor dem ersten Wort aus dem Studio schmeißen würden?

Polak: Nein, jetzt erstmal nicht. Mir würde zumindest niemand einfallen. Genau in dem Moment werden Gespräche ja interessant, wenn man eigentlich gerne die Rollos runterlassen würde, aber sie bewusst oben lässt. Ich würde mich auch mit einem Wutbürger oder Verschwörungstheoretiker unterhalten.

Sie wissen auch nicht, wer kommt?

Polak: Richtig, ich habe keine Ahnung. Vor der Show werde ich in eine Art Natascha-Kampusch-Suite gesperrt, damit ich wirklich nichts mitbekomme. Da ist überhaupt nichts gestellt.

Wirklich?

Polak: Nein, überhaupt nicht. Ganz ehrlich: Wenn wir anfangen, irgendetwas zu inszenieren, dann sollten wir das Format sein lassen. Ich will kein Fernsehen machen, in dem der Zuschauer für blöd verkauft wird. Ich bin auch sehr glücklich, dass ProSieben diesen Versuch mitmacht.

Sie sind bisher hauptsächlich als Stand-up-Comedian und Buchautor bekannt geworden. Was ist für Sie nun als Talkshow-Host anders?

Polak: Ich finde ja, dass es ziemlich viele Parallelen zu "Das Lachen der Anderen" mit mir und Micky Beisenherz gibt. Auch dort steht das Gespräch im Mittelpunkt und wir treffen für uns unbekannte Menschen, wissen also vorher nicht wirklich was passiert. Daher kommt im Übrigen auch die Grundidee für "Applaus und Raus!"

Wer ist denn der Protagonist der Sendung? Sie, der Gast oder das Gespräch?

Polak: Ganz klar der Gast. Ich habe die Titelmelodie gemeinsam mit Erobique komponiert und da gibt es den Refrain: "Das Wichtigste an der Show bist Du!" Keine Gäste, keine Show. Keine Hände, keine Schokolade.

Erst "Das Lachen der Anderen", jetzt "Applaus und Raus!". Sehen Sie Ihre Zukunft mehr im TV oder doch auf der Stand-up-Bühne?

Polak: Ich mache ja viele Projekte. Ich habe eine Kolumne in der "Welt am Sonntag", ich schreibe gerade ein neues Buch, habe meinen eigenen Comedy-Club in Berlin. Aber am liebsten bin ich schon auf der Bühne und habe gerade wieder ziemlich Bock darauf. Nächstes Jahr gibt es auch ein neues Programm von mir. Ich muss nicht mein Leben lang im Fernsehen sein.