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Ärzte zählen 40 Behandlungen auf, die wenig oder gar keinen Nutzen für Patienten haben

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ARZT BEHANDLUNG
Viele Behandlungen von Ärzten haben keinen Nutzen für Patienten | Getty
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Britische Ärzte haben 40 häufig verschriebene Behandlungen identifiziert, die entweder nicht funktionieren oder nicht unbedingt dazu beitragen, dass es einem Patienten besser geht.

Röntgenaufnahmen helfen nicht zwingend Patienten, die unter Schmerzen im unteren Rückenbereich leiden und Bluttests sind nicht nötig, um die Menopause bei Frauen festzustellen, sagen Experten.

Diese Ergebnisse sind Teil einer neuen "Choose Wisely"-Kampagne (deutsch etwa: mit Bedacht wählen), die Menschen in Großbritannien davor warnt, dass "mehr nicht immer besser heißt", wenn es um medizinische Behandlungen geht.

82 Prozent der Ärzte führen unnötige Behandlungen durch

Die Kampagne ist entstanden, nachdem 82 Prozent der Ärzte auf der Insel angegeben hatte, dass sie Behandlungen verschrieben oder durchgeführt hätten, von denen sie wussten, dass sie unnötig waren. Als Hauptgrund dafür wurde Druck oder Erwartungshaltung der Patienten angegeben.

Um Patienten und Medizinern dabei zu helfen, die richtigen Entscheidungen für die Behandlung zu treffen, hat die Academy of Medical Royal Colleges (AMRC) 40 Behandlungen und Test aufgelistet, die einen geringen oder gar keinen Nutzen für Patienten versprechen.

Darunter sind beispielsweise diese Behandlungen:

- Kleinere Schnitte und Schürfwunden können mit Leitungswasser gereinigt werden, eine Kochsalzlösung ist nicht notwendig.

-Gipsverbände bei Handgelenksfrakturen von Kindern sind nicht unbedingt nötig - eine abnehmnbare Schiene kann die Verletzung genauso effektiv heilen.
- Kinder mit Bronchiolitis oder Atemproblemen genesen ohne Behandlung oft besser.

- Eine elektronische Überwachung vom Baby-Herzschlag ist während der Geburt nur notwendig, wenn die Mutter ein größeres Risiko für Komplikationen hat.

- Röntgenaufnahmen sind bei Schmerzen des unteres Rückens nicht sinnvoll - außer, es liegen noch andere besorgniserregende Symptome vor.

- Eine Chemotherapie wird genutzt, um Symptome bei Krebs im Endstadium zu mildern. Doch die Therapie kann auch schmerzhaft sein, kann die Krankheit nicht heilen und könnte zu weiterem Leid in den letzten Lebensmonaten führen.

- Das Routine-Screening der Prostata, bei dem ein Test auf prostataspezifisches Antigen (PSA) zur Früherkennung von Prostatakrebs durchgeführt wird, führt nicht zu einem längeren Leben und kann zu unnötigen Ängsten führen.

- Bluttests sind nicht unbedingt nötig, um eine Menopause bei Frauen über 45 Jahren festzustellen.

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5 Fragen, die jeder Patient sich stellen sollte

Die AMRC gibt Patienten und Ärzten auch einige grundsätzliche Hinweise, wie gesundheitliche Probleme behandelt werden sollten.

Die Academy fordert Patienten dazu auf, sich diese fünf Fragen zu stellen, wenn sie sich in medizinische Behandlung begeben:

1. Brauche ich diese Behandlung wirklich?
2. Was sind mögliche Risiken oder Nachteile der Behandlung?
3. Was sind mögliche Nebenwirkungen?
4. Gibt es einfachere, sicherere Optionen?
5. Was passiert, wenn ich gar nichts tue?

Dame Sue Bailey, Vorsitzende der AMRC, sagte der Press Association: "Wir haben alle die Pflicht, auf die Ressourcen im Gesundheitswesen zu achten, insbesondere wenn die NHS (National Health Service, staatliches Gesundheitssystem in Großbritannien und Nordirland) unter solchem Druck steht, doch das ist nicht der Hauptgrund für diese Kampagne.

"Viel wichtiger ist, dass sowohl Patienten als auch Ärzte sich wirklich fragen, ob eine bestimmte Behandlung tatsächlich notwendig ist. Medizin oder chirurgische Eingriffe müssen nicht die einzige Lösung sein, die ein Arzt anbietet und sie sind nicht immer die beste Option."

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Gina Louisa Metzler aus dem Englischen übersetzt.

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