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Mega-Fusion: Medienkonzern AT&T kauft Time Warner für 85 Milliarden Dollar

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Mega-Fusion: Medienkonzern AT&T kauft Time Warner für 85 Milliarden Dollar | AP
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  • Es ist ein Deal, der die US-Medienlandschaft aufmischen dürfte: AT&T schluckt wohl Time Warner
  • Eine ausgemachte Sache ist die geplante Fusion indes nicht - in der Politik gibt es teils heftige Kritik

Megafusion in den USA: Der Telekommunikationskonzern AT&T will für 85,4 Milliarden Dollar (rund 78,3 Milliarden Euro) den Medienriesen Time Warner schlucken. Darauf einigten sich beide Unternehmen am Samstag in New York.

Zuvor hatte das "Wall Street Journal" über laufende Fusionsverhandlungen berichtet. Kartellwächter müssten den Fusionsplänen aber noch zustimmen, was keinesfalls als Formsache gilt.

Gibt es grünes Licht für den Deal, verbindet sich ein Telekom-Konzern mit führendem Mobilfunkgeschäft, dem Satellitenangebot DirecTV und Internetdiensten mit dem Unternehmen hinter den populärsten Namen in der Unterhaltungsbranche.

Netzanbieter stoßen vermehrt ins News-Geschäft vor

Zu Time Warner gehören etwa die Warner Bros. Filmstudios sowie der für Hit-Serienformate bekannte Anbieter HBO ("Game of Thrones") und der Nachrichtensender CNN.

Der geplante Zukauf spiegelt einen Branchentrend wider: Telekom- und Internetanbieter stoßen ins Medien- und Nachrichtengeschäft vor, um sich neue Einnahmequellen zu erschließen.

Im vergangenen Jahr etwa kaufte Verizon AOL und hat unlängst eine Offerte für Yahoo zum Aufbau digitaler Werbeformate auf den Tisch gelegt. 2011 übernahm Comcast - in den USA größter Kabelnetzbetreiber und nach AT&T zweitwichtigster Internetdiensteanbieter - den Medienkonzern NBCUniversal.

Auch AT&T war schon lange vor dem geglückten Buhlen um Time Warner anderweitig aktiv. Nachdem Fusionsbemühungen um den Rivalen T-Mobile 2011 am Widerstand der Kartellwächter scheiterten, richtete AT&T das Augenmerk verstärkt aufs Fernsehen und holte TV-Satellitenbetreiber DirecTV für 48,5 Milliarden Dollar.

AOL hatte Time Warner 2000 für 94 Milliarden Dollar gekauft

Bis Jahresende wird erwartet, dass AT&T mit DirecTV Now ein TV-Streaming-Paket auf den Markt wirft, das sich an Menschen wendet, die ihr Kabel-Abonnement aufgegeben haben oder nie eines hatten.

Laut dem Dienstleister Dealogic wäre Time Warner zudem das Objekt der Begierde bei den zwei größten Fusionsdeals in der Medienbranche. Zum Ende des Dotcom-Booms im Jahr 2000 hatte AOL für 94 Milliarden Dollar Time Warner gekauft, doch erwies sich der Deal als desaströs.

Vom Kauf von Time Warner versprach sich AT&T-Chef Randall Stephenson dennoch eine segensreiche Wirkung. Der Deal werde es seinem Konzern ermöglichen, einzigartige Dienste anzubieten, vor allem auf mobilen Geräten. Details nannte er nicht.

Die Mega-Fusion sorgt in der Politik für Besorgnis

Jeff Bewkes, Chef von Time Warner, soll für eine unbestimmte Übergangszeit beim Medienunternehmen an Bord bleiben. Mehr Geld durch die Übernahme werde die Produktion zusätzlicher Programme und Filme erleichtern, erklärte Bewkes.

Der beim Dienstleister New Street Research tätige Analyst Jonathan Chaplin sah hinter dem AT&T-Coup ein mögliches "gutes Manöver der Verteidigung" gegen den Konkurrenten Comcast, der ebenfalls seine Fühler in neue Geschäftsfelder ausstrecke. Erst im August kaufte Comcast das Filmstudio DreamWorks.

Die Aussicht auf die Megafusion in der US-Medienlandschaft sorgte indes in der Politik auf Besorgnis. Senator Al Franken, ein Demokrat aus Minnesota, sagte, der Deal zwischen AT&T und Time Warner werfe «prompt einige Warnsignale über Konsolidierung auf dem Medienmarkt auf. Franken kündigte an, auf weitere Informationen über etwaige Auswirkungen auf Kunden zu dringen.

Auch im Wahlkampf geriet die geplante Großübernahme ins Visier. In seiner Ansprache in Gettysburg gelobte Präsidentschaftsbewerber Donald Trump, den Deal im Falle seines Wahlsiegs zu kassieren. Denn er konzentriere zuviel "Macht in den Händen einiger Weniger."

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