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Ungarns Regierungschef Orban: „Müssen Brüssel vor Sowjetisierung retten"

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ORBAN HUNGARY
Football Soccer - Austria v Hungary - EURO 2016 - Group F - Stade de Bordeaux, Bordeaux, France - 14/6/16Hungarian Prime Minister Viktor OrbanREUTERS/Sergio PerezLivepic | Sergio Perez / Reuters
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  • Pfiffe gegen Orban bei Gedenkfeier zum Ungarn-Aufstand vor 60 Jahren
  • Ungarns Regierungschef sorgt für Eklat
  • „Freiheitsliebende müssen Brüssel vor Sowjetisierung retten"

Die Rede des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban ist bei der offiziellen Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Ungarn-Aufstands von einem gellenden Pfeifkonzert begleitet worden. Oppositionsanhänger zeigten ihm zudem symbolisch die Rote Karte. Orban sagte, die Demonstranten verkörperten mit ihren Trillerpfeifen die Rückkehr des Kommunismus sowjetischer Prägung, gegen den sich 1956 die Ungarn erhoben hätten.

Ungarn habe sich angesichts Herausforderungen wie der Flüchtlingskrise für den schwierigeren Weg entschieden, sagte der Regierungschef, dem Gegner Einschnitte in die Gewaltenteilung und der Pressefreiheit vorhalten. "Wir haben uns für unsere eigenen Kinder entschieden anstatt für Einwanderer, für Arbeit anstelle von Spekulation und Unterstützung, dafür, auf unseren eigenen Beinen anstelle versklavender Schulden zu stehen, und für Grenzschutz anstelle erhobener Hände."

Er geißelte das Europa der EU dafür, dass es stets den bequemeren Weg gehe: „Statt eigener Kinder wählt es Migranten, statt Arbeit die Spekulation“, sagte er.

Seine Land müsse sich gegen die Sowjetisierung durch Europa stemmen, sagte Orbán. „Wir wollen eine europäische Nation sein, nicht eine Nationalität innerhalb Europas. Freiheitsliebende Menschen müssen Brüssel vor Sowjetisierung und vor Menschen, die für uns bestimmen wollen mit wem wir zusammenleben sollen, retten.“

Orban hatte den Flüchtlingsstrom durch sein Land im vergangenen Jahr mit dem Bau eines Stacheldrahtzauns an der Südgrenze gestoppt. Der EU warf er Selbstgefälligkeit und Lethargie vor, während sich Ungarn tapfer den Herausforderungen der Zeit gestellt habe.

Die kleine Oppositionspartei Együtt (Zusammen) hatte Hunderte Trillerpfeifen und Rote Karten unter ihren Anhängern vor der Kundgebung vor dem Budapester Parlament verteilt. Während der Pfiffe versuchten einige Anhänger Orbans, die Protestaktion manchmal gewaltsam zu unterbinden. Auch Journalisten und ein angesehener Historiker wurden auf dem von Sicherheitskräften abgeschirmten Kossuth-Platz mit Schlägen traktiert.

Der stellvertretender Eygütt-Vorsitzende Peter Juhasz sagte, Orbans Politik sei "exakt von der Art, gegen die Ungarn 1956 rebellierten". Orban habe Ungarn auf Jahrzehnte an Moskau gebunden, sagte er unter Verweis auf den Auftrag für das erste ungarische Atomkraftwerk, der an Russland gegangen ist.

Der ungarische Aufstand begann am 23. Oktober mit einer Studentendemonstration, bei der Unterstützung für Reformen im damals ebenfalls kommunistischen Polen bekundet worden. Am Abend wurde im Budapester Rundfunkgebäude Demonstranten erschossen, die eine Verlesung ihrer 16 Forderungen - darunter den Abzug sowjetischer Truppen - im Radio verlangten.

Nach tagelangen Straßenschlachten zogen sich sowjetische Truppen am 30. Oktober zurück. Doch am 4. November schlugen 100 000 sowjetische Soldaten den Aufstand blutig nieder. 2500 Ungarn und 700 sowjetische Soldaten wurden getötet. 200 000 Ungarn flohen, die meisten nach Österreich. Hunderte Revolutionäre, darunter Ministerpräsident Imre Nagy, wurden hingerichtet.

mit Material von AP

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