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"Es droht ein starker Wohlstandsverlust": Immer mehr Experten sprechen sich gegen einen harten Brexit aus

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LONDONS FINANCIAL CENTER
The No. 1 Canada Square skyscraper, center, stands surrounded by office buildings illuminated at night in the Canary Wharf financial, shopping and business district on the banks of the River Thames in London, U.K., on Tuesday, June 21, 2016. Financial and related services accounted for 11.8 percent of U.K. economic output, or 190 billion pounds ($278 billion), in 2014, and quitting the EU could cost as many as 100,000 jobs in the sector by 2020, according to industry group TheCityUK. Photographe | Bloomberg via Getty Images
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  • Die britische Premierministerin May kündigte zuletzt erst einen harten EU-Austritt ihres Landes an.
  • Doch nun mehren sich Stimmen, die sich für eine Art "Brexit Light" aussprechen
  • Ansonsten drohe den Briten "ein starker Wohlstandsverlust"
  • Und auch das deutsche Job-Wunder wäre sonst in Gefahr

Die britische Premierministerin May kündigte zuletzt erst einen harten EU-Austritt ihres Landes an. Das setzte nicht nur dem Pfund zu, sondern auch dem Londoner Aktienmarkt. Doch nun mehren sich Stimmen, die sich für eine Art "Brexit Light" aussprechen.

Der Chef des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, etwa, hat vor einem harten EU-Austritt Großbritanniens gewarnt und für ein Übergangsszenario geworben. "Ich hoffe, dass alle Seiten zur Vernunft kommen und es zu keinem harten Brexit kommt", sagte er am Sonntag.

Der Top-Ökonom warb für eine Übergangsphase nach dem offiziellen EU-Austritt von möglicherweise bis zu zehn Jahren, damit Großbritannien nicht plötzlich aus dem europäischen Binnenmarkt austrete und Zeit bestehe für neue Abkommen. Für die Zeit danach könnten die langfristigen Beziehungen der Briten mit der EU geklärt werden: "Das wäre der eleganteste und wohl einzig mögliche Weg."

Auch britische Banker warnen

Damit stellt sich der Ifo-Präsident gegen die bisherigen Linie von EU-Politikern, wonach Großbritannien nur Zugang zum Binnenmarkt behalten solle, wenn das Land Freizügigkeit von EU-Bürgern akzeptiere. So will etwa Premierministerin Theresa May im Rahmen ihrer Brexit-Pläne die Zuwanderung massiv begrenzen, womit das Vereinigte Königreich den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlöre.

Auch andere Experten blasen nun jedoch in dasselbe Horn wie der Ifo-Boss. Der Chef des britischen Bankenverbands warnt, ein harter Brexit würde nicht nur Großbritannien, sondern auch der Wirtschaft der verbleibenden EU-Länder Schaden zufügen. "Handelsbarrieren für Finanzdienstleistungen im Ärmelkanal zu errichten, wird uns allen schaden", sagte Anthony Browne von der British Bankers' Association dem britischen "Observer".

Er rechnet damit, dass wegen des Regierungskurses in Richtung eines harten Brexits bereits vor Weihnachten erste Banken Großbritannien teilweise den Rücken kehren. "Viele kleine Banken planen, die Verlagerungen vor Weihnachten zu beginnen. Bei den größeren Banken wird damit im ersten Quartal nächsten Jahres gerechnet."

Auch deutsche Wirtschaft bedroht

Ifo-Boss Fuest sagte mit Blick auf den Wertverfall der Währung Pfund und des Londoner Aktienindex, die Finanzmärkte hätten klare Worte gesprochen. Der Wertverfall bedeute einen starken Wohlstandsverlust für die Briten. Jetzt gebe es in Großbritannien ein Nachdenken darüber, wie man "den Schaden begrenzen" könne.

"Eines ist klar: Wenn der Verfall des Pfundes weiter geht, wird die britische Regierung ihren Kurs nicht halten können", sagte der Top-Ökonom. Schließlich sei den Briten vor dem Votum versprochen worden, sie könnten den Brexit bekommen und dabei noch Geld sparen: "Die Bewegung an den Märkten wird die britische Politik beeinflussen", meinte Fuest, der auch zum Beraterkreis des Bundesfinanzministeriums gehört.

Natürlich stünden in anderen EU-Staaten Wahlen an. Da mache sich das Bild gut, die Briten würden jetzt bestraft. "Das ist aber extrem kontraproduktiv." Europa sei der schwache Mann der Weltwirtschaft. "Und in dieser Situation fangen wir an, uns zu streiten", kritisierte Fuest.

Zudem fürchten Ökonomen auch negative Auswirkungen eine s Brexits auf andere europäische Staaten. Gerade Deutschland als Exportnation könnte unter einem zu raschen Austritt Großbritanniens leiden. Das Wirtschaftswachstum könnte schwächeln und der Job-Motor in der Folge ins stottern geraten.

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