Huffpost Germany

Politologe Hajo Funke: Petry hat den radikalen AfD-Flügel nicht im Griff

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PETRY
AfD-Chefin Frauke Petry hat laut Hajo Funke den rechtsradikal-orientierten Flügel der Partei nicht im Griff. | dpa
Drucken
  • Laut Politikwissenschaftler Hajo Funke teilt sich die AfD in zwei Flügel
  • Funke ist überzeugt: AfD-Chefin Frauke Petry hat den rechtsradikal-orientierten Flügel nicht im Griff
  • Vielmehr würde sich die Parteichefin von den radikalen Ideen beeinflussen lassen

Der Politikwissenschaftler Hajo Funke sieht zwei Gesichter der AfD – ein moderates und ein völkisch-rechtsradikales. Er meint, AfD-Chefin Frauke Petry hat den radikalen Flügel nicht im Griff. Vielmehr noch: Funke ist überzeugt, dass Petry sich ganz wesentlich von dem rechtsradikalen Flügel prägen lässt.

“Diese Partei ist in sich zerflügelt durch verschiedene Fraktionen", sagt der Berliner Politikwissenschaftler im Interview mit der "Berliner Morgenpost".

In der AfD gibt es seiner Meinung nach einen pragmatischen Flügel, wozu er beispielsweise Leif-Erik Holm, den Fraktionsvorsitzenden der AfD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern zählt.

Das “dynamische Zentrum” der Partei, so Funke, sei allerdings der völkisch-rechtsradikal orientierte Flügel um Björn Höcke, André Poggenburg, und Alexander Gauland.

Funke: Petry hat den radikalen Flügel nicht im Griff

Nach Ansicht des Berliner Experten für Rechtsextremismus in Deutschland hat die AfD-Chefin Frauke Petry diesen rechtsradikalen Flügel "überhaupt nicht im Griff".

Mehr zum Thema: Polit-Experte: Petry und Meuthen haben die Kontrolle über die AfD verloren

Vielmehr werde Petry, wie auch der AfD-Bundessprecher Jörg Meuthen, wesentlich von dem radikalen Flügel geprägt. “Ich erlebe Frauke Petry als außerordentlich machtbewusst”, sagte Funke gegenüber der “Berliner Morgenpost”, deshalb orientiere sie sich an der Dynamik der Partei.

Funke erklärt in dem Interview, dass die Schiedsgerichte der Partei in der Hand des rechtsradikalen Flügels seien, nachdem der Parteigründer Bernd Lucke aus der AfD vertrieben wurde.

"Ein Sperrrad gegen eine De-Radikalisierung"

“Damit haben sie eines der mächtigsten Instrumente in der Hand. Die Schiedsgerichte sind ein Sperrrad gegen eine De-Radikalisierung der Partei”, so Funke. Einige Entscheidungen des Vorstands, die dem rechtsradikalen Flügel nicht passen, würden deshalb einfach nicht umgesetzt.

Als Beispiel nennt Funke den Ausschluss des saarländischen Landesverbandes. Wegen Kontakten in die rechtsextreme Szene hatte der AfD-Vorstand beschlossen, den Landesverband aufzulösen. Parteiausschlüsse habe es aber offenbar noch nicht gegeben, kritisiert der Politikwissenschaftler.

“Bislang ist noch kein einziger Ausschluss öffentlich bekannt geworden”, sagte er. Zwar würden die Verfahren laufen, aber die Schiedsgerichte würden einfach nicht entscheiden.

Funke: "Sie kooperieren mit Rechtsextremen”

“Man braucht eine öffentliche Debatte, um Teile des Charakters dieser Partei zu beschreiben: Sie kooperieren mit Rechtsextremen”, betont Funke in dem Interview. Die Partei würde besonders Radikale anziehen, so Funke weiter, “sie bereitet Resonanzraum für die, die Gewalt wollen”.

Gleichzeitig mahnte er, die AfD-Wähler zu verunglimpfen. “Die AfD-Wähler sind oft so wütend wie ich über die Verhältnisse. Oder kritisch. Oder empört. Über die Dinge im Alltag, über die Enttäuschung, die Ungerechtigkeitserfahrung von Hartz IV.”

Es gebe eine irre Mischung aus den Motiven der Wähler. Deshalb, so Funke, solle man den Wähler Ernst nehmen und nicht abstrafen.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ca)