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Räumung von Duisburger Roma-Häusern stößt auf heftige Kritik

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MARXLOH
Die Stadt Duisburg soll mehrere Häuser für "nicht bewohnbar" erklärt und geräumt haben. (Symbolfoto) | Roland Weihrauch/dpa
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  • Die Stadt Duisburg soll mehrere Häuser und Wohnungen im Problembezirk Marxloh geräumt haben
  • Betroffen waren dabei laut Medienberichten vor allem Roma-Familien
  • Die Stadt steht nun wegen ihrem Vorgehen in der Kritik

Es waren deutliche Worte, die Thorsten Klute, Integrations-Staatssekretär von NRW, zuletzt fand: Einige Menschen im Duisburger Problemviertel Marxloh lebten "wie in den Slums in Rumänien".

Gemeint waren dabei vor allem Roma aus Rumänien und Bulgarien. Von ihnen wohnen immer mehr in dem Stadtteil, rund 13.000 sollen es bereits in ganz Duisburg sein. Da viele von ihnen auf dem Arbeitsmarkt schlechte Chancen haben und sie nicht ohne weiteres Sozialleistungen bekommen, müssen sie oft in größeren Gruppen heruntergekommenen Häusern wohnen.

Wie die “WAZ” berichtet gibt es in dem Viertel wegen der Roma immer wieder Ärger. So häuften sich Klagen von Anwohnern über Müllhaufen in Innenhöfen, Ratten und zugemüllte Keller.

Die Stadt greift durch

Die Stadt Duisburg griff deshalb num ein. Wie “WAZ” berichtet, haben die städtischen Behörden in diesem Monat mehrere Häuser wegen mutmaßlicher Unbewohnbarkeit oder offensichtlicher Brandschutz-Mängel räumen lassen. Betroffen davon seien fast ausschließlich Roma-Familien.

Laut “Welt” wurden in den vergangenen zwei Jahren aus diesen Gründen zehn Häuser und vier Wohnungen für unbewohnbar erklärt. Bei den Räumungen sei alles rechtmäßig abgelaufen und niemand hätte auf der Straße gestanden, erklärte die Stadtverwaltung gegenüber der Zeitung.

Zeugen kritisieren das Vorgehen der Stadt

Augenzeugen und Betroffene sehen das allerdings anders. "Mir haben die bulgarischen Familien erzählt, sie seien abends geräumt worden und hätten nicht gewusst, wohin", zitiert die “Welt” einen Pater aus Duisburg, der sich seit Längerem um die Bewohner von Marxloh kümmert.

Es habe wohl lediglich das Angebot gegeben, für zwei Nächte in eine Turnhalle ziehen zu können. Das taten die vom Rausschmiss betroffenen Roma allerdings nicht. Stattdessen wohne eine Familie zurzeit in einem sozialpastoralen Zentrum der katholischen Kirche in Marxloh.

Die “Welt” berichtet von einem weiteren Augenzeugen, der entsetzt sagt: "Sicher sind viele Häuser nicht bewohnbar, aber die Menschen einfach auf die Straße zu setzen, ist doch keine Lösung."

Integration nicht erwünscht?

Die Stadt sieht es der “Welt” zufolge allerdings nicht als ihre Aufgabe an, sich um Wohnraum für die Menschen aus den geräumten Häusern zu kümmern: "Jeder Bürger, gleich welcher Nationalität, hat sich selbst um eine Wohnung zu bemühen”, habe es seitens der Stadtverwaltung geheißen.

Die Zeitung beruft sich zudem auf eine Parteifreundin des Oberbürgermeisters Sören Link (SPD). Diese soll gesagt haben, dass der Rathaus-Chef Ziel das Ziel habe, dass sich die Bulgaren und Rumänen in Duisburg nicht wohlfühlten.

Manche Deutsche und Türken in Marxloh sehen das ähnlich. "Das war alles immer gut hier, bis die kamen. Seitdem geht es mit der Straße bergab", zitiert die “Welt” einen Anwohner.

Klar ist aber: Probleme gab es in dem Viertel schon, bevor die Roma dort hinzogen. Klar ist aber auch, dass sich diese seither verschärft haben.

Die Politik muss also handeln. Ob Zwangsräumungen der richtige Weg sind, darüber wird nun jedoch heftig diskutiert.

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