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Amokläufer von München: Ali S. hinterließ Fake-Chatverlauf

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In dem McDonald's gegenüber dem Olympia-Einkaufszentrums begann der Amoklauf des 18-Jährigen Deutsch-Iraners. | Peter Kneffel/dpa
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  • Der Amokläufer von München soll ein Chatprotokoll mit einem "Bastian" hinterlassen haben
  • Untersuchungen deuten daraufhin, dass der Täter sich den Chatpartner ausgedacht hat
  • Laut "Bild am Sonntag" spricht der Täter in dem Dokument von Rache

Drei Monate nach dem Amoklauf von Ali David S. in München gibt es neue Erkenntnisse zum Täter.

Auf dem Rechner von Ali David S. soll ein siebenseitiges Chat-Protokoll gefunden worden sein, in dem er seine Pläne und Gedanken einem gewissen "Bastian" mitteilte. Das berichtet die "Bild am Sonntag", der das Chat-Protokoll vorliegt.

Nach Informationen des Blattes handelt es sich bei dem siebenseitigem Dokument aber allem Anschein nach nicht um einen echten Chat. Stattdessen hat sich der Amokschütze seinen Chatpartner "Bastian" sehr wahrscheinlich ausgedacht. Das sollen kriminaltechnische Untersuchungen ergeben haben. Auf Nachfrage beim Landeskriminalamt München hieß es, dass man sich nicht zu laufenden Ermittlungen äußere.

Amoklauf sollte laut Chatverlauf ein Racheakt sein

Ali David S. schrieb an seinen vermutlich ausgedachten Chatpartner: Ein Amoklauf an Salafisten in München sei "unvermeidlich". David erinnert zudem an all die "unschuldigen Mobbingopfer", die sich wegen ihrer Peiniger das Leben genommen hätten. Sein Amoklauf soll die Rache sein: "Das ist mein Job", schrieb er.

Er wolle vergessen, wie er in der Schule gehänselt wurde, könne es aber noch nicht, hieß es laut "BamS" weiter. Immer wieder soll er zudem auf ein Mädchen verwiesen haben, das er angeblich liebe. Einmal habe er an einer Bushaltestelle auch ihre Hand genommen, sie aber habe losgelassen, obwohl Ali David S. ganz genau gespürt haben will, dass sie es eigentlich auch gemocht habe.

Mehr zum Thema: Vater des Amokläufers wendet sich an Opfer und berichtet von Warnbrief

Der Kriminalpsychologe Rudolf Egg erklärte, dieses Verhalten auch an anderen Attentätern zu sagen. Gegenüber der "BamS" sagte er: "Sie überhöhen sich selbst und beseitigen dadurch innere Zweifel. Ziel ist es, die eigene Tat zu rechtfertigen. Täter, wie in München, haben enorme Selbstwertprobleme, weil ihrer Meinung nach die Mitmenschen nicht erkennen, wie genial sie doch sind. Sie können diese Auseinandersetzung nur mit sich selbst führen, weil sie sonst niemanden haben."

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