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SPD will mehr Lehrer mit Migrationshintergrund

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KOPFTUCH
Die SPD will mehr Lehrer mit Migrationshintergrund | dpa
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Bildung ist der Schlüssel zu Integration - dieses Lippenbekenntnis der Bildungspolitik geht der SPD offenbar nicht weit genug. Sie fordert jetzt konsequentere Maßnahmen an deutschen Schulen.

Die SPD-Bundestagsfraktion will in Anbetracht der Zahl der Flüchtlinge in Deutschland einen höheren Anteil von Lehrern mit Migrationshintergrund.

"Wir legen einen umfassenden Integrationsfahrplan vor"

Bildung sei der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe, deswegen kämen gerade auf das Bildungswesen große Aufgaben zu, heißt es in einem Konzept der Fraktion, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Darin geht es auch um andere Bereiche der Integration, etwa Arbeit oder Gesundheit.

"Mit unserem Konzeptpapier ... legen wir einen umfassenden Integrationsfahrplan für die kommenden Jahre vor", sagte Karamba Diaby, Leiter der SPD-Projektgruppe "#Neues Miteinander".

Nur wenn Einwanderer, Geflüchtete und andere Menschen mit Migrationshintergrund die Chance auf Integration haben, könne ein Auseinanderdriften der Gesellschaft verhindert werden. "Und das liegt im Interesse unseres Landes."

Lehrerverband warnt vor "gigantischer Migrationsaufgabe"

Das Thema Bildung ist angesichts der Flüchtlingskrise schon länger in der Diskussion. Im vergangenen Jahr hatte der Deutsche Lehrerverband (DL) bei der Huffington Post vor einer dramatischen Personalmisere an deutschen Schulen gewarnt. Die Bildungseinrichtungen stünden vor einer "gigantischen Migrationsaufgabe", sagte damals DL-Präsident Josef Kraus.

Das Problem: Aufgrund fehlender Sprachexpertise und kaum Erfahrung im Umgang mit traumatisierten Schülern drohen Zehntausenden Flüchtlingskinder Nachteile in der Schulbildung.

Experten fordern "unkonventionelle Maßnahmen", um die Probleme an den Schulen zu bekämpfen

Noch im vergangenen Jahr hatten Experten "unkonventionelle Maßnahmen" gefordert, um die Probleme an deutschen Schulen zu lösen. "Wir haben Tausende von arbeitslosen Lehrern. Warum sollte es nicht möglich sein, diese umzuschulen und ihnen attraktive Verträge anzubieten, damit sie Deutsch als Zweitsprache unterrichten können?", sagte Kraus im November vergangene Jahres in der Huffington Post.

Und Ernst Dieter Rossmann, bildungspolitischer Sprecher der SPD, forderte schon damals die "Weiterbildung von Quereinsteigern in Sprachbildung und interkultureller Kompetenz" sowie "die Nachqualifizierung von Fachkräften mit Migrationshintergrund".

Forscher sehen "deutliche Mängel in der Lehrerbildung"

Klar ist: Inzwischen hat fast jedes dritte Kind an deutschen Schulen ausländische Wurzeln. Zuletzt hatten Forscher eine Studie ("Lehrerbildung in der Einwanderungsgesellschaft") in Berlin vorgestellt, wonach Lehrer in Deutschland zumeist alleine mit den Herausforderungen der Integration im Klassenzimmern gelassen würden.

Verantwortlich seien "deutliche Mängel in der Lehrerbildung in den Bundesländern", hieß es in der Studie, die Forscher des Mercator Instituts an der Uni Köln und des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) verfasst haben.

So hätten viele Lehrer nicht gelernt, wie sie auf kulturelle und sprachliche Unterschiede im Klassenzimmer angemessen reagieren können. Nur in einigen Bundesländern würden angehende Lehrer systematisch den Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt lernen, kritisieren die Forscher.

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