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"Merkel ist unsere Kandidatin": CSU schlägt im Unionsstreit versöhnliche Töne an

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SEEHOFER MERKEL
Merkel und Seehofer im April in Berlin | Fabrizio Bensch / Reuters
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Es war ein kleiner Paukenschlag: Am Dienstag berichtete die "Süddeutsche Zeitung“, die CSU-Führung wolle Kanzlerin Merkel nicht zum Parteitag im November einladen. Die Differenzen zwischen CSU und CDU seien zu groß, ein Aufeinandertreffen auf der großen Bühne helfe keinem.

Bis heute hat sich an dieser Auffassung wohl wenig geändert. Ein endgültiger Bruch zwischen den Unionsparteien rückt dennoch wieder weiter in die Ferne. Die CSU hat die Weichen auf Versöhnung gestellt. Partei-Vize Manfred Weber sagte dem "Spiegel“ am Freitag: "Angela Merkel ist unsere Kandidatin.“

Annäherung "in vielen Punkten"

Damit erklärt der zweite Mann in der CSU Spekulationen für beendet, nach denen die Christsozialen bei der Bundestagswahl 2017 einen eigenen Kanzler-Anwärter stellen könnten. Zumindest fast. Denn Weber schiebt nach: "Ich würde mir wünschen, dass diese Aussage rasch kommt – von ihr und von uns.“

Und was sagt Seehofer, seit Monaten einer der schärfsten Kritiker Merkels?

"Wir sind uns in den letzten Wochen in vielen Punkten näher gekommen.“

Merkel verspricht Abschiebungen

Vermutlich spielt der CSU-Chef damit auf die verschärfte Rhetorik Merkels in der Flüchtlingspolitik an. Die versprach in den vergangenen Wochen immer wieder, die Anstrengungen bei Abschiebungen abgelehnter Asylanträge zu erhöhen.

Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Paderborn am vergangenen Wochenende klang das so: "Wir brauchen bei Rückführungen eine nationale Kraftanstrengung." Ein Satz, der auch vom bayrischen Ministerpräsidenten hätte kommen können.

Dennoch: Differenzen bleiben. Beim Deutschlandkongress am Samstag in Frankreich wütete CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble gegen die von der bayrischen Schwester so vehement geforderte Obergrenze für Flüchtlinge. "Überflüssig wie ein Kropf“ sei diese.

Fernbleiben von Parteitagen ist historisches Symbol

Auch wegen dieser Meinungsunterschiede wird Merkel wohl im November nicht auf dem CSU-Parteitag auftreten. Dort ist mit einem rauen Klima und scharfer Rhetorik gegenüber Flüchtlingen zu rechnen. Seehofer seinerseits wird im Dezember wohl auf seinen Besuch des CDU-Parteitags verzichten. Damit brechen die Parteichefs eine Tradition, die seit den Fünfziger Jahren Bestand hat.

Ist das nicht also doch der Bruch, vor dem unionsintern so viele warnen?

Es ist eher ein "letztes Aufbäumen Seehofers“, glaubt der "Spiegel“.

Beide Positionen ergeben zusammen eine gute Antwort

Weber nämlich gibt sich kompromissbereit – ja fast gespalten. Beide Parteien gäben zusammen eine gute Antwort auf die Flüchtlingsfrage, glaubt er. Merkel mit dem Bild, dass Deutschland "ein Land ist, das helfen will“. Und Seehofer mit der Botschaft, "dass wir Recht und Ordnung schützen.“

Das müsse man den Wählern nun nur noch als Miteinander statt als Gegeneinander darstellen.

Es klingt fast einfach.

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