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Maeckes: "Ich wusste nicht mehr wo ich wohne"

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Maeckes, der behauptet, gar nicht Maeckes zu sein

Markus Winter alias Maeckes ist nicht nur einer von den Orsons, sondern veröffentlicht jetzt auch sein neues Solo-Album "Tilt". Für ihn ist das Album ein musikalischer Befreiungsschlag, für die Hörer ein Tappen im Dunkeln und die Suche nach dem echten Maeckes. Zum Interview bei spot on news erschien der Rapper im knallgelben Anzug.

Es gibt das Gerücht, dass Du gar nicht Maeckes bist. Wer ist denn Maeckes, wenn Du es nicht bist?

Das Musikvideo zu Urlaubsfotograf sehen Sie hier bei Clipfish

Maeckes: Das frage ich mich auch. Bei meinem Label Chimperator haben wir versucht, den wahren Maeckes zu finden. Wir sind da noch nicht weiter gekommen bisher. Aber ich bin mir jetzt ziemlich sicher, dass ich es nicht bin, weil ich würde nicht im gelben Anzug hier sitzen.

Warum?

Maeckes: Ich bin eher farblos. Also die Privatperson in mir ist eher ein farbloser Charakter.

Wer wissen will, wer Maeckes ist, kann die "23 Fakten über Maeckes" bei Youtube anschauen. Da wird Dein Sturz vom Pferd beim Orsons Videodreh zu "Ventilator" gezeigt und in dem Song "Tilt" auch erwähnt. Das scheint Dich ziemlich beschäftigt zu haben. Was ist denn da passiert? Bist Du schlimm vom Pferd gefallen?

Maeckes: Ja, das hat Spuren hinterlassen. Ich bin vom Pferd gefallen und wusste nicht mehr wo ich wohne. Ich hatte zwei Platzwunden und bin erst im Krankenhaus aufgewacht. Für mich ist es eher eine Metapher dafür, wie wir an Dingen scheitern. Ich war der Regisseur, der mich selbst aufs Pferd gesetzt hat. Zum Glück ist alles gut gegangen und jetzt kann ich auch darüber lachen.

Im Song "Tilt" frägst Du die Hörer, ob ihnen Maeckes' Musik zu komisch ist. Ist Dir die Musik zu komisch?

Maeckes: Ne, also mir selber nicht. Am Anfang war die Musik sehr ernst und ist jetzt, vielleicht auch über die Gitarrenkonzerte, humorvoller geworden. Es ist ein schönes Mittel, um nicht die schrecklichen Dinge als schreckliche Dinge spürbar zu machen oder um mit Sachen umzugehen, für die man sonst kein Ventil hat. Ich bin kein Flitzpiepen-Lustig-Musiker, aber ich muss mich dem Humor nicht mehr verwehren. Ich mag ihn gerne.

Wenn wir schon bei Humor sind. Es gibt ein Feature mit dem österreichischen Kabarettisten Josef Hader. Wie kam es denn dazu?

Maeckes: Josef Hader war Gast auf einem meiner Gitarrenkonzerte in Wien. Es war ein sehr kleines Konzert und da haben wir uns kennengelernt. Von da an hat uns eine Künstlerfreundschaft begleitet. Das heißt, wenn er in Berlin gespielt hat, hat er mich eingeladen. Wenn ich in Wien gespielt hab, ist er vorbeigekommen. So hat sich unsere Zusammenarbeit ergeben.

Das heißt ihr habt auch denselben Humor?

Maeckes: Wir haben beide absolut keinen Humor als Privatpersonen. Und das zeichnet uns aus. Wir können zusammen rumsitzen und sehr ernst sein.

Der US-Schriftsteller Casper Kelly kann kein Deutsch, hat aber trotzdem eine Rezension über Dein Album geschrieben. Klingt seltsam.

Maeckes: Das ist eigentlich auch aus Zufall entstanden. Ich habe bei Casper Kelly, der seines Zeichens Serienschreiber für den US-TV-Sender Adult Swim ist, ein Buch bestellt. Er hat es persönlich verschickt, aber mein Buch kam nicht an. So hatten wir plötzlich E-Mail-Kontakt. Er hat sich meine Musik angehört und dann hatte ich die Idee, ihm das Album auch zu schicken. Und dann hat er eine Rezension geschrieben.

Der Song "Urlaubsfotograf" ist eine der Singles, die vorab veröffentlicht wurde. Um was geht es in dem Lied?

Maeckes: Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht genau, was es mit dem Lied auf sich hat. Ich tappe da genauso wie die Hörer ein bisschen im Dunkeln. Ich kenne aber das Gefühl sehr gut, dass eine Person, meist der Vater, den Kühlschrank vollgemacht, die Glühbirnen reingeschraubt und den Urlaub bezahlt hat, aber er war nicht ganz Teil dessen. Sondern er ist außen vor geblieben und ich glaube, das kennen sehr viele Leute. Das Bild des Urlaubsfotografen zeigt das am besten. Ohne ihn würde es das Bild nicht geben, aber er ist nicht drauf.

Im Video zu "Urlaubsfotograf" ist ein kleiner Junge zu sehen. Bist Du das?

Maeckes: Ne, das ist ein Lookalike. Wir haben gecastet und sehr aufwendig altes Material herstellen lassen. Er sieht mir aber verdammt ähnlich.

Das Album hat ziemlich gegensätzliche Emotionen. Von sehr glücklich zu sehr ernst und traurig. Spiegelt das den Umfang deiner Persönlichkeit wieder?

Maeckes: In gewissermaßen bestimmt und ich glaube, es gibt auch wenig Menschen die eindimensional und nur fröhlich oder nur traurig sind. Manche überlegen sich halt, wie sie in der Öffentlichkeit sein wollen und sind dann Trauerklöse oder lustige Flitzpiepen. Als ich das Album gemacht habe, habe ich gemerkt, dass es für mich mit einer gewissen Zeit abschließt und in der war beides drin. Deshalb ist auch beides auf dem Album.

Was erwartet denn das Publikum jetzt auf der kommenden Tour? Auch im Vergleich zu einem Gitarrenkonzert?

Maeckes: Das Gitarrenkonzert ist viel eher ein Theaterstück. Auf Tour werde ich mit Band kommen, mit den Katastrophen. Tristan Brusch, Äh, Dings und Wilhelm Belgart. Es wird viel mehr ein Konzert sein und ich glaube, dass es stimmungsmäßig die Bandbreite erwischt, die das Album hat.

Maeckes & die Katastrophen - "Tilt"-Tour:

21.11. Leipzig, Täubchenthal +++ 22.11. Dresden, Scheune +++ 23.11. Nürnberg, Hirsch +++ 24.11. München, Backstage +++ 25.11. Stuttgart, im Wizemann +++ 26.11. Heidelberg, Halle02 +++ 28.11. Frankfurt, Sankt Peter +++ 06.12. Berlin, Columbiatheater +++ 07.12. Hamburg, Grünspan +++ 08.12. Hannover, Musikzentrum +++ 09.12. Münster, Skaters Palace +++ 10.12. Bremen, Lagerhaus +++ 12.12. Dortmund, FZW +++ 13.12. Köln, Gloria +++ 14.12. Bochum, BHF Langendreer +++ 15.12. Bielefeld, Forum +++ 16.12. Osnabrück, Rosenhof