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Diese Krankheit wird 2020 die zweithäufigste Todesursache sein - sie wird immer noch völlig unterschätzt

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DEPRESSIONEN KRANKHEIT
Depressionen sind eine Volkskrankheit | iStock
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Als ob überall um dich herum Wasser ist und du mit jedem Schritt gegen die Wucht ankämpfen musst. Als ob jemand auf deiner Brust sitzt und dir den Hals zudrückt. Als ob sich eine Dunkelheit über dich legt, gegen die du machtlos bist.

So oder so ähnlich beschreiben Menschen, die unter Depressionen leiden, ihren Alltag. 350 Millionen Menschen weltweit sind inzwischen von der Krankheit betroffen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Rund vier Millionen davon leben in Deutschland, das sind fünf Prozent aller 18- bis 65-Jährigen.

Für Außenstehende wirkt es oft so, als würden viele dieser Menschen ein normales Leben führen, mit einem Partner, der sie liebt, einer Familie, die sich um sie sorgt.

Als würde ihr Alltag reibungslos funktionieren und sie wären eben nur manchmal ein bisschen niedergeschlagen und schlecht gelaunt.

Dabei übersehen die meisten zwei wichtige Dinge. Dass Depressionen erstens eine schwerwiegende Krankheit sind und dass sie zweitens noch immer massiv unterschätzt werden.

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Es gibt mehr Suizide als Verkehrstote

Wer das nicht glaubt, der muss sich nur eine von der WHO durchgeführte Studie von 2012 vor Augen führen. Die Organisation sagte bereits damals voraus, dass 2020 Suizid infolge von Depressionen die zweithäufigste Todesursache sein wird.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nehmen sich allein in Deutschland schon jetzt pro Jahr mehr als 9000 Menschen das Leben, wobei die Dunkelziffer sicherlich erheblich höher ist. Die Zahl der Suizide übersteigt damit deutlich die der jährlichen Verkehrstoten.

Ein Großteil der Menschen, die sich das Leben nehmen, litt vorher unter Depressionen. Laut der Stiftung Deutsche Depressionshilfe versterben rund 15 Prozent der Patienten mit schweren depressiven Erkrankungen durch Suizid. Der Verband schätzt, dass die Hälfte der depressiv Erkrankten im Laufe ihres Lebens einen Selbstmordversuch begeht.

Depressive Erkrankungen bei Erwachsenen haben ihren Ursprung oft schon in der frühen Jugend - ebenfalls ein Fakt, dem oft keine Beachtung geschenkt wird und den die Autoren der WHO-Studie explizit hervorheben.

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"Depression ist eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung"

Die Zahlen geben den Forschern Recht. In der Altersgruppe der 15- bis 35-Jährigen steht der Suizid schon jetzt an zweiter Stelle aller Todesursachen.

Viele von ihnen geschehen, weil die Betroffenen keinen Ausweg aus ihrer depressiven Erkrankung sehen - und könnten verhindert werden, wenn das Thema in der Gesellschaft endlich den Stellenwert bekommt, den es verdient.

“Nicht nur vom subjektiven Erleben her, sondern auch objektiv gesehen ist die Depression eine schwere, oft lebensbedrohliche Erkrankung”, heißt es auf der Homepage der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

“Die Zahlen zeigen, wie wichtig das Thema Depressionen in der Diskussion um öffentliche Gesundheit ist”, schreibt wiederum die WHO. “Doch hinter den Zahlen stehen Menschen, die leiden - und das ist noch viel wichtiger.”

Depression ist eine Volkskrankheit

Wichtig ist auch, dass wir all jenen Menschen, die sich trauen, in aller Öffentlichkeit über ihre Krankheit zu sprechen, Mut zusprechen und sie nicht verurteilen.

Wie die 20-jährige Bekah Miles, die vor einem Jahr sehr viel Zuspruch bekam, als sie auf Facebook ihre Gedankenwelt öffentlich machte:

“Für mich zeigt sich Depression an den Tagen, an denen ich traurig bin, ohne einen Grund zu haben.
Depression zeigt sich an den Tagen, in denen ich es nicht schaffe, aufzustehen.
Depression heißt zu viel oder zu wenig schlafen.
Depression ist die Hausaufgabe, die ich nie fertiggestellt habe, einfach weil ich nicht das Gefühl hatte, dazu imstande zu sein.
Depression sind meine Zusammenbrüche, für die es keine Erklärung gibt.
Depression heißt, zu viel oder zu wenig zu essen.
Depression sind die Nächte, in denen ich weine, weil ich mich so überwältigt fühle, obwohl alles in Ordnung ist.
Depression sind die 50 Pfund, die ich ständig in meiner Brust herumtrage.”

Immer mehr Menschen mit Depressionen entscheiden sich wie sie dafür, mit der Welt zu teilen, wie sie sich Tag für Tag fühlen und womit sie zu kämpfen haben.

Wir müssen anfangen, Depressionen als das wahrzunehmen, was sie sind: eine Volkskrankheit, die bald mehr Todesopfer fordern wird als alle anderen Krankheiten zusammen.

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