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"Tote Kinder gibt es auch in Mossul": Ein syrischer Journalist stellte bei "Maybrit Illner" Peter Altmaier bloß

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SULIMAN
Aktham Suliman, syrischer Journalist, bei "Maybrit Illner" | ZDF Mediathek
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Wladimir Putin ist aus Berlin wieder abgereist. Ergebnisse gab es bei den Gesprächen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande nur wenige. Nur eines scheint offensichtlich: Der russische Präsident bestimmt den Lauf der Weltpolitik, der Westen kann nur reagieren.

"Feldherr Putin - starkes Russland, schwacher Westen?", war daher das Thema der gestrigen "Maybrit Illner"-Sendung.

Illner wollte wissen, was hinter den Türen des Gipfels mit Putins abgelaufen ist. "Hat die Bundeskanzlerin Putin die Meinung gegeigt?", fragte die Moderatorin den Kanzleramts-Minister Peter Altmaier.

Altmaier: "Putin war nicht Teil der Lösung, sondern ist Teil des Problems"

Offensichtlich hat sie das. Der grausame Bürgerkrieg in Syrien habe durch "schlimmste Gräuel und Verbrechen, auch Kriegsverbrechen" eine neue Dimension bekommen, antwortet Altmaier. Diese mutmaßlich durch das Regime von Machthaber Baschar Al-Assad verübten Gräueltaten seien nur durch die Unterstützung Russlands möglich.

"Putin war nicht Teil der Lösung, sondern ist Teil des Problems." Zum Beispiel hindere Russland zurzeit einen bereitstehenden Hilfskonvoi an der Fahrt nach Ost-Aleppo, wo Menschen zu verhungern drohten. Diese Themen seien in "großer Schonungslosigkeit und Offenheit angesprochen worden"

Auf der eine Seite Putin und Assad, die brutal ihre geopolitischen Interessen verfolgen und denen die Zivilbevölkerung egal zu sein scheint - auf der anderen der Westen und die von ihm unterstützten Rebellen, welche Demokratie und Frieden nach Syrien bringen wollen - diese Darstellung Altmaiers war dem syrischen Journalisten Aktham Suliman zu einfach.

"Wir sehen nur die toten Kinder aus Aleppo, aber nicht die aus Mossul"

"Die eine Seite wird immer kritisiert, die andere gelobt", sagt der Journalist. Doch sowohl Mossul als auch Ost-Aleppo würden von Armeen angegriffen. Dabei würden der Öffentlichkeit die Leiden der Zivilbevölkerung selektiv gezeigt: "Wir sehen nur die toten Kinder aus Aleppo, aber nicht die aus Mossul."

"Für die Zivilisten ist das Ergebnis gleich, sie werden mal für einen guten Zweck bombardiert, mal für einen schlechten", fasst er die Lage der Syrer zusammen.

Das wollte Altmaier so nicht auf sich sitzen lassen. Dem Journalisten warf er vor, die Situation völlig "verdreht" dargestellt zu haben. In Mossul habe der IS eine Stadt erobert und die Bevölkerung unterdrückt, die Menschen würden sich wünschen befreit zu werden.

Altmaier spricht von "friedlichen und demokratischen Rebellen"

In Aleppo dagegen würden "die friedlichen und demokratischen Rebellen von der Bevölkerung geschützt und unterstützt".

Friedliche und demokratische Rebellen? Diese Worte lösten beim Rest der Runde Erstaunen aus. "Al-Nusra!", warf der Linke Dietmar Bartsch als Stichwort von der Seite ein. Die Dschihadisten-Miliz in Syrien war früher Teil der Terrorgruppe Al-Kaida und kämpft nun auf Seite der Rebellen. Suliman wiederholte Altmaiers Worte mit scheinbar schmerzverzerrtem Gesicht: "demokratische und friedliche Rebellen'!"

Altmaier eingeschnappt: "Sie brauchen doch nicht wiederhole, was Putin gesagt hat." Die Fassbomben-Angriffe des syrischen Regimes seinen nur mit Unterstützung Russlands und des Irans möglich.

"Herr Altmaier, konsultieren sich mit dem BND, vielleicht haben die Informationen für sie", empfahl ihm der Journalist. "Die Leute haben die Nase voll. Sagen sie Rebellen, das sind keine Demokraten."

Dem Westen ginge es nicht um Demokratie, sondern darum, die Seite zu bekämpfen, die mit den Russen auf einer Linie stehe - also Assad. "Ich glaube nicht, dass westliche Politiker nicht schlafen können, weil es in Syrien keine Demokratie gibt."

"Was uns am Westen am meisten stört, ist die Arroganz", beklagte sich der Syrer. Was es brauche, um Frieden zu schaffen, seien Gespräche mit, welche die Interessen aller Beteiligten berücksichtigen - darunter auch die des Irans und Russlands.

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