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US-Wahl: Donald Trump hat schon verloren, aber die amerikanische Demokratie auch

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TRUMP CLINTON
US-Wahl: Donald Trump hat schon verloren, aber die amerikanische Demokratie auch | POOL New / Reuters
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In einer bitteren, freudlosen 90-minütigen Präsidentendebatte sind Donald Trump und Hilary Clinton mit einer Bösartigkeit aufeinander losgegangen, wie man es nur in "Game of Thrones" erwarten oder im Kreml genießen würde.

Unterhaltsam war es trotzdem: Trump, dem mittlerweile bewusst ist, dass er die Präsidentschaftswahl nicht gewinnen wird, spielte die Position als nicht lohnenswert runter.

Trump nannte Clinton eine Lügnerin, eine "grässliche Frau" und jemanden, den man "niemals hätte antreten lassen dürfen", weil sie eine Gaunerin sei.

Sie nannte ihn einen Lügner, einen Lüstling, eine "Marionette" des russischen Präsidenten Wladimir Putin und "die gefährlichste Person der jüngsten Zeit, die zur Präsidentschaftswahl angetreten“ sei.

Der wahre Gewinner: Wladimir Putin. Der wahre Verlierer: unser nationaler Selbstrespekt

Der Höhepunkt des Abend war, als ein erbitterter, aber ungebeugter Trump so weit ging, es im Unklaren zu lassen, ob er das Wahlergebnis im Falle eines Verlusts, der nun wahrscheinlich, geradezu unausweichlich scheint, akzeptieren würde.

"Ich schau mir das beizeiten mal an", sagte er leichthin, als wäre das Thema nicht mehr als eine anstehende Lieferung Bauplatten, "ich lasse euch ein wenig zappeln."

"Das ist furchtbar", antwortet Clinton. "Wenn du jetzt schon herumheulst, bist du nicht der Richtige für den Job.“

Trumps beispiellose Drohung, eher Chaos zu stiften als sich geschlagen zu geben erzeugte ein Frösteln – und könnte eine weitere populistische Welle ankündigen, die die Legitimität der gewählten Regierung in nächster Zukunft anzweifeln würde.

Auf diese Art wollte Clinton die Wahl nicht gewinnen

Es war schon fast zu perfekt, dass diese schmutzige, leidige und größtenteils uninformative Serie von Debatten hier in Las Vegas zu Ende ging, in der Stadt, die die Schattenseiten Amerikas verherrlicht.

Wie Clinton ihren engsten Freunden anvertraut hatte, kann sie diese Wahl zwar gewinnen, aber das ist weder die Art von Wahl, die sie gewinnen wollte, noch die Art und Weise, wie sie sie gewinnen wollte.

Sie mag zwar mit großem Abstand siegen, aber das wird das Land nicht vereinen. Die Demokraten mögen mehr Sitze im Senat und im Parlament bekommen, aber das wird Washington nicht dazu bringen, sich zusammenzuschließen und die Sache anzugehen.

Unser Vertrauen zum Regierungssystem wird von diesem Wahlprozess, der eigentlich eine Phase der Erneuerung darstellen sollte, zerstört.

Trump lobte Putin und Assad

Und jener Mittwochabend hätte es auch nicht mehr vermocht, das Ruder herumzureißen.

Weder Trump noch der Fox-Nachrichtensprecher und Moderator der Debatte Chris Wallace haben es geschafft, die souveräne Clinton dazu zu bewegen, einen dramatischen, bahnbrechenden Fehler zu machen oder einen persönlichen Zusammenbruch zu erleiden.

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Natürlich steht sie unter Druck wegen der E-Mail-Affäre, aber sie schoss zurück, indem sie die Enthüllung Trumps persönlicher Beziehungen zu Putin anbrachte.

Trump fraß den Köder, indem er wiederholt Putin lobte, den reichsten und mächtigsten Sponsor terroristischer Aktivitäten auf Erden.

Auch wandelte sich Trump nicht zum vernünftigen Staatsmann – eine Rolle, die ihm sowieso niemand abkaufen würde. Als wäre es nicht genug, Putin zu loben – er sagte weiterhin, dass der syrische Präsident Bashar Assad ein "schlimmer Typ" sei, aber wahrscheinlich das Beste, auf das wir für "da drüben" hoffen könnten.

Trump lobte Putin und Assad

Der Austausch über Steuern, Einwanderung, Wirtschaft und den Rest bestand nur aus rezitierten Einzeilern und wiederholten Anschuldigungen, die das Land bereits gehört hatte.

Clintons bester Moment war, als sie Toleranz und Respekt sowohl Frauen als auch Zugehörigen anderer Religionen und Ethnien gegenüber verteidigte.

Die Tatsache, dass so eine Aussage zu einer politischen wird – dass dieser Aussage nicht automatisch jeder zustimmen würde – zeigt lediglich, wie weit der ordinäre Trump seine Kampagne getrieben hat.

Seine Verbissenheit hielt Clinton davon ab, Hoffnungen zu wecken und Perspektiven zu schaffen. Während sie verärgert dastand, hatte sie keine Chance – oder nicht die emotionale Stärke –, um andere, vielversprechendere Themen aufzugreifen.

Glauben in das demokratische System Amerikas verloren

Während sie konstant austeilte und ihr Bestes gab, zeigte Clinton, dass sie eher deswegen gewinnen würde, weil das Land Trump ablehnt, nicht, weil es sie bewusst will.

Und Trump währenddessen schien besessen davon, jeden einzelnen Teil des Systems schlechtzumachen – was auch schon die Sowjetische Union versucht hatte, um Amerikas Glauben in ihre eigene Regierung zunichte zu machen.

Investigative US-Agenturen hegen den starken Verdacht, dass Putins Verbündete Clintons Kampagne gehackt haben. Eine Flut bloßstellender E-Mails lieferte dem Land weitere Beweise der machiavellianischen Seite der Politik und Clintons eigenen Machtmanövern.

Das wird nicht genug sein, um Trump zum Präsidenten zu machen. Aber es wird nicht dabei helfen, Glauben in das demokratische System Amerikas wiederherzustellen.

Glauben in das demokratische System Amerikas verloren

Unser Glaube an Demokratie ist unsere stärkste Waffe – und Putins Angriffsziel. Er traf es am Mittwochabend in Las Vegas.

Anmerkung des Autors: Donals Trump stachelt regelmäßig zu politischer Gewalt an, ist ein notorischer Lügner, ungezügelter Xenophob, Rassist, Frauenfeind und zweifelt Obamas Geburt in den USA an. Er hat mehrmals zugesichert, allen Muslime – 1,6 Milliarden Zugehörige einer ganzen Religion – die Einreise in die Vereinigten Staaten zu verbieten.

Dieser Artikel erschien ursprünglich in der Huffington Post USA und wurde von Agatha Kremplewski aus dem Englischen übersetzt.