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"Preise wie im Puff": ZDF-Test lässt kein gutes Haar an der Deutschen Bahn

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DEUTSCHE BAHN
Der Fernsehsender ZDF hat in einer Dokumentation die Deutsche Bahn überprüft | Hannibal Hanschke / Reuters
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  • Der Fernsehsender ZDF hat in einer Dokumentation die Deutsche Bahn getestet
  • Untersucht wurden Pünktlichkeit, Sauberkeit, Essen, Service und Preise

"Preise wie im Puff" oder "Mit der Deutschen Bahn verliert man nur Freizeit" – so vernichtend fällt das Urteil mancher Bahnfahrer in der "ZDFzeit"-Dokumentation aus.

Doch ist die Kritik berechtigt? Das ZDF hat in der Dokumentation den großen Test gemacht und die Bahn in den Kategorien Pünktlichkeit, Sauberkeit, Essen, Service und Preise untersucht.

Zweidrittel aller Züge unpünktlich

Das Verkehrsunternehmen selbst gibt an, dass 2015 durchschnittlich 93,7 Prozent der Züge pünktlich waren. Dabei schneidet der Fernverkehr mit 74,4 Prozent deutlich schlechter ab als der Nahverkehr mit 94,2 Prozent.

Die Statistik wollte das ZDF überprüfen. Der Fernsehsender hat 20 Tester einen Monat losgeschickt, um ihre Bahnfahrten zu protokollieren. Außerdem konnten Zugreisende in einem Verspätungsmelder zwei Monate online angeben, wie verspätet ihre Züge waren.

Das ernüchternde Ergebnis: Zweidrittel aller Fahrten im Verspätungsmelder waren unpünktlich.

Der Unterschied zur offiziellen Statistik der Bahn ergibt sich daraus, ab wann das Unternehmen offiziell von Verspätung spricht. Erst nach einer Verzögerung von fünf Minuten bei Zwischenhalten, bei Endbahnhöfen erst ab 15 Minuten wird die Unpünktlichkeit festgehalten. Ausgefallene Anschlusszüge werden ebenfalls nicht eingerechnet.

Die Probleme sind dabei oft hausgemacht. Die Infrastruktur sei in der Vergangenheit vernachlässigt worden, sagt der Verkehrswissenschaftler Alexander Eisenkopf dem ZDF. Bei dem deutschen Mischsystem, bei dem Fern-, Regional- und Güterzüge sich eine Strecke teilen und sich gegenseitig ausbremsen, ist diese Entwicklung fatal.

Unübersichtliches Preissystem

Der zweite große Kritikpunkt: Bahnfahren sei zu teuer.

Auch diesem Vorwurf hat sich das ZDF angenommen. Ist die Bahn teurer als die Konkurrenz? Denn Fernbusse und Privatbahnen setzen die Deutsche Bahn zunehmend mit günstigen Preisen unter Druck.

Auf der Strecke Düsseldorf-Hamburg hat die Bahn wenig überraschend bei einer spontanen Fahrt die höchsten Preise (80,30 Euro) in der Sendung. Etwas günstiger ist das Auto mit 52 Euro (Fix- und Spritkosten), dann folgt der Privatzug HKX (39 Euro), der allerdings nur einmal am Tag fährt - und schließlich der Fernbus (26 Euro).

Dafür ist die Bahn dann aber auch das schnellste Transportmittel im Vergleich – wenn der Zug planmäßig ankommt.

Das Preissystem der Bahn gilt außerdem als unübersichtlich: Normalpreis, Flexi-Preis, Sparpreis. Hier können Kunden schnell den Überblick verlieren und unnötig viel Geld ausgeben. Umso wichtiger ist hier eine kompetente Beratung.

Mehr zum Thema: Deutsche Bahn: Mit diesem Trick findet ihr ein günstiges Bahn-Ticket

Anja Smetanin vom Verkehrsclub Deutschland sagt in der Dokumentation, dass die DB selten die günstigsten Tickets herausrücke. Menschen, die sich nicht über das Internet perfekt informieren könnten, seien der Bahn so ausgeliefert.

Ein Test in der Sendung dokumentiert die Servicelücke beispielhaft: Drei Jugendliche wollen vom Süden Deutschlands in den Norden fahren. Dafür gab es zum Testzeitpunkt ein Sparticket. Der Bahn-Berater erwähnt das aber zunächst nicht.

568 Euro solle die Gruppe zahlen. Erst als die Jugendlichen direkt nach dem Sonderangebot fragen, erwähnt es der Berater. Statt 568 Euro kostet die Fahrt nur noch 288 Euro. Eine Ersparnis von fast 300 Euro.

Im Dezember steigen die Preise wieder

Neben Pünktlichkeit und den Preisen hat das ZDF auch noch die Sauberkeit der Züge und das Essen an Bord überprüft. Bis auf eine dreckige Toilette und einen unterdurchschnittlichen Salat gab es hier jedoch nichts zu bemängeln.

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Im Dezember könnte es den nächsten Aufschrei von Bahnkunden geben. Dann nämlich will das Verkehrsunternehmen die Preise im Durchschnitt um 1,3 Prozent anheben.

Die höheren Preise betreffen jedoch nicht alle Bahnfahrer in gleichen Maßen, wie das Portal „T-Online“ berichtet. Teurer werden die Bahncards für Geschäftsleute - die Bahncard Business 25 um 2,9 Prozent, die Bahncard Business 50 um 3,2 Prozent.

Teurer würden weiterhin Verbindungen werden, wenn ein Kunde einen Fahrschein zum Flexpreis (früher: Normalpreis) kauft, mit dem er nicht an einen bestimmten Zug gebunden ist.

Dafür nannte das Unternehmen drei Beispiele: Die Fahrt Frankfurt-Berlin koste so künftig 126 Euro (bisher: 123 Euro), Hamburg-Berlin 79 Euro (bisher 78 Euro), Stuttgart-München 58 Euro (bisher 57 Euro).

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