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"Reichsbürger" schießt bei einer Razzia auf die Polizei - Beamter in Lebensgefahr

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SEK POLICE
Das SEK wollte einem sogenannten "Reichsbürger" die Waffen entziehen, doch er eröffnete sofort das Feuer (Symbolbild) | Ralph Orlowski / Reuters
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  • Ein "Reichsbürger" eröffnet Feuer auf die Polizei
  • Vier Beamte werden bei dem Hausdurchsuchung verletzt
  • Einer der Polizisten ist schwerverletzt

Ein sogenannter "Reichsbürger" hat in Georgensgmünd bei Nürnberg auf Polizisten geschossen. Der 49 Jahre alte Schütze eröffnete sofort das Feuer auf die Beamten, als diese am Montagmorgen um 6 Uhr in sein Heim eindrangen.

Die Polizei klingelte nicht, da "man aufgrund der vorangegangenen Vollstreckungsakte" annahm, dass er nicht kooperativ sein würde. Das erklärte die Polizei auf der Pressekonferenz. Den Mann im ersten Stock hatten die Einsatzkräfte bis zu den Schüssen nicht bemerkt - und hatte vom ersten Stock aus kommentarlos das Feuer eröffnet.

Ein 32 Jahre alter Beamte wurde dabei drei Mal getroffen. Auch ein 29-jähriger Kollege sei schwer verletzt worden, erklärte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Pressekonferenz.

Später konnte der Täter festgenommen werden. Die Staatsanwaltschaft hat einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes beantragt, der Mann soll bisher nicht einschlägig vorbestraft sein.

"Reichsbürger" besaß legal Waffen - galt aber nicht mehr als zuverlässig

Wie das bayerische Innenministerium mitteilte, sollten am Mittwoch die Waffen des 49-Jährigen sichergestellt werden, die der Mann zwar legal besaß. "Er galt jedoch als nicht mehr zuverlässig für den Besitz der Waffen", erläuterte der Polizeisprecher.

Der Zoll hatte den Fall ins Rollen gebracht. Wegen ausstehender KfZ-Steuer waren die Beamten bereits im Mai bei dem "Reichsbürger" gewesen.

Da dieser sich aber nicht kooperativ erwiesen hat, sollte geprüft werden, ob er zuverlässig ist. 120 solcher Überprüfungen finden im Landkreis Roth im Jahr statt - es ist also nichts Ungewöhnliches.

Rund 30 Waffen sollten eingezogen werden

Das Landkreisamt Roth schickte deshalb zwei Beamte zu dem Haus, einmal war der Mann nicht daheim, das nächste Mal wies der Mann die Kreis-Mitarbeiter harsch zurück. Das sagte der Landrat Herbert Eckstein (SPD) am Mittwochmittag.

Daraufhin hat das Amtsgericht in Ansbach die Waffen- und Jagdscheine des "Reichsbürger" widersprochen. Doch der Betroffene reagierte nicht.

Daher wollte das Landratsamt Roth am Mittwoch die rund 30 Waffen einziehen. Zur Unterstützung war die Polizei bei dem Einsatz mit Spezialeinheiten dabei, als es zu dem Zwischenfall kam.

"Reichsbürger" erkennen Deutschland nicht an

"Reichsbürger" erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das Deutsche Reich bestehe bis heute fort. Häufig legen sie dabei die Grenzen von 1937 zugrunde.

Vor diesem Hintergrund sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren amtliche Bescheide nicht. Etliche Akteure sind nach Einschätzung von Verfassungsschützern auch in der rechtsextremen Szene aktiv. Zahlen nennt das Bundesamt für Verfassungsschutz nicht.

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