Huffpost Germany

"F*** die Sanktionen": Wladimir Putins Berlin-Reise zeigt, wie der Westen ihn zunehmend unter Druck setzt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PUTIN
Der russische Präsident Wladimir Putin während einer Indien-Reise am Sonntag | Danish Siddiqui / Reuters
Drucken
  • Wladimir Putin trifft am Mittwoch mit Kanzlerin Merkel in Berlin zusammen
  • Die Beziehungen zwischen Europa und Russland sind angespannt
  • Bei einer Pressekonferenz in Indien wetterte Putin in deftigen Worten gegen die Sanktionspolitik des Westens

Es ist eine kleine politische Sensation: Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt am heutigen Mittwoch den russischen Präsidenten Wladimir Putin in Berlin zu Gesprächen über die Ukraine-Krise und den Syrien-Krieg.

Zusammen mit den Staatschefs der Ukraine und Frankreichs, Petro Poroschenko und François Hollande, nimmt Putin an einem Gipfeltreffen zum Friedensprozess in der Ost-Ukraine teil. Merkel und Hollande wollen mit ihm auch über die Gewalt in Syrien sprechen.

Putin wird von Merkel nicht gerade warmherzig empfangen - sie hatte sich noch am Dienstag dafür ausgesprochen, "alle Optionen" auf dem Tisch zu halten, um für Frieden in der Ukraine zu sorgen.

Dazu zählt sie auch eine Verschärfung der Sanktionen, die sie auch gegen Druck aus der eigenen Partei durchsetzen würde.

Putins Berlin-Reise zeigt, dass er zunehmend unter Druck gerät

Putins Besuch kommt überraschend. Bis gestern gab es noch nicht einmal eine offizielle Bestätigung des Kreml für den Besuch.

Die plötzliche Reise des Russen zeigt aber, dass er unter Druck gerät.

Über Jahre versuchte der Westen, Putin durch Gespräche zum Einlenken in der Ukraine zu bewegen - ohne Erfolg. Doch zunehmend zeigen die westlichen Staaten, dass ihre Geduld mit Putin am Ende ist.

Die amerikanische Regierung hat die Gespräche über einen Waffenstillstand in Syrien abgebrochen. In Deutschland wird über eine mögliche Verschärfung der Sanktionen gesprochen. Auch ein Ende des Pipeline-Projekts Nord Stream 2 wird diskutiert.

Und dann musste Putin auch noch eine Reise absagen, während der er mit dem französischen Präsidenten Hollande eine russisch-orthodoxe Kirche einweihen sollte.

Hollande wollte lieber über Kriegsverbrechen reden

Doch Hollande dachte gar nicht daran. Der Franzose beschuldigte Russland, in Syrien Kriegsverbrechen zu begehen - ein politischer Affront, der für Putin völlig überraschend kam.

Hollande sagte dem französischen Sender TF1, dass er sich nicht sicher sei, ob es "nützlich" sei, Putin bei kulturellen Veranstaltungen zu treffen. Stattdessen wollte er lieber ein "ernstes und direktes" Gespräch über Syrien führen.

Verständlich, dass Putin da lieber Zuhause blieb.

Die verschärfte Gangart des Westens gegenüber Putin scheint sich auszuzahlen. Am Montag kündigte Moskau an, dass die russischen und syrischen Streitkräfte ihre Offensive auf die syrische Stadt Aleppo für acht Stunden unterbrechen würden, damit Flüchtlinge die Stadt verlassen und Hilfsgüter geliefert werden könnten.

Putin verliert seine staatsmännische Fassung

Es ist nur ein kleiner Erfolg des Westens gegenüber Russland - aber immerhin ist es ein Erfolg. Der Wirkung zeigt.

Wir sehr Putin unter Druck ist, zeigte ein Vorfall bei einer Pressekonferenz in der indischen Stadt Goa am Sonntag.

Laut einem Bericht der "Moscow Times" soll der Präsident im Gespräch mit westlichen Journalisten seine staatsmännische Fassung verloren haben, als das Gespräch auf die Sanktionen des Westens kam.

Er nutzte ein etwas holpriges Bild und sagte, dass die westlichen Sanktionen sich "selbst ficken" könnten (im Original: "Western sanctions could screw themselves"). Die Passage wurde nach Angaben der "Moscow Times" später aus dem offiziellen Protokoll gestrichen.

Beim Treffen mit Merkel wird Putin wohl eher keine Kraftausdrücke verwenden.

Auch auf HuffPost:

Dieser Artikel war bei Amazon meistverkauft – wegen Donald Trump

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Kindern helfen

Seit Jahren schon warnen Experten, dass allein in Deutschland jedes fünfte Kind in Armut lebt. Viel schwieriger noch die Situation von Kindern in Südeuropa, Afrika oder Südasien. Doch was fehlt ihnen wirklich? Wie kann man ihnen wirkungsvoll helfen?

Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post einige spannende Projekte, die jeder unterstützen kann.

Die Initiative Anderes Sehen e.V. etwa kümmert sich um die frühkindliche Förderung von blinden Kindern - ein Bereich, den die beiden Gründer zuvor als zutiefst vernachlässigt erfahren haben.

Nun setzen sie sich für Chancengleichheit für blinde Kinder ein. Anderes Sehen e.V. bietet Blindenstöcke für Kinder, die ihre ersten Schritte wagen, und entwickelt liebevoll gestaltete Tast-Bilderbücher.

Zudem hat die Initiative die Echoortungsmethode Klicksonar nach Deutschland geholt und bietet hierfür Schulungen an. Auch die Aufklärung von Betreuungspersonen und die Bereitstellung von Vorschulmaterialien gehören zum Angebot von Anderes Sehen e.V.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)