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Neue Strategie: So will Hillary Clinton die Demokraten so mächtig machen wie lange nicht

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HILLARY CLINTON
US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton | Lucy Nicholson / Reuters
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  • Hillary Clinton greift Trump jetzt auch in traditionell konservativen US-Bundesstaaten an
  • Ihre Chancen, diese auch zu gewinnen, stehen gut - selbst in Texas
  • Die Demokraten könnten dank dieser Strategie auch den Kongress erobern

Erst Bernie Sanders, dann Chelsea Clinton, dann Michelle Obama: Im US-Bundesstaat Arizona reiben sich die Menschen die Augen: Was machen all die Demokraten hier? In dem Staat, der bei Präsidentschaftswahlen seit 20 Jahren stets für Republikaner gestimmt hat? In den Barack Obama bei seinen beiden Wahlkämpfen 2008 und 2012 wegen erwiesener Zwecklosigkeit kaum einen Fuß gesetzt hat?

Die Antwort ist eindeutig: Hillary Clinton spielt vor der Wahl am 8. November nicht mehr auf Sicherheit, sie will nicht so viele Staaten wie nötig gewinnen, sondern so viele wie möglich.

Clinton greift in Arizona an

Donald Trump, ihr republikanischer Gegenkandidat, erscheint ihr schwach genug, um die Kräfte nicht mehr ausschließlich auf die Hauptschlachtfelder, etwa in traditionell umkämpften Staaten wie Florida oder Ohio konzentrieren zu müssen. Clinton will jetzt auch einige der Staaten gewinnen, die ihre Wahlkampfstrategen eigentlich gar nicht auf der Agenda hatten.

Oder zumindest Trump ärgern und ihn in Staaten in den Zweikampf zwingen, wo er nicht glaubte, kämpfen zu müssen. Das wiederum schwächt seine Ressourcen in anderen, wichtigeren Gegenden.

Mehr zum Thema: Verschwörungstheorien und Morddrohungen gegen Clinton: Jetzt gerät der US-Wahlkampf völlig außer Kontrolle

Arizona gehört sicher dazu. Neueste Umfragen sehen Clinton jetzt - kurz vor dem nächsten TV-Duell mit Trump am Mittwochabend (Ortszeit) - sogar leicht in Führung. Zwei Millionen Dollar aus ihrem noch immer prall gefüllten Wahlkampf-Fundus will sie in den südlichen Staat stecken, den zuletzt ihr Mann Bill 1996 für die Demokraten geholt hatte.

"Hillary Clinton verstärkt ihre Anstrengungen dramatisch", sagte ihr Wahlkampfmanager Robby Mook jüngst.

Utah hat seit 1964 nicht mehr demokratisch gewählt

Doch auch Georgia, der erzkonservative Südstaat ist umkämpft, plötzlich sogar Utah. Der Mormonenstaat ist normalerweise eine sichere Bank für die konservativen Republikaner, seit 1964 wurde dort nicht mehr demokratisch gewählt. Eine Umfrage zeigt Trump und Clinton in einem toten Rennen mit dem unabhängigen Kandidaten Evan McMullin, einem ehemaligen CIA-Agenten und Investmentbanker.

Oder Texas. Dort führt Trump nach neuesten Umfragen nur noch mit zwei Punkten Vorsprung. "Es ist wahrscheinlicher dass Clinton Texas gewinnt, als das Donald Trump die Wahl gewinnt", schreibt der Datenjournalist Nate Silver in seinem Blog "FiveThirtyEight".

(Die aktuellsten Umfragewerte der beiden Kandidaten in den besonders umkämpften Bundesstaaten)

Aus dem Clinton-Lager verlautet, dass auch in Missouri und Indiana noch einmal kräftig investiert werden soll - beides Staaten, die Trump eigentlich schon gebucht hatte.

Utah hat seit 1964 nicht mehr demokratisch gewählt

Der Hintergrund des Strategiewechsels liegt im parlamentarischen Machtgefüge und im tradierten Wahlverhalten der Amerikaner. Erfahrungen aus früheren Wahlen zeigen: Viele Wähler stimmen auch bei den Wahlen zum Senat und zum Repräsentantenhaus für die Partei, aus der ihr favorisierter Präsidentschaftskandidat kommt.

"Es gibt nicht allzu viele Wähler, die ihre Stimmen splitten", sagt Wahlexperte Geoff Skelley vom Wahlnewsletter Sabatos Crystal Ball an der Universität Virginia. Will heißen: Clinton könnte demokratische Kandidaten für Repräsentantenhaus und den Senat - die beiden Kammern des US-Parlaments - mitziehen.

Beim Senat ist ein Machtwechsel realistisch: Wenn Clinton Präsidentin wird, müssen die Demokraten vier der 34 zur Wahl stehenden von insgesamt 100 Sitzen umdrehen. Die Umfragen zeigen: Das ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich. Beim Repräsentantenhaus stehen die Dinge komplizierter.

Die Mehrheit der Republikaner ist so groß, dass die Demokraten 30 Sitze hinzugewinnen müssten. Das war bis vor ein paar Wochen undenkbar, und ist auch heute noch unwahrscheinlich. "Aber es ist nicht mehr außerhalb des Bereichs des Möglichen", sagt Skelley.

Clinton braucht den Kongress

Clinton muss damit rechnen, dass sie im Falle einer Präsidentschaft 2018 beide Kammern an die Republikaner verliert - oder diese ihre Mehrheit manifestieren. Die zu 2018 zu verteilenden Sitze im Senat sehen die Republikaner klar im Vorteil, außerdem geraten Midterm-Wahlen schon fast traditionell zu einer Abstrafung der Regierungspartei.

Umso wichtiger wäre es für sie, in den ersten beiden Jahren ihrer etwaigen Präsidentschaft durchzuregieren, sprich Pflöcke einschlagen zu können. Dazu braucht sie auch die Parlamentarier in den eigenen Reihen. Ihren Wahlkampf zu unterstützen, ist also auch eine Art Hilfe zur Selbsthilfe.

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