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Diese eine Sache ist wichtiger für deine Gesundheit als Schlaf, Sport und Ernährung

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GENERATION Y
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  • Forscher haben untersucht, was ein gesundes und glückliches Leben ausmacht
  • Dazu befragten sie hunderte Menschen über Jahrzehnte hinweg
  • Das Ergebnis zeigt: Eine gesunde Lebensweise reicht längst nicht

Die Frage beschäftigt Menschen seit Jahrzehnten: Was ist das Geheimnis eines gesunden und glücklichen Lebens? Was ist nötig, um ein langes, zufriedenes Leben zu führen? Vermutungen dazu gibt es viele, gesicherte Erkenntnisse wenige.

Wissenschaftler der amerikanischen Universität Harvard wollten das ändern. Im Jahr 1930 begann ein Team von Forschern um den Psychiater George Vaillant, 268 Männer zu ihrer Gesundheit und ihrer Zufriedenheit zu befragen. Die eine Hälfte der Befragten bestand aus privilegierten Harvard Studenten, die andere Hälfte aus den ärmsten Jungen Bostons.

Viele Befragte sehnten sich nach Geld, Erfolg und Berühmtheit

Alle zwei Jahre bekamen die Teilnehmer einen Fragebogen zugeschickt. Aber um die Teilnehmer wirklich kennenzulernen, trafen die Psychiater sie auch persönlich. Sie interviewten sie in ihren Wohnzimmern zu ihren größten Ängsten, sie sprachen mit ihren Ehefrauen und sie durften sogar regelmäßig einen Blick in die Krankenakten der Teilnehmer werfen.

Mittlerweile sind viele der Befragten in ihren Neunzigern, einige sind schon tot. Einzelne entwickelten Krankheiten oder Süchte. Andere wurden Anwälte oder Ärzte. Einer von ihnen wurde der Präsident der Vereinigten Staaten: John F. Kennedy war auch unter den Teilnehmern der Studie.

Nach mehr als 75 Jahren veröffentlichten die Forscher ihre ersten Ergebnisse. Heute halten sie darüber Vorträge auf der ganzen Welt. Sie glauben, herausgefunden zu haben, was es ist, das auf Dauer gesund und glücklich macht.

Viele der Teilnehmer sollen zu Beginn der Studie angegeben haben, sie würden sich nach Geld, Erfolg und Berühmtheit sehnen. Aber nichts davon zeigte sich als das Geheimnis eines langen gesunden Lebens. Auch eine gesunde Lebensweise war es nicht. Sondern etwas ganz anderes, an das zu Beginn der Studie niemand gedacht hat: die Beziehungen zu anderen Menschen.

Wer mit 50 Jahren gute Freunde hat, ist mit 80 gesünder

Die Forscher konnten anhand der Krankenakten und der Befragungen feststellen: Die Menschen, die mit 50 Jahren die engsten Beziehungen führten, waren mit 80 Jahren die gesündesten. Enge Beziehungen seien das wahre Geheimnis eines gesunden Lebens, schlussfolgern sie.

Dabei gehe es aber nicht darum, besonders viele soziale Beziehungen zu führen. Man müsse auch nicht unbedingt verheiratet oder in einer Beziehung sein. Das einzige, das wirklich zähle, sei die Qualität der Beziehungen.

Ein wirklich guter Freund könne der Gesundheit demnach mehr helfen als Sport, Vitamine oder genug Schlaf. Sicherlich sind auch diese Dinge unabdingbar, um lange gesund zu bleiben. Aber enge Beziehungen sind bedeutender.

Psychiater Waldinger: "Einsamkeit tötet"

Der Psychiater Robert Waldinger ist der derzeitige Leiter der Studie. In einem TED Talk berichtete er von seinen Erkenntnissen. Er glaubt, dass es vor allem das Alleinsein ist, das Menschen krank macht. "Einsamkeit tötet", sagte er. Die Studie hätte ergeben, dass es den Menschen, die unfreiwillig einsam waren, innerhalb weniger Jahre gesundheitlich schlechter ging, als den Befragten, die regelmäßig in Gesellschaft waren.

Allerdings, hebt Waldinger hervor, sei es bei den Beziehungen von großer Wichtigkeit, dass es sich dabei um positive Beziehungen handle. Beziehungen, in der sich die Beteiligten ständig streiten würden, wie zum Beispiel in unglücklichen Ehen, seien ebenso schädlich für die Gesundheit, wie allein zu sein.

Auch andere Studien zeigen, wie wichtig Beziehungen zu anderen Menschen für unsere Gesundheit sind. Eine Studie des University College London hat ergeben, dass ältere Menschen, die von ihrem sozialen Umfeld isoliert sind, früher sterben. Die Wissenschaftler hatten 6500 Männer und Frauen untersucht. Dabei konnten sie auch zeigen, dass vor allem Menschen mit weniger Bildung und Wohlstand im Alter vereinsamen.

Psychiater Lütz:"Menschen können nicht alleine sein."

Der Psychiater, Theologe und Schriftsteller Manfred Lütz ist skeptisch gegenüber der Studie, denn Glück seit etwas höchst individuelles und es sei nicht messbar. Er selbst hat sich jahrelang damit beschäftigt, was ein glückliches Leben ausmacht. Darüber schreibt er auch in seinem Buch „Wie Sie unvermeidlich glücklich werden – Eine Psychologie des Gelingens.“

Dennoch hält er die Harvard-Studie für sehr interessant und die Ergebnisse für plausibel, vor allem dass Beziehungen wichtig seien. „Glück ist kein Egotrip, wie die Glücksratgeber suggerieren. Menschen sind Beziehungswesen. Sie können nicht alleine glücklich sein“, sagte Lütz der Huffington Post.

Jeder, der über sich sagt, alleine ganz und gar glücklich zu sein und andere Menschen nicht zu brauchen, mache sich selbst etwas vor. Lütz meint: „Eine gute Beziehung macht einen Menschen viel glücklicher als jeder Wellness-Urlaub, in dem Menschen so gerne von sich sagen, sie würden alleine die Seele baumeln lassen.“

Ein Glück, dass man diese Wellness-Urlaube auch gemeinsam machen kann. Denn Lütz glaubt: Nur gemeinschaftliches Glück macht den Einzelnen glücklich.

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(glm)