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"Bühne für den Mob": So fielen die Reaktionen auf "Terror - Ihr Urteil" aus

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IHR URTEIL
Das ARD-Fernsehspiel "Terror - ihr Urteil" spaltet die Gemüter | ARD
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Das deutsche Fernsehpublikum hat für Freispruch plädiert: 86,9 Prozent der TV-Zuschauer entschieden am Montagabend nach dem TV-Film "Terror - Ihr Urteil" (ARD), dass der Bundeswehrsoldat, der eine Passagiermaschine mit 164 Menschen an Bord abschoss, um 70.000 Leute in einem Fußballstadion zu retten, unschuldig ist.

Nur 13,1 Prozent hielten ihn für schuldig.

So einig sich die Zuschauer in der Sache sind, so unterschiedlich fielen die Reaktionen auf das Projekt der ARD aus. Der Film polarisierte und brachte eine hochemotionale Debatte in Gang.

Eine der ersten, die sich zu Wort meldete, war die innenpolitische Sprecherin der Linken-Bundestagsfraktion, Ulla Jelpke. Sie kritisierte in einer Pressemitteilung, der Film solle der geistigen Mobilmachung für den Ausnahmezustand dienen, um Gesetzes- und Verfassungsänderungen sowie Grundrechtsabbau zu rechtfertigen.

Auch die "Frankfurter Rundschau" fällte ein hartes Urteil über "Terror - ihr Urteil". Ihr Journalist Daniel Dillmann ist der Ansicht, dass es dem Fernsehpublikum nicht zustehe, Urteile zu sprechen. Der Sender habe eine "Bühne für den Mob" geschaffen, schreibt er.

"Was die ARD veranstaltet, ist bedenklich weit entfernt von der Verfassungsgrundlage, auf die sich die Bundesrepublik beruft, und untergräbt den ethischen Anspruch, den die Öffentlich-Rechtlichen an sich selbst stellen sollten. In einer repräsentativen Demokratie werden politische Entscheidungen nicht von einer emotionalen Masse getroffen, wie es die AfD gerne hätte, sondern von gewählten Volksvertretern, die mit Sachlichkeit und Fachwissen an die Problematik herangehen."

Auch auf Twitter sahen viele Nutzer dieses Problem. Sie waren der Ansicht, dass Urteile nur von Richtern gefällt werden sollten.

Die Journalistin Ruth Schneeberger von der "Süddeutschen" ist der Ansicht, der Fernsehfilm habe Zuschauer dahin gesteuert, für "nicht schuldig" zu stimmen. Offenbar ist sie ein Fan von Schauspieler Florian David Fitz, der den angeklagten Bundeswehr-Piloten darstellte.

"Dass die Fernsehzuschauer mit überragenden 86,9 Prozent für einen Freispruch plädiert haben, liegt auch an dem gefühligen Medium TV als Stimmungsverstärker - und nicht zuletzt an Schauspieler Fitz, dem man als Zuschauer einfach nichts übel nehmen kann."

Ganz anderer Meinung ist Michael Hanfeld von der "FAZ".

"Wie im Wortsinne fragwürdig und eben nicht im Sinne Gerhart Baums (hier der Kommentar des FDP-Mannes zum ARD-Film) ein für allemal erledigt das ist, zeigt das Stück von Schirach, zeigt der von Lars Kraume streng inszenierte Film in jedem Fall. Denn bei genauem Hinsehen tut von Schirach einiges dafür, dass die Theaterbesucher und Zuschauer für "schuldig" plädieren: Die Staatsanwältin ist überzeugender als der von Lars Eidinger gespielte Verteidiger des Luftwaffenpiloten."

Eines ist sicher: Das Stück hat eine wichtige Diskussion in Gang gesetzt und dazu geführt, dass sich viele Menschen erstmals damit auseinandergesetzt haben, was Artikel 1 des Grundgesetzes eigentlich bedeutet. Das erkannten auch viele Nutzer auf Twitter.

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