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Russland und Syrien unterbrechen Luftangriffe auf Aleppo

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ALEPPO
Aleppo gehört in dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten | Abdalrhman Ismail / Reuters
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  • Russland und Syrien haben ihre Luftangriffe auf Aleppo eingestellt
  • Zivilisten sollen durch sechs Korridore ungehindert den Ostteil von Aleppo verlassen können
  • Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und UN-Hilfsorganisationen haben mit Skepsis auf die Ankündigung reagiert

Russland und Syrien haben ihre Luftangriffe auf Aleppo am Dienstag um 10.00 Uhr (9.00 Uhr Ortszeit) vorerst eingestellt. Das teilte der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu mit.

"Die Unterbrechung ist für die achtstündige humanitäre Pause nötig, die für diesen Donnerstag geplant ist", sagte Schoigu am Dienstag der Agentur Tass zufolge.

Korridore zum Rückzug geöffnet

Die syrische Armee werde sich so weit zurückziehen, dass Kämpfer ungehindert den Ostteil von Aleppo durch zwei Korridore verlassen könnten. Für Zivilisten würden sechs Korridore geöffnet. Mit der Initiative soll zudem Militärexperten, die sich an diesem Mittwoch in Genf treffen wollten, mehr Spielraum gegeben werden, sagte Schoigu.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, sie habe seit dem frühen Morgen keine Luftangriffe mehr registriert. Allerdings seien zuvor bei heftigen Bombardierungen der Rebellengebiete im Osten Aleppos fünf Mitglieder einer Familie getötet worden, darunter drei Kinder.

Der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman, bezweifelte jedoch, dass die Menschen Korridore nutzen, die vom Regime und von Russland überwacht werden. "Sie wollen einen Korridor, der von den UN überwacht wird, damit ein sicherer Abzug mit ihren Kindern gewährleistet wird", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Auch die UN wollen Sicherheitsgarantien

Auch die UN-Hilfsorganisationen haben mit Skepsis auf die Ankündigung durch Russland und Syrien reagiert. Um die Notleidenden mit Hilfsgütern versorgen und Verletzte zur medizinischen Behandlung aus dem belagerten Osten der Stadt herausbringen zu können, bräuchten Helfer klare Sicherheitsgarantien aller Beteiligten, erklärte ein UN-Sprecher am Dienstag in Genf.

"Bislang haben wir solche Garantien von keiner Seite erhalten", sagte Jens Laerke vom UN-Koordinierungsbüro für Nothilfe (OCHA).

Vor der Ankündigung einer Feuerpause am Donnerstag seien die UN zudem nicht involviert worden. UN-Helfer in Syrien stünden aber weiter mit Versorgungsgütern bereit und warteten auf Absprachen zur Gewährleistung ihrer Sicherheit. Nach wie vor plädierten die UN zudem für eine mindestens 48-stündige Waffenruhe.

250.000 Menschen mangelt es an Essen und Trinken

Aleppo gehört in dem mehr als fünfjährigen Bürgerkrieg zu den umkämpftesten Gebieten. Syrische und russische Jets hatten in den vergangenen Wochen die heftigsten Luftangriffe seit Ausbruch des Konflikts geflogen.

In den Rebellengebieten im Osten der Stadt sollen noch rund 250.000 Menschen leben. Sie leiden unter einem massiven Mangel an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und medizinischer Versorgung.

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