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"Markus Lanz": Als Hardy Krüger über sein Todesurteil spricht, stocken ihm die Worte

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Einen ungewöhnlich bewegenden Auftritt hatte der Schauspieler Hardy Krüger in der gestrigen "Markus Lanz"-Sendung. Der 88-Jährige berichtet von seinen Erfahrungen im Dritten Reich - und sorgte beim Publikum für Gänsehaut (Zusammenfassung im Video oben).

"Mit sechs war ich ein Nazi", berichtet er dem Moderator Lanz. Seine Eltern seien damals "verblendet" gewesen, auf dem Klavier habe eine Hitler-Büste gestanden und sein Vater habe immer das NSDAP-Abzeichen getragen. Vater und Mutter waren stolz, als er auf der Ordensburg Sonthofen zum SS-Nachwuchs ausgebildet werden sollte.

Doch der Schauspieler Hans Söhnker, der Juden zur Flucht in die Schweiz verhalf, änderte seine Meinung. Als der Krieg ausbrach, hatte Krüger seine Sicht bereits geändert.

Krüger erschoss einen SS-Offizier

Krüger wollte nicht in den letzten Tagen des Krieges für Hitler sterben. "Als dieser Verbrecher seinen eigenen Selbstmord vorbereitet hat, hat er eine ganze Division von 16-jährigen aufstellen lassen." Er war einer davon.

Als ein SS-Offizier einen Sturmangriff auf die amerikanischen Linien befahl, widersetzt er sich. Der SS-Mann erschoss einen Jungen - doch er kommt nicht mehr dazu, auch Krüger umzubringen. Der feuerte schneller.

Niemand hatte die Tötung des SS-Mannes mit angesehen. Krüger bekam einen neuen Befehl - er sollte einen amerikanischen Spähtrupp "aufreiben". "Dann habe ich meine Jungs im Wald ins Unterholz gelegt", erzählte Krüger. Dort sollten sie warten, bis Krüger den ersten Schuss abgibt.

Doch er konnte nicht schießen. Ein Grund: Die farbigen Soldaten des amerikanischen Spähtrupps erinnerten ihn an Jesse Owens, den Läufer, der bei den Olympischen Spielen 1936 Gold gewann. "Jesse Owens war mein Held."

"Ja, ich kann darüber nicht reden"

Trotz der großen Bemühungen sei es niemandem gelungen, aus ihm einen Mörder zu machen. Doch Krüger wurde wegen Befehlsverweigerung vor einen Kriegsrichter gebracht.

"Der hat Sie zum Tode verurteilt", wirft Lanz ein. "Ja, ich kann darüber nicht reden", verschlägt es dem Schauspieler die Sprache. Er muss sogar kurz mit den Tränen kämpfen.

Doch ein Offizier schritt ein. Statt Krüger exekutieren zu lassen, sollte er als Melder eingesetzt werden. Krüger wurde schnell klar, dass der Offizier es schlicht "Gott überlassen wollte, ob ich sterbe." Denn die Arbeit als Melder war ein Himmelfahrtskommando.

"Es ist eure Zukunft, euer Land"

Nach zwei Tagen desertierte er, versteckte sich in Almhütten, bis der Krieg vorbei war. Er wurde einer der bekanntesten Schauspieler Deutschlands - und warnt seither vor den Gefahren der Extremismus.

"Seit 1957, als die ersten Hakenkreuze an die Synagoge von Köln geschmiert wurden", besucht er Schulen und warnt vor den Gefahren der Verblendung.

Er hat eine eindringliche Warnung an die Schüler von heute. Die größte Gefahr sieht er in Politikverdrossenheit. "Es ist eure Zukunft, euer Land, und ihr Schüler müsst mithelfen, dass es dazu nicht kommt", sagte er mit Blick auf das Erstarken des Extremismus im Land.

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