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Hätte auch er das Flugzeug abgeschossen? Das sagt "Terror"-Autor Ferdinand von Schirach

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SCHIRACH
Der ehemalige Staatsanwalt und Autor Ferdinand von Schirach | Lennart Preiss via Getty Images
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  • Der Film "Terror - Ihr Urteil" bewegt die Deutschen
  • Eine Mehrheit der Zuschauer würde einen Piloten freisprechen, der einen Jet abschießt, um Menschenleben zu retten
  • Das sagt der Autor Ferdinand von Schirach, der die Vorlage für den Film lieferte, zum Urteil der Zuschauer

Für Millionen Deutsche ist das Urteil klar: Der Bundeswehrpilot, der einen Jet mit 168 Passagieren abschießt, um 70.000 Menschen vor einem Terroranschlag zu retten, ist nicht schuldig.

Ist ein Mensch, der andere tötet, um Leben zu retten schuldig oder nicht? - genau darüber durften die Zuschauer gestern beim ARD-Film "Terror - Ihr Urteil" abstimmen.

Der Film basierte auf einem Theaterstück des ehemaligen Staatsanwaltes und Bestsellerautors Ferdinand von Schirach.

In der "Bild"-Zeitung hat Schirach nun die wichtigsten Fragen zu seinem Film beantwortet.

Zum Beispiel die Frage, ob er selbst auch die Entscheidung getroffen hätte, den Passagierjet abzuschießen.

"Abschuss und lebenslänglich Gefängnis"

"Für mich ist es ganz falsch, Leben gegen Leben abzuwiegen, auch bei großen Zahlen", sagt Schirach. Andererseits sei es das Wesen von Helden, dass sie sich opfern, um andere zu retten. "In unserem Fall hieße das: Abschuss und anschließend lebenslänglich ins Gefängnis."

Mehr zum Thema: Zuschauer wütend: So versagte die ARD bei "Terror - Ihr Urteil"

Schirach selbst aber hätte das Flugzeug nicht abgeschossen. Er sagte: "Wenn Sie mich persönlich fragen: Ich bin sicher kein solcher Held.“

Schirach äußerte sich auch zu dem Konflikt, der der Entscheidung des Piloten, des Gerichts und der Zuschauer innewohnt: Ist es rechtmäßig, gegen das Gesetz zu verstoßen, wenn man dafür Menschenleben retten kann?

"Es ist falsch, der höheren Moral zu folgen"

Eine ähnliche Frage hatte es im sogenannten Daschner-Prozess im Jahr 2004 gegeben. Damals verhandelte ein Gericht den Fall zweier Polizisten, die angeblich einem Verdächtigen Folter angedroht hatten, um den Aufenthaltsort einer Geisel zu erfahren. Die Polizisten wurden damals verurteilt.

Schirach sagt zum Fall des Bundeswehrsoldaten, der das Passagierflug abschießt: "Es gibt eine höhere Moral, aber es ist falsch, ihr zu folgen. Die Moral des Einzelnen ist wechselhaft und schwankend, sie ist unklar."

Sprich: Schirach spricht sich dagegen aus, dass Einzelne entscheiden, was in einer solchen Situation zu tun ist. Jeder einzelne müsse die Gesetze und die Verfassung achten, sagt der Ex-Jurist.

Laut Schirach würde wohl auch der Pilot aus dem Film vor einem Gericht schuldig gesprochen - dann allerdings könnte ihm der Bundespräsident nach ein oder zwei Jahren die Strafe per Gnadengesuch erlassen.

"Diskussion stärkt die Demokratie"

An der Kritik prominenter Politiker an dem TV-Experiment stört sich Schirach nicht. Unter anderem hatte der FDP-Politiker Gerhard Baum das Experiment scharf kritisiert. Der Vorwurf: Der Film samt Abstimmung seien populistisch.

Schirach dazu: "Die Sendung ist eine Anregung, über unseren Staat und unser Recht zu diskutieren. Das schadet der Demokratie nicht, das stärkt sie!“

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(bp)