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BASF: Rätselraten um Explosion beim Chemieriesen in Ludwigshafen - das sind die Fakten

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  • Bei der Explosion bei BASF in Ludwigshafen wurden zwei Menschen getötet, eine Person wird noch vermisst
  • Bisher deutet nichts auf eine kommende Umweltkatastrophe hin
  • Die Ursache für den ersten Brand an einer Rohrleitung, der in der Folge die Explosion auslöste, ist immer noch unbekannt
  • Im Video oben seht ihr die Bilder des Unglücks

Eine schwere Explosion auf dem Werksgelände des Chemiekonzerns BASF erschütterte am Montag Ludwigshafen. Die Rauchwolke, die daraufhin in den Himmel stieg, versetzte Menschen in Ludwigshafen und Mannheim in Angst.

Bis in den Abend hinein versuchten die Einsatzkräfte das Feuer zu löschen.

Am Tag nach dem Unglück ist klar: "Das Feuer ist zwar aus", wie ein Sprecher der Polizei am frühen Dienstagmorgen sagte. Die Lage sei aber nach wie vor diffus. "Für die Rettungskräfte ist es schwer, an den Unglücksort heranzukommen."

Zudem gibt es immer noch die Frage nach der Ursache. Am Dienstag Hat BASF auf einer Pressekonferenz zu dem Vorfall Stellung bezogen. Hier der Überblick der bisher bestätigten Fakten - und der noch offenen Fragen.

1. Das Feuer ist aus - aber die Lage ist diffus

Erst seit Montag, 21.30 Uhr, gilt das Feuer als gelöscht. Die Werkfeuerwehr und die Berufsfeuerwehr Ludwigshafen sind dem Konzern zufolge derzeit weiter im Einsatz und nehmen Kühl- und Sicherungsmaßnahmen an der Brandstelle vor.

Der Feuerwehr-Dezernent Ludwigshafens, Dieter Feid, sagte auf der Pressekonferenz am Dienstag, die Anwohner des betreffenden Ortsteils seien nach wie vor dazu angehalten, in ihren Häusern zu bleiben. Im gesamten Stadtgebiet Ludwigshafen seien Messwagen unterwegs, um die Gefahr für die Menschen zu prüfen, sagte Peter Friedrich von der Feuerwehr Ludwigshafen.

BASF-Werksleiter Uwe Liebelt sagte, bisher seien jedoch keine gefährlichen Werte festgestellt worden.

2. Mindestens zwei Menschen sind tot, eine Person gilt als vermisst

Sicher ist: Die Explosion bei BASF kostete zwei Mitgliedern der Werksfeuerwehr das Leben, zwanzig Menschen wurden - teilweise schwer - verletzt. Sechs Menschen befinden sich auf der Intensivstation.

"Wir bedauern zutiefst, dass Mitarbeiter verstorben sind und mehrere Menschen verletzt wurden. Unser Mitgefühl gilt den Betroffenen und ihren Familien“, schrieb Uwe Liebelt, BASF-Werksleiter am Standort Ludwigshafen auf der sozialen Plattform Facebook.

Ein Mensch gilt weiterhin als vermisst. Nach BASF-Angaben handelt es sich dabei nicht um einen Mitarbeiter des Unternehmens. Es könnte ein Matrose eines Tankschiffs sein. Da der Vermisste im Hafenbecken vermutet wird, sollen Taucher nach ihm suchen.

Lange Zeit war auch von einem zweiten vermissten Menschen die Rede. Die Person sei mittlerweile gefunden worden. Zum Gesundheitszustand der Person wollte man sich in der Pressekonferenz zu deren Schutz nicht äußern.

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3. Die Ursache für die Explosion bei BASF in Ludwigshafen ist unbekannt

Bisher ist völlig unklar, wie es zu dem Unglück in Ludwigshafen kommen konnte. Bei einer Rohrleitung kam es zu einem Brand, sagte Friedrich auf der Pressekonferenz. Es folgten eine gewaltige Explosion und weitere Brände. Die Ursache des ersten relativ kleinen Brands ist nach wie vor ungeklärt.

In dem Binnenhafen des Chemiekonzerns werden Flüssiggase, aber auch brennbare Flüssigkeiten verladen.

Die Explosion ereignete sich während Reparaturarbeiten an einer leeren Pipeline, sagte der Werksleiter. Drei bis fünf Arbeiter seien beteiligt gewesen. Diese Reparaturarbeiten hätten schon einige Tage angedauert. Es sei bereits in den vergangenen Tagen zu Schneid- und Schweißarbeiten gekommen. Ob die Arbeiten den Brand auslösten, sei momentan noch ungeklärt.

Ethylen werde unter anderem zur Herstellung von Dämmstoffen und Lösemitteln verwendet, Propylen komme bei der Produktion von Autolacken, Dispersionen und Klebstoffen zum Einsatz.

4. So reagierte BASF, als es brannte

Da die Rohrleitungen brannten, wurde die Werksfeuerwehr gerufen. Gerade als diese eingetroffen war, soll sich nach Darstellung des Unternehmens die Explosion ereignet haben. Aus Sicherheitsgründen fuhr die BASF nach der Explosion insgesamt 14 Produktionsanlagen herunter. Zwischen dem Landeshafen Nord und dem Rhein wurden Wassersperren errichtet.

Die Rohrleitungen wurden mit einer ein Meter dicken Schaumdecke abgedichtet. Erst wenn sichergestellt ist, dass tatsächlich keine Flüssigkeiten mehr aus den Rohren laufen, können der Schaum entfernt und die Rohre begutachtet werden. Das könnte noch bis Mittwochabend dauern.

5. Warum sollen die Anwohner weiterhin in ihren Häusern aufhalten, wenn die Messwerte bisher unauffällig waren?

Nach den Explosionen zog eine Wolke aus Rauch und Ruß über Teile von Ludwigshafen und das benachbarte Mannheim hinweg. Anwohner wurden deshalb aufgefordert, in ihren Häusern zu bleiben, sowie Türen und Fenster geschlossen zu halten. Umweltmessungen in der Luft und am Boden blieben zunächst unauffällig.

Auf die Frage, warum die Bewohner sich immer noch in ihren Häusern aufhalten sollen, sagte Friedrich auf der Pressekonferenz, dass nach wie vor giftige Flüssigkeiten in den Rohrleitungen stecken würden. Diese seien unter der Schaumdecke nur abgedichtet.

Mehr zum Thema: So zieht die toxische Wolke nach der Explosion im Chemiewerk über Deutschland

6. Der Schaden ist unbekannt

Die wirtschaftlichen Folgen für BASF und die Schadenshöhe sind derzeit noch nicht absehbar. Aber: "Da die Rohstoffversorgung noch unterbrochen ist, bleiben die Steamcracker heruntergefahren", meldet das Unternehmen auf Facebook. Steamcracker sind für die Chemieproduktion unerlässlich. Rund 20 weitere Anlagen am Standort seien in der Folge ebenfalls heruntergefahren worden oder im Teillastbetrieb.

7. Gibt es einen Zusammenhang zu anderen Vorfällen auf dem BASF-Gelände in diesem Jahr?

Die Explosion am Montag war schon der 15. Zwischenfall am BASF-Standort Ludwigshafen in diesem Jahr, bei dem Chemikalien austraten, berichtet "Focus Online". Es sei der 6. meldepflichtige Vorfall, hieß es auf der Pressekonferenz. Zum ersten Mal sind nun Tote zu beklagen.

BASF-Werksleiter Liebelt verneinte, dass ein Zusammenhang zu anderen Vorfällen in diesem Jahr bestehe. Der Ort des Unglücks am Montag gebe dazu keinen Anlass. Noch sei die Ursachenforschung aber nicht abgeschlossen, ein Zusammenhang könne daher nicht völlig ausgeschlossen werden.

8. Wie handeln die Behörden?

Die Staatsanwaltschaft Frankenthal hat wegen der Explosion auf dem BASF-Werksgelände in Ludwigshafen Ermittlungen eingeleitet. Ein Gutachter wurde zur Klärung der Ursache eingeschaltet, wie die Behörde am Dienstag mitteilte.

Mit Material der dpa

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