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Florian David Fitz: Das Interview zum ARD-Film "Terror - Ihr Urteil"

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FLORIAN DAVID FITZ
Florian David Fitz in seiner Rolle als Kampfpilot Lars Koch | ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Terjung
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Kampfpilot Lars Koch hat eine entführte Passagiermaschine mit 164 Menschen abgeschossen, um 70.000 Besucher in einem Fußballstadion zu retten. War diese Entscheidung richtig? Das muss am Montagabend das Publikum entscheiden. Im Film "Terror - Ihr Urteil" (20:15 Uhr im Ersten) nach dem Theaterstück von Ferdinand von Schirach wird der Zuschauer zum Richter. Eine schwierige Aufgabe, weiß auch Hauptdarsteller Florian David Fitz (41, "Der geilste Tag"). Wie er selbst Entscheidungen fällt und warum auch er schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, verrät er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Wieso wollten Sie die Rolle des Angeklagten Lars Koch spielen?

Den Trailer zu "Der geilste Tag" mit Florian David Fitz sehen Sie auf Clipfish

Florian David Fitz: Es war gar nicht mal nur die Rolle an sich, die so besonders für mich war, sondern das ganze Projekt. Erstens war es ein Experiment, das ich so noch nie gemacht habe. Und zweitens ist das ganze Themengebiet ziemlich spannend. Jeder, den man fragt, ob man 164 Menschen gegen 70.000 aufwiegen darf, hat sofort eine Meinung. Das hat mich am meisten daran interessiert.

Und genau diese Meinung wird während des Films immer wieder umgeworfen...

Fitz: Natürlich wollen wir den Zuschauer beeinflussen, aber noch mehr wollen wir, dass er seine Meinung wieder ändert. Es soll ihm nicht zu leicht gemacht werden. Wir sind so etwas wie in dem Film auch gar nicht mehr gewohnt. Normalerweise würde man in so einem Film den Abschuss zeigen. Aber hier wird nichts gezeigt, außer die reine Argumentation. Und trotzdem hängen die Zuschauer total mit drin, weil es etwas Vorstellbares ist. Jeder weiß, dass so etwas passieren könnte. Das macht es so spannend.

Wie sehr spielt die Person Lars Koch für das Urteil eine Rolle?

Fitz: Ich werde immer wieder gefragt, ob Lars Koch nicht zu sympathisch dargestellt wurde und die Abstimmung deswegen möglicherweise beeinflusst wird. Der Richter sagt zwar am Anfang, der Zuschauer soll sich nicht von Sympathien leiten lassen, aber das ist im Gerichtssaal auch nicht anders als draußen: Auch hier gibt es Sympathien und Antipathien...

Zu sympathisch? Lars Koch wirkt doch sehr rational und stellenweise sehr distanziert.

Fitz: Ich habe es nicht so empfunden. Ich glaube, ihn greift es sogar sehr an, dass er diese Menschen abgeschossen hat. Aber er erklärt eben, dass aus seiner Sicht einer dieses Opfer bringen musste.

Wie stehen Sie dazu?

Fitz: Lars Koch ist ein tragischer Held im griechischen Sinne. Er konnte nicht richtig handeln, egal wie. Die Staatsanwältin hat schon recht: Er darf diese Entscheidung nicht treffen. Er darf sich nicht zum Herrn über Leben und Tod machen. Aber andererseits denke ich auch: Da sind einfach 70.000 Menschen in diesem Stadion... Ferdinand von Schirach schildert hier ganz klar ein Dilemma. Er vermengt die strafrechtliche Betrachtung mit der moralischen Ansicht. Laut Gesetz ist es vollkommen klar, dass er schuldig ist. Aber die Menschen beurteilen nicht nach dem Gesetz, sondern danach, ob er moralisch gesehen schuldig ist.

Am Ende muss jeder Zuschauer diese Entscheidung für sich selbst treffen. Wie leicht fallen Ihnen Entscheidungen?

Fitz: Das kann ich so pauschal nicht sagen, manche plagen mich sehr und manche überhaupt nicht. Ich versuche bei schwierigen Entscheidungen tatsächlich die Einzelheiten auseinanderzudividieren. Manchmal mache ich sogar eine Pro- und Contra-Liste. Oder kennen Sie diesen Trick, den man als Kind gemacht hat, wenn man sich nicht entscheiden konnte? Man wirft eine Münze und dann entscheidet man sich sowieso anders? Die Münze ist quasi nur ein Katalysator, dass die eigene Entscheidung, die man eigentlich sowieso schon getroffen hat, auch herauskommt. Das ist ein ganz gutes Prinzip.

Sind Sie selbst schon einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten?

Fitz: Ich habe als Kind geklaut und saß mit elf Jahren schon bei der Polizei. Aber da war ich ja noch nicht strafmündig. (lacht) Ich bin früher auch ab und zu schwarzgefahren, aber das habe ich dann gelassen, weil es mich zu sehr gestresst hat. Hinzu kommt, dass ich auch nicht mehr so oft in der S-Bahn sitze, sondern viel mit dem Fahrrad unterwegs bin.

Wenn Sie in einem entführten Flugzeug säßen, wen würden Sie anrufen?

Fitz: Vermutlich meine Eltern. Aber das ist auch schwierig... Was sagst du da, dass sie sich nicht noch beschissener fühlen? Ich würde wahrscheinlich eher vergeblich versuchen, die Panzertür einzutreten.