Huffpost Germany

Berliner Polizei fährt Präsenz im Görlitzer Park massiv herunter - von Aufgeben will sie aber nicht sprechen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
POLICE GERMANY
Die Polizei hat große Schwierigkeiten den Brennpunkt "Görlitzer Park" in den Griff zu bekommen. | Wittelsbach bernd via Getty Images
Drucken
  • Der Görlitzer Park in Berlin gilt als einer größten Drogenumschlagplätze der Hauptstadt
  • Vergangenes Jahr sagte der Berliner Innensenator den Dealern den Kampf an
  • Nun zeigt sich: Der Innensenator scheint den Kampf verloren zu haben

Die Kriminalität im Görlitzer Park mitten in Berlin Kreuzberg bereitet der Hauptstadt-Polizei große Sorgen: 840 Drogendelikte, 192 Taschendiebstähle, 29 Fälle von schwerem Raub und 28 Körperverletzungen zählten die Ordnungshüter allein im Jahr 2016.

Aus einem Lagebericht der Berliner Polizei geht nun hervor, dass die Beamten die Situation vor Ort einfach nicht in den Griff bekommen, den Görlitzer Park offenbar aufgeben haben und einen großen Teil der Ordnungshüter aus dem „Görli“ abziehen. Das berichtet die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf ein internes Polizeischreiben.

Demnach habe sich die Beamtenzahl an dem "kriminalitätsbelasteten Ort" seit Jahresbeginn kontinuierlich verringert. Waren die Polizisten im Januar noch 6700 Einsatzstunden vor Ort, seien es im September 2016 demnach nur noch 1300 Stunden gewesen.

Kampfansage von CDU-Politiker bleibt ohne Wirkung

Dabei hatte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) im März 2015 noch großspurig die "Null-Toleranz-Zone" für den Görlitzer Park angekündigt. Eine Kampfansage an alle Drogendealer und Kleinkriminellen. Selbst kleinste Drogendelikte sollten fortan zur Anzeige kommen.

Anderthalb Jahre später wirken Henkels Worte allerdings eher wie eine inhaltslose Drohung. Denn die verstärkte Polizeipräsenz bleibt folgenlos. Besonders die Bilanz der Drogendelikte sorgt beim Innensenator und den Beamten für Ernüchterung.

„Die Größenordnung der im Görlitzer Park zu beobachtenden Drogenhändler, fast ausschließlich schwarzafrikanischer Abstammung, und der Drogenerwerber ist nach wie vor konstant hoch einzustufen“, heißt es in dem internen Polizeischreiben. Der „Görli“ sei demnach weiterhin ein wichtiger Drogenumschlagsplatz in Berlin.

Drogenhändler erschweren der Polizei die Arbeit

Große Schwierigkeiten bereitet der Polizei auch die Gerissenheit der Drogendealer. Mit einfachen Tricks erschweren sie die Ermittlungen der Beamten.

Die Täter seien laut Lagebericht "mittlerweile verstärkt dazu übergegangen, Bunker im Görlitzer Park so anzulegen, dass diese nicht sofort einem konkreten Händler zugeordnet werden können". Dadurch habe die Polizei immer größere Schwierigkeiten, den Dealern etwas nachweisen zu können.

Und wenn die Beamten während eines Deals entdeckt werden dann "wird durch Ausweichen in die angrenzenden Bereiche der Sonderzone entgegengewirkt, wobei durchaus so lange abgewartet wird, bis die Maßnahmen beendet sind".

Polizei will die Situation nicht ignorieren

Gänzlich aufgeben will die Polizei den Görlitzer Park allerdings nicht: "Wir brauchen durchgehend hohe Polizeipräsenz und endlich den nötigen Druck seitens der Justiz, damit der Park der Erholung und nicht dem Drogentourismus dient", zitiert die "Berliner Zeitung" den Sprecher der Gewerkschaft der Polizei, Benjamin Jendro.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg


Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Zusammen mit der Spendenplattform betterplace.org nennt die Huffington Post spannende Projekte, die ihr direkt unterstützen könnt.

In einem großangelegten Projekt hilft der Verein SyrienHilfe e.V. vor Ort Menschen in Not, die ihre Heimat nicht verlassen können oder wollen. Seit 2012 setzen sich Ärzte, Ingenieure, Archäologen, Lehrer und Künstler in dem Bürgerkriegsland dafür ein, dass die Bevölkerung in ihrem eigenen Land ein würdevolles Leben führen kann.

Der Verein betreut Waisenkinder, organisiert medizinische Versorgung für Behinderte und chronisch Kranke und finanziert Lebensmittel und Unterkünfte.

Unterstütze sie jetzt auf www.zusammen-für-flüchtlinge.de, der zentralen Plattform für Projekte in der Flüchtlingshilfe von betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

Von Aleppo nach Berlin: "Wer sind diese Deutschen?": Syrer macht soziales Experiment auf Alexanderplatz

(ben)