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"Gibt's bei ihnen einen Männer-Bonus?": Linken-Politikerin Katja Kipping geht auf Anne Will los

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KIPPING
Frau Kipping redete sich bei "Anne Will" um Kopf und Kragen | ARD Mediathek
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In Anne Wills Sendung "Der Fall Al-Bakr - Ist der Staat dem Terror gewachsen?" ging es um die Konsequenzen aus dem Selbstmord des Terror-Verdächtigen in seiner Haft in Leipzig.

Das Highlight der Sendung: Dabei schoss die Linken-Politikerin Katja Kipping mit ihrer Forderung nach einem Rücktritt des sächsischen Justizministers Sebastian Gemkow ein böses Eigentor - und geriet dann mit Will aneinander.

Doch zuerst nahm sich die Moderatorin Gemkow selbst vor, der in den vergangenen Tagen harte Kritik einstecken musste. Unnachgiebig bombardiert sie ihn mit Fragen: "Haben Sie sich persönlich und permanent informieren lassen?", fragt sie. "Haben sie allen Mitarbeitern klargemacht, dass es sich um den wichtigsten Gefangenen Sachsens und der Bundesrepublik handelt?" Und ganz direkt: "Welche Fehler haben Sie gemacht?"

Rechtsstaatliche Prinzipien müssen sein

Doch Gemkow schlägt sich gut. Er verweist darauf, dass der Strafvollzug rechtsstaatlichen Prinzipien folgen muss. Die Entscheidung, den Gefangenen zuerst alle 15 Minuten zu kontrollieren und dann alle 30 Minuten, sei von vier sehr erfahrenen Experten getroffen worden - und denen müsse man in so einer Situation vertrauen.

"Da die Psychologin gesagt hat, es liege keine akute Suizidgefahr vor, konnten die Bediensteten keine härteren Maßnahmen verhängen als 15-minütigen Kontrollen“, rechtfertigte sich Gemkow.

Kipping: "Der ganze Vorfall liest sich wie eine Folge aus Pleiten, Pech und Pannen!"

Die Alternative wäre ein "besonders gesicherter Haftraum" gewesen. Gummiwände, Loch im Boden, Matratze, für den Gefangenen lediglich Schambekleidung. Mit dieser Unterbringung hätte man allerdings "den Rahmen des rechtlich Zulässigen überschritten", erklärte Gemkow.

Die Linken-Politikerin Katja Kipping hörte sich das Ganze kopfschüttelnd an. Und mischte sich dann ein. "Der ganze Vorfall liest sich wie eine Folge aus Pleiten, Pech und Pannen!", sagt sie.

Und fordert einen "personellen und strukturellen Neuanfang". Sprich: Gemkow soll zurücktreten. Und Sachsen Ministerpräsident Stanislaw Tillich am Besten auch gleich.

Mehr zum Thema: Bruder des Terrorverdächtigen: Berliner Imam radikalisierte Jaber al-Bakr

Und wie hätte sie an seiner Stelle den Selbstmord verhindert? "Man hätte eine Stuhlwache organisieren können, bei der es eine permanente Beobachtung gibt", schlägt die Linke vor.

Nanu? Eine Linken-Politiker fordert, einen Gefangenen seiner Persönlichkeitsrechte zu berauben? Gemkow weist sie auf diesen Widerspruch hin: "Wollen wir beim Kampf gegen Drachen selbst zum Drachen werden?", fragt er Kipping.

Herrmann: "Wenn es nach der Linkspartei ginge, wäre der Mann überhaupt nicht festgenommen worden"

Auch die Moderatorin ist überrascht. "Es wundert mich wirklich, dass sie als Linken-Politikerin hingehen und sagen, Sie würden einem Gefangenen jedwede Privatsphäre, alle Persönlichkeitsrechte nehmen“, sagt sie. "Hätte ich Ihnen nicht zugetraut!“

Auch der bayerische CSU-Innenminister Joachim Herrmann haut der Linken noch eins drüber. "Wenn es nach der Linkspartei ginge, wäre der Mann überhaupt nicht festgenommen worden, weil es nach deren Meinung gar keinen Verfassungsschutz geben dürfte!“, ätzte der.

Kipping gerät in Schnappatmung. Sie weist auf das angebliche Geklüngel zwischen der rechten Terrorgruppe NSU und dem Verfassungsschutz hin und fragt, warum zugelassen wurde, dass Al-Bakr in seiner Wohnung Sprengstoff angerührt habe.

Diese Aussage mach Kipping aber nicht glaubwürdiger.

Kipping: "Gibt es eigentlich als Mann einen Geschlechterbonus bei Ihnen?“

Kipping scheint sich zunehmend in die Ecke gedrängt zu fühlen. Die Linke hat scheinbar den Eindruck, dass liege an der Moderatorin - und sie holt mit der Gender-Keule aus. Sie ist der Ansicht, Will lasse Herrmann öfter zu Wort kommen als sie selbst. "Gibt es eigentlich als Mann bei der Redezeit einen Geschlechterbonus bei Ihnen?“, giftetet sie die Moderatorin an.

Immerhin, wenigsten der syrische Blogger und Flüchtling Abdul Abasi kann einen echten Fehler der sächsischen Behörden aufdecken. Warum der Fahndungsaufruf für Al-Bakr nur in einem schwer verständlichen Behördendeutsch und nicht sofort auch auf Arabisch veröffentlicht wurde, fragt er?

Vielleicht hätte Al-Bakr schon früher gefasst werden können, wenn die Behörden von Anfang an die syrische Gemeinschaft eingebunden hätte. "Hier fehlt es an Zusammenarbeit!", beklagt er.

Hoffentlich hat Gemkow ihm gut zugehört.

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