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Studie: So korrupt sind deutsche Universitäten

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(GERMANY OUT) Jura - Studenten bei einer Vorlesung im Hörsaal der Universität Bochum (Photo by Eckel/ullstein bild via Getty Images) | ullstein bild via Getty Images
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  • Wenn an deutschen Universitäten Doktortitel oder Lehrstühle vergeben werden, beobachten Studenten immer häufiger Korruption
  • Selbst die Ukraine schneidet in diesem Punkt besser ab

Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin: Erschlichene Doktortitel von Politikern haben in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt.

Eine Studie des Intituts Yougov zeigt jetzt: Bei der Vergabe von Doktortiteln oder Stellen im Wissenschaftsbetrieb haben deutsche Universitäten tatsächlich ein Problem mit Korruption.

Studenten aus elf Ländern befragt

Die Zahlen der Umfrage liegen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vor. Insgesamt 5725 Hochschulabsolventen aus elf Ländern wurden zwischen 2014 und 2016 befragt, ob sie schon einmal beobachtet haben, dass es an ihrer Uni nicht mit rechten Dingen zuging.

Der Begriff der Korruption wird dabei weit gefasst. Gemeint ist, dass Noten, Titel oder Stellen nicht ausschließlich nach akademischen Kriterien vergeben wurden – sondern nach Verwandtschaftsbeziehungen oder Geschenken. Auch wenn die Aufsichtspflicht während einer Prüfung absichtlich verletzt wurde, zählte das die Studie als Korruption.

Mehr Schummeleien als in der Ukraine

Die brisante Entdeckung der Umfrage: Wenn Doktortitel oder Lehrstühle vergeben werden, beobachteten Studenten in Deutschland mehr Schummeleien als Studenten in der Ukraine – dem Land, dass in der Gesamtschau aller Länder am meisten Betrug verzeichnet.

In knapp einem von sieben Fällen, sagten die Befragten in Deutschland, wären Doktortitel nicht nur aufgrund akademischer Kriterien vergeben worden. In der Ukraine sei es dagegen einer von zehn Fällen.

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Noch schlimmer stehe es um die Vergabe von Lehrstühlen und Mitarbeiterstellen. In der Ukraine beobachteten 10 Prozent der Befragten Schummeleien, in Deutschland waren es 27 Prozent.

Vor Deutschland liegen bei dieser Frage nur noch Italien, Tschechien und Spanien.

Haben deutsche Universitäten also ein Korruptionsproblem?

Ein anderes Bild ergibt sich, wenn alle Fragen der Studie - also auch zur Notenvergabe und Studienzulassung - einbezogen werden. Im allgemeinen Vergleich der elf befragten Länder landet Deutschland dann nämlich auf dem sechsten Rang. Davor liegen Tschechien, Rumänien, Italien, Spanien und die Ukraine.

Akademische Korruption als Massenphänomen tritt laut der Studie vor allem in Rumänien, Spanien und der Ukraine auf. Dabei gehe es um die Vergabe von Noten und die Zulassung zum Studium. Hier schnitt Deutschland gut ab.

Die Korruption bei der Vergabe von Doktortiteln und Lehrstühlen fällt im Vergleich zur Benotung und Zulassung weniger ins Gewicht. Noten werden an hunderttausende Studenten vergeben, die Verleihung von Doktortiteln sei dagegen ein Minderheitenphänomen.

Zu beachten gilt auch: Die Umfrage liefert keine objektiven Daten. "Wir fragen bewusst nach der Perzeption und nicht danach, ob jemand selbst bestechlich war", sagt der Headhunter Paul Milata, der die Studie in Auftrag gab, gegenüber der "FAZ". Auch in einer anonymen Befragung hätten nur wenige tatsächlich ihre eigene Bestechlichkeit zugeben.

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