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Ex-CIA-Chef Hayden: "Ich wähle weder Trump noch Clinton"

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TRUMP CLINTON
Nach der Schlammschlacht im Präsidentschaftswahlkampf der USA will Michael Hayden, früherer Chef von NSA und CIA, nicht zur Wahl gehen | ASSOCIATED PRESS
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  • Der Ex-CIA-Chef Michael Hayden nicht zur Wahl gehen
  • Damit wolle er die Demokraten und die Republikaner bestrafen, weil sie ungeeignete Kandidaten aufgestellt hätten
  • Hayden äußerte sich auch zu den Hackerangriffen aus Russland sowie zur Rolle der USA in der globalen Flüchtlingskrise

Michael Hayden, der frühere Chef der US-Geheimdienste NSA und CIA, ist schockiert über die Schlammschlacht, zu der sich der US-Wahlkampf inzwischen entwickelt hat.

Insbesondere ein Moment während der jüngsten Fernseh-Debatte habe ihn entsetzt,

Eine schwarze Nacht für Amerika

"Die zweite TV-Debatte Sonntag Nacht. Das war eine schwarze Nacht für Amerika. Dass der Präsidentschaftskandidat einer der beiden großen amerikanischen Parteien der Kandidatin der Gegenseite Zwangsmaßnahmen androht, für den Fall, dass er gewählt werden sollte. Etwas Vergleichbares habe ich noch nie gehört. Zumindest nicht in meinem Land", sagte der 71-Jährige der "Welt am Sonntag".

Donald Trump
hatte Hillary Clinton angedroht, sei ins Gefängnis zu stecken, sollte er gewählt werden.

"Zwei sehr schlechte Kandidaten"

Hayden hatte sich zuletzt gemeinsam mit 50 anderen hochrangigen Sicherheitsberatern in einem Appell gegen Trump ausgesprochen und ihn als Sicherheits-Risiko bezeichnet.

Viele Leute hätten sich daraufhin persönlich bei ihm bedankt. "In dem Brief wagen wir uns weit vor. Wir sagen aber auch ausdrücklich, dass dies keine Unterstützung für Hillary Clinton ist. Es ist lediglich unser Kommentar zu Donald Trump", sagte er der "Welt".

Er werde zwar zur Wahl gehen, dabei aber für keinen der beiden Kandidaten stimmen. "Mir ist schon klar, dass ich dadurch meine Stimme wegwerfe. Aber glauben Sie mir, ich habe sehr gründlich darüber nachgedacht."

Darüber habe er auch mit seiner Frau gestritten, aber er bleibe bei seiner Entscheidung: "Ich will unsere beiden politischen Parteien bestrafen, dass sie mir zwei sehr schlechte Kandidaten zur Auswahl gegeben haben. Sie werden mich nicht dazu zwingen, einen von beiden zu wählen."

"Putin hat Spaß daran, uns das Leben schwer zu machen"

Der ehemalige Geheimdienstchef äußerte sich auch zu den Wikileaks-Enthüllungen über umstrittene Reden, die Hillary Clinton vor Wall Street Bankern gehalten hatte. Clintons Sprecher hatte daraufhin dem Kreml vorgeworfen, Wikileaks als Waffe einzusetzen, damit Trump gewählt wird.

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"Ich glaube, die Clinton-Kampagne geht ein bisschen zu weit, wenn sie jetzt behauptet, dass die Russen versuchten, Donald Trump zum Präsidenten wählen zu lassen", sagte Hayden im Interview. "Ich glaube, dass die Russen einfach versuchen, uns an der Nase herumzuführen, dass sie das Vertrauen in unsere politischen Prozesse aushöhlen wollen. Putin hat Spaß daran, uns das Leben schwer zu machen."

Der ehemalige Geheimdienst-Chef glaubt, kriminelle russische Gruppen hätten im Auftrag des russischen Staates Information gestohlen und durch Wikileaks an die Öffentlichkeit gebracht.

"Auf diese Weise hat der russische Staat etwas Distanz gewahrt. Ich würde es als eine für beide Seiten nützliche Beziehung bezeichnen - weiter würde ich nicht gehen. Ich würde jetzt also nicht behaupten, das sei eine bedeutende strategische Allianz", sagte er weiter.

USA müssten eine Führungsrolle in der Flüchtlingskrise einnehmen

Hayden äußerte sich zudem sehr kritisch, dass die USA sich bislang nicht ausreichend in der Bewältigung der Flüchtlingskrise engagiert hätten: "Der Krieg in Syrien hat fünf Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Ich finde: Unsere Regierung müsste sich da stärker engagieren."

Er fordere sein Land auf, eine Führungsrolle bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise einzunehmen. "Einfach, weil es unseren amerikanischen Idealen entspricht", sagt er der "Welt".

"Wir wissen, wie man Menschen anderer Kulturkreise integriert. Und wir sind nicht dumm. Wir wissen auch, wie man Menschen, die zu uns kommen überprüft. Flüchtlinge zurückzustoßen, steht im Widerspruch zu den Werten unseres Landes", sagte Hayden.

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(lp)