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Dieses Dokument zeigt, was Boris Johnson wirklich über den Brexit dachte

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BORIS JOHNSON
Eine brisante Entdeckung enthüllt, dass der britische Außenminister Boris Johnson sich kurzfristig für das Brexit-Lager entschieden hatte | Toby Melville / Reuters
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  • Zwei Tage vor dem Wechsel zur Brexit-Bewegung hatte Johnson in einer bisher unveröffentlichten Kolumne für den Verbleib in der EU geworben
  • Der Artikel zeigt, dass der EU-Austritt für Johnson wohl alles andere als eine Herzensangelegenheit ist

Eine brisante Entdeckung hat die Entscheidung des britischen Außenministers Boris Johnson, sich für den Brexit einzusetzen, als Karriereschritt entlarvt.

Kurz vor seinem Eintritt als treibende Kraft der Brexit-Bewegung hat Johnson noch für einen Verbleib seines Landes in der EU geworben. Das beweist eine unveröffentlichte Kolumne des früheren Londoner Bürgermeisters, in der er sich zwei Tage vor seinem Wechsel ins Brexit-Lager noch für den Verbleib aussprach.

Die Zeitung "Sunday Times" druckte am Sonntag den bislang unveröffentlichten Beitrag. Offenbar wegen seines Sinneswandels wurde der Text damals nicht veröffentlicht.

EU biete Großbritannien große Möglichkeiten

In der Kolumne schreibt Johnson, ein EU-Austritt würde zu einem Wirtschaftsschock in Großbritannien führen. Angesichts der Möglichkeiten durch den Zugang zum gemeinsamen EU-Markt mit 500 Millionen Menschen "erscheint der Mitgliedschaftsbeitrag ziemlich klein", schrieb Johnson, der nun eine der Schlüsselpositionen beim Aushandeln des Brexits in der konservativen Regierung einnimmt.

Vor dem Referendum bereiste Johnson dann das Land mit einem Bus, auf dem zu lesen war, dass die 350 Millionen Pfund, die London wöchentlich nach Brüssel schicke doch besser im nationalen Gesundheitssystem aufgehoben seien.

"Wollen Sie wirklich, dass Großbritannien aus der EU austritt?"

"Schließen Sie die Augen", schrieb Johnson weiter in dem Beitrag, der die Pro-EU-Kampagne des damaligen Premierministers David Cameron unterstützt hätte. "Halten Sie inne. Denken Sie an Großbritannien. Denken Sie an den Rest der EU. Denken Sie an die Zukunft. Denken Sie an den Wunsch Ihrer Kinder und Enkel, in anderen europäischen Ländern zu leben und zu arbeiten; Sachen dort zu verkaufen, Freundschaften zu schließen und vielleicht dort Partner zu finden. Fragen Sie sich: Trotz aller Defekte und Enttäuschungen in dieser Übung - wollen Sie wirklich, echt, definitiv, dass Großbritannien aus der EU austritt?"

Johnsons Wechsel ins Lager der Brexit-Befürworter gab der vom Rechtspopulisten Nigel Farage geführten Kampagne enormen Auftrieb. Es ist bekannt, dass Johnson lange zwischen beiden Optionen hin- und hergerissen war. Das Votum für den Austritt am 23. Juni führte zu Camerons Rücktritt als Premierminister.

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