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Deutschlandtag der JU: Merkel kämpft um den Nachwuchs

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ANDREAS SCHEUER
Andreas Scheuer (CSU) auf dem Deutschlandtag der Jungen Union | dpa
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Auftritte bei der Jungen Union (JU) waren für die Kanzlerin in der Vergangenheit nicht vergnügungssteuerpflichtig.

Vor einem Jahr, in Hamburg, verlangte die Jugendorganisation der CDU von ihr gar ein Bekenntnis zur „Obergrenze“, der Lieblingsforderung von Angela Merkels (CDU) Widersacher Horst Seehofer (CSU).

Und auch auf diesem Deutschlandtag – dem Parteitag der JU – schickte ihr Chef Paul Ziemiak eine Botschaft vorweg. Die Große Koalition in Berlin stehe für „großes Chaos“. Eine unverhohlene Kritik an der Regierungsarbeit der Kanzlerin.

Ziemiak hat die Rechnung ohne CSU-Mann Scheuer gemacht

Trotzdem hätte es am Deutschlandtag selbst keinen Streit mit Merkel geben sollen - wenn es nach JU-Chef Ziemiak gegangen wäre. Doch der hatte die Rechnung ohne CSU-General Andreas Scheuer gemacht.

Aber von vorne.

Als Ziemiak die Kanzlerin anmoderiert, ist seine Angriffslust der vergangenen Tage völlig verschwunden. Die Flüchtlingszahlen seien gesunken. „Frau Bundeskanzlerin, da haben Sie geliefert“, sagt er, Merkel zugewandt. Viele seien verdammt stolz darauf – „auch die Bayern“, sagt Ziemiak.

Zum Schluss wünscht er sich noch das Bekenntnis zu einer erneuten Kandidatur. „Die Unterstützung der Jungen Union haben Sie.“ Der Saal jubelt.

Merkel will diesmal nicht einschläfern, sondern gewinnen

Dann tritt Merkel ans Podium. Bei ihren Reden weiß man vorher nie, ob sie ihr Publikum einschläfern oder gewinnen will. Schnell wird klar: Merkel will letzteres.

Kämpferisch ruft sie den jungen Konservativen zu: „Wir brauchen eine nationale Kraftanstrengung zur Rückführung derer, die abgelehnt wurden“, denn ein Hin- und Herschieben der Verantwortung zwischen Bund und Ländern bringe nichts, weil die Bürger schlicht Ergebnisse sehen wollten.

Außerdem fordert sie eine effiziente und kluge Entwicklungshilfe, um die Fluchtursachen zu bekämpfen.

Merkel schickt eine klare Botschaft an die CSU

Das ist nicht nur ein klares Signal an die jungen Konservativen, die sich um das Profil ihrer Partei sorgen – zu austauschbar sei man geworden. Sondern auch an die CSU, die sich schon seit Monaten nach einer Abschiebe- statt Willkommenskultur für Deutschland sehnt.

Für Bayern hat Merkel dann noch ein gesondertes Lob parat. Es sei bewundernswert, wie das Bundesland die Flüchtlingskrise gemeistert habe. Aus der Ecke der jungen CSU-ler kommt Applaus. Das Lob erreicht auch jemanden, der zu der Zeit noch gar nicht da ist: Andreas Scheuer, CSU-Generalsekretär.

Scheuer will ein Gesetz zur Begrenzung der Einwanderung

Der kommt um kurz vor Vier auf die Bühne – und hält eine flammende Rede. Von einem „Einwanderungs-Begrenzungsgesetz“ ist da die Rede, von der „deutschen Leitkultur“ als Maßstab für Zuwanderer, von der Burka als „Uniform der Islamisten“. Auch auf der Obergrenze beharrt Scheuer und sendet kein Signal für eine weitere Kanzlerkandidatur Merkels.

Scheuer, der Scharfmacher. Der Applaus ist laut, vielleicht lauter als bei Merkel. Nach Versöhnung klang das nicht, dabei sehnen sich viele in der Union genau danach.

Sie muss wieder zusammenfinden, wenn sie die kommenden Landtagswahlen gewinnen will. Im Saarland will man den Ministerposten behalten, in Nordrhein-Westfalen endlich gegen Hannelore Kraft (SPD) gewinnen. Und das geht nur, wenn die „Union wieder eine Union“ wird, wie Ziemiak sagt.

Mit Material von dpa

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