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"Ins Hirn geschissen": Eklat um Kiss FM-Interview mit Neonazi-Rapper

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MAKS DAMAGE
Der Radiosender Kiss FM hat mit einem Interview mit dem Neonazi-Rapper Makss Damage für einen Skandal gesorgt | Facebook
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  • Der Berliner Radiosender Kiss FM hat mit einem Interview mit dem Neonazi-Rapper Makss Damage für einen Skandal gesorgt
  • Der jüdische Autor Shahak Shapira, der ebenfalls Gast in der Sendung war, warf dem Sender vor, keine kritischen Fragen gestellt zu haben
  • Auch viele Zuhörer verurteilten die Radiosendung scharf

Der Berliner Radiosender Kiss FM hatte vor einer Woche den Neonazi-Rapper Makss Damage am Telefon interviewt. Das Gespräch hat für einen Skandal gesorgt, wie "Focus Online" berichtet.

Zu der Anrufer-Sendung "Facetalk" mit dem Titel "Deutschland – dein Land?" waren unter anderen auch der jüdische Schriftsteller Shahak Shapira und der Islamexperte Ali Özgür Özdil zugeschaltet.

Der Rapper Makss Damage ist für seine rechtsextremen Texte berüchtigt. "Ich leite Giftgas lyrisch in Siedlungen, die jüdisch sind", heißt es etwa in einem Song. Oder: "Ich stecke sie alle gemeinsam in den nächsten Zug nach Buchenwald/Wasch mich mit der Seife ab, genieß den Lampenschirm."

Warum lud der Radiosender also einen solchen Mann ein?

Der jüdische Autor Shapira erfuhr erst kurz vor Beginn der Sendung, dass Makss Damage auch eingeladen sei. Daraufhin empörte er sich bei der Redaktion von Kiss FM, wie er auf dem Online-Magazin "Vice" schildert: "Impulsiv schrieb ich die Redaktion von Kiss FM an und fragte sie aufrichtig, wer ihnen eigentlich ins Hirn geschissen habe, dass sie auf die Idee kommen, einem bekennenden Neonazi eine Plattform zu bieten."

Die Redaktion habe sich gerechtfertigt, den Rapper im Interview "an den Pranger stellen zu wollen". Nur unter der Bedingung, mit dem Makss Damage zeitgleich auf Sendung gehen zu können, habe er schließlich seine Teilnahme zugesagt.

Keine kritischen Fragen

Die Redaktion hielt ihr Versprechen laut Shapira jedoch nicht: "Anstatt kritische Fragen zu stellen, um den Neonazi zu entlarven, befragten die Moderatoren den Mann mit aller Zaghaftigkeit, ob er Pizza und Döner esse", schreibt er auf "Vice".

Auch er selbst durfte Makss Damage nicht befragen. Er wurde erst wieder live geschaltet, als der Rapper aufgelegt hatte.

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Auch die Zuhörer äußerten scharfe Kritik an der Sendung, "Focus" berichtet: "Hier wurde einem Neo-Nazi völlig kritiklos eine Plattform überlassen", lautete ein Kommentar. "Kiss FM werde ich aus Prinzip boykottieren", kündigte ein Hörer an.

Ein anderer betonte: "Anstatt das Interview wirklich bissig zu führen, stellte Kiss FM aber auch nur so unverfängliche Fragen wie 'woher kommt der Hass?', 'Isst du Döner?', etc. Die Neonaziszene feiert das Ganze gerade nicht zu Unrecht als vollen Erfolg ab."

Auch auf Twitter kritisierten Zuhörer den Radiosender. Ein Nutzer spekulierte etwa, wen Kiss FM nach Makss Damage wohl als nächstes einladen werde:

Rapper nennt Shapira "Lieblingsjuden"

Der Rapper Makss Damage reagierte auf Shapiras "Vice"-Beitrag mit einem äußerst geschmacklosen Facebook-Post. Dort bezeichnete er den Autor als seinen "Lieblingsjuden" und bot ihm Geld an, falls seine Familie „'zu Seife verarbeitet' worden sei".

Shapira antwortete auf den Beitrag: "Das Interview habe ich super verkraftet, war nur etwas traurig, dass du dich nicht getraut hast, mit mir zu sprechen!" Das Geld lehne er "dankend" ab.

Sender kündigt an, den Umgang mit solchen Themen zu überdenken

Mittlerweile hat sich auch der Radiosender Kiss FM zu dem Skandal geäußert. Programmdirektors York Strempel schrieb in einer Pressemitteilung: "Uns als multikultureller und integrativer Jugendradiosender der Hauptstadt ist es sehr wichtig, harte & emotional aufreibende Themen nicht auszulassen, zu verfluchen oder auch zu ignorieren. Wir als Kiss FM Team sehen es als unsere Pflicht, solche Themen anzupacken und darüber zu reden sowie intensiv zu diskutieren."

Die Kritik an der Sendung wolle Strempel annehmen und im Team darüber diskutieren, wie künftig mit solchen Themen umgegangen werde.

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