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Streit eskaliert: Rewe-Chef wirft Tengelmann-Chef "Testosteronkrieg" vor

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TENGELMANN EDEKA
Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub (li.) und Rewe-Chef Alain Caparros | dpa/HuffPost
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  • Rewe-Chef Alain Caparros wirft Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub vor, einen "Testosteronkrieg" um seine Supermarktkette zu fĂĽhren
  • Die Verhandlungen zwischen Kaiser's Tengelmann und den Mitbewerbern seien ein "unwĂĽrdiges Schauspiel"
  • Wir erklären, wie es soweit kommen konnte

Der Streit um die Zerschlagung der Supermarktkette Kaiser’s Tengelmann eskaliert: Rewe-Chef Alain Caparros wirft jetzt dem Chef der Tengelmann-Gruppe, Karl-Erivan Haub, vor, gelogen zu haben. Zuvor sind die Verhandlungen um die Rettung von Kaiser’s Tengelmann gescheitert.

In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung (Samstag) erklärte Caparros: "Das alles war eine riesige Trickserei." Haub hatte Caparros seinerseits eine Zerstörungstaktik vorgeworfen.

"Ein unwĂĽrdiges Schauspiel"

Caparros wirft dem Tengelmann-Chef vor, hinterrücks Pläne gemacht zu haben. Ehrliche Angebote wie von Caparros hätten keine Chance gehabt.

Haub sei sich mit Edeka-Chef Markus Mosa "längst einig, welche Filialen Edeka – wohlgemerkt ohne die Ministererlaubnis und ihre Auflagen – übernimmt, und was abgewickelt wird", sagte Caparros.

Der von Ver.di einberufene Runde Tisch sei "ein unglaubliches, unwürdiges Schauspiel", sagte Caparros gegenüber "Bild". "Für die Mitarbeiter ist dieser Testosteronkrieg der Häuptlinge eine echte Schweinerei. Und Herr Haub trägt dabei die Hauptverantwortung."

Das Rewe-Angebot, alle Märkte nach den Maßgaben der Ministererlaubnis zu übernehmen, bestehe weiter. "Wir sind bereit für einen letzten Anlauf", sagte Caparros.

Die unendliche Geschichte um Tengelmann

Wie konnte es so weit kommen?

Begonnen hatte die unendliche Geschichte um die Supermarktkette im Oktober 2014. Damals gab die Tengelmann-Gruppe bekannt, seine rund 450 Filialen an den Konkurrenten Edeka verkaufen zu wollen.

Das Bundeskartellamt untersagte den Verkauf an Tengelmann. Der Zusammenschluss würde zu einer erheblichen Verschlechterung der Wettbewerbsbedingungen vor allem im Großraum Berlin, in München und Oberbayern sowie in Nordrhein-Westfalen führen, erklärte Kartellamtspräsident Andreas Mundt im April 2015.

Gabriels Alleingang

Im nächsten Kapitel betrat Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) die Bühne. Er beantragte für Tengelmann und Edeka eine Sondererlaubnis. Im Gegenzug für die Genehmigung musste Edeka unter anderem den Erhalt von knapp 16.000 Jobs bei Kaiser’s Tengelmann für mindestens sieben Jahre garantieren.

Die Monopolkommission schloss sich der Sichtweise des Bundeskartellamts an: Die zu erwartende Marktkonzentration zugunsten von Edeka wiege deutlich schwerer als der Verlust der Arbeitsplätze.

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Gabriel setzte sich im März 2016 mit der sogenannten "Ministererlaubnis" über die Entscheidung des Kartellamts hinweg. Die Konkurrenten Edekas, also Rewe, Markant und Norma, stellten daraufhin einen Eilantrag beim Oberlandsgericht (OLG) Düsseldorf – dem das Gericht im Juli stattgab. Gabriels Sondergenehmigung sei verfassungswidrig, beschlossen die Richter.

Persönliche Streitigkeiten zu Lasten von Mitarbeitern

Seitdem sitzen die groĂźen Supermarktketten am Verhandlungstisch und produzieren gefĂĽhlt jeden Tag neue Schlagzeilen.

Einmal heiĂźt es, die Zerschlagung der Supermarktkette sei beschlossene Sache.

Dann wieder wird verkündet, die Zerschlagung sei vorerst abgewendet, weil sich die großen Supermarktketten auf eine Lösung einigen könnten. Tausende Tengelmann-Mitarbeiter atmeten auf.

Bei Spitzentreffen zwischen den großen Supermarktketten wird ein ums andere Mal die Frist verlängert.

Die Situation scheint festgefahren – aber nicht nur aus wirtschaftlichen Gründen. Die neuen Vorwürfe des Rewe-Chefs Caparros lassen darauf schließen, dass im Gerangel um die Supermarktkette persönliche Streitigkeiten ausgetragen werden – zu Lasten der Mitarbeiter, die weiter um ihren Job zittern.

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(lk)