Huffpost Germany

Kriminalfälle Peggy und NSU-Böhnhardt: 6 wichtige Fragen und Antworten

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PEGGY
Die Grabstein der neunjährigen Peggy - nun wurden DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden | DPA
Drucken

Auf einmal verschmelzen zwei der mysteriösesten Mordfälle Deutschland zu einem einzigen. Ein Datenbankabgleich hat ergeben, dass am Fundort der Leiche der neunjährigen Peggy DNA des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurde.

1. Was geschah mit Peggy?

Die damals neunjährige Peggy war am 7. Mai 2001 im nordbayerischen Lichtenberg auf dem Heimweg von der Schule verschwunden. Am 2. Juli dieses Jahres fand ein Pilzsammler Teile ihres Skeletts in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis - nur rund 15 Kilometer vom Heimatort des Mädchens entfernt.

2. Wer ist Uwe Böhnhardt?

Böhnhardt war 2011 im Alter von 34 Jahren gestorben - mutmaßlich durch Schüsse seines Mittäters Uwe Mundlos, bevor dieser sich selbst tötete. Die beiden Rechtsextremisten und Beate Zschäpe sollen laut Bundesanwaltschaft jahrelang unerkannt gemordet haben. In München läuft seit mehr als drei Jahren der Prozess gegen Zschäpe - als einzige Überlebende des sogenannten "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU).

3. Was haben die Behörden gefunden?

Der genetische Fingerabdruck Böhnhardts war am Fundort des Skeletts von Peggy sichergestellt worden, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstagabend mitteilten.

Böhnhardts DNA-Spuren wurden an einem Gegenstand gefunden, wie Oberstaatsanwalt Harald Potzel sagte. Details nannte er nicht. Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich dabei um ein Stück Stoffdecke.

Der Bayerische Rundfunk berichtete unter Berufung auf Polizeikreise, dass es sich um ein Stück Stoff von der Größe eines Fingernagels handele. Demnach war am Nachmittag nach einem Datenbanken-Abgleich durch die Rechtsmedizin ein entsprechender Treffer gemeldet worden.

4. Hat also Böhnhardt Peggy umgebracht?

Das kann man so nicht sagen. "In welchem Zusammenhang diese DNA-Spur gesetzt wurde, wo sie entstanden ist und ob sie in Verbindung mit dem Tod von Peggy K. steht, bedarf weiterer umfassender Ermittlungen in alle Richtungen, die derzeit geführt werden und ganz am Anfang stehen", teilt die Staatsanwaltschaft mit.

Es könnte sein, dass die DNA-Spuren durch Zufall an den Tatort gelangten - und Böhnhardt nichts mit dem Tod des Kindes zu tun hat.

Auch eine Verunreinigung der Proben ist denkbar. Sowohl die Leichen von Böhnhardt als auch von Peggy wurden in der Rechtsmedizin Jena obduziert.

DNA-Verunreinigungen haben immer wieder zu falschen Schlüssen geführt. So jagte die Polizei zum Beispiel von 2007 bis 2009 das "Heilbronner Phantom": eine Frau, deren DNA an 40 Tatorten gefunden worden war. Später stellte sich heraus, dass die DNA zu einer Angestellten gehörte, welche die Wattestäbchen, die zur Entnahme von Proben verwendet wurden, verpackte hatte.

5. Gibt es weitere Hinweise, die den NSU mit Kindesmissbrauch in Verbindung bringen?

Sowohl im Wohnmobil des Trios als auch in ihrer Wohnung wurde Kinderspielzeug gefunden. Im Schutt der abgebrannten Fluchtwohnung des NSU-Trios in Zwickau war ein Datenträger mit Kinderpornomaterial gefunden worden. Man müsse herausfinden, sagte Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, "wer Kenntnis hatte und wer es draufgeladen hat - Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos, Beate Zschäpe oder alle drei".

6. Was weiß Beate Zschäpe?

Daimagüle forderte Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen im Fall Peggy zu äußern. "Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Irene Mihalic, Obfrau der Grünen-Bundestagsfraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, sagte der Zeitung: "Das ist eine neue Dimension. Wir müssen dem nachgehen."

Auch auf HuffPost:

Sie ist "die hässlichste Frau der Welt" - das hat sie aus sich gemacht

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.


(sk)