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Ein Mann studierte Fotografie im Gefängnis - diese Bilder hat er nach seiner Freilassung gemacht

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Schon als Kind war Donato di Camillo von Fotografie fasziniert. Weil seine Familie sich keine neunen Filme für die Polaroid-Kamera leisten konnte, tat er nur so, als würde er Fotos machen und reiste in seiner Fantasie nach Afrika reiste und fotografierte wilde Tiere.

Alte Ausgaben der "National Geographic", die sein Vater für ihn aus dem Müll fischte, inspirierten ihn zu diesen Traumreisen und brachten weckten schon damals den Wunsch in ihm, einmal selbst Fotograf zu werden.

Doch als junger Erwachsener geriet di Camillo auf die schiefe Bahn. Wegen mehrerer Diebstähle wurde er zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt.

Neuentdeckung einer alten Leidenschaft

Rückblickend war es das Beste, was ihm passieren konnte. Denn im Gefängnis entdeckte er seine alte Leidenschaft wieder.

Anstatt zu trainieren oder sich die Zeit anders zu vertreiben, blätterte di Camillo wie damals als Kind durch alte "National Geographic"-Ausgaben.

Wieder verlor er sich in den spektakulären Aufnahmen. Und erneut wuchs in ihm der Wunsch, selbst die Kamera in die Hand zu nehmen.

"Es gab mir die Möglichkeit, etwas über die Welt zu lernen, die sich außerhalb meines Kopfes befand", schrieb er in einer Email an die Huffington Post. "Ich las auch viel über Psychologie und Verhaltensmuster und mir wurde bewusst, dass ich mir unwissentlich bereits einiges Wissen auf der Straße angeeignet hatte."

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Auf die Zeit im Gefängnis folgten drei Jahre Hausarrest. Di Camillo lernte so viel über Fotografie wie er nur konnte. Er las Bücher und Blogs, sah sich im Internet Anleitungen an und übte.

Im Jahr 2014 durfte der inzwischen 47-Jährige endlich mit der Kamera die Stadt erkunden, die er so liebt: New York City. Dort entdeckte er seine wahre Leidenschaft: Die Street Photography.

"Ich fotografiere Menschen, die unsichtbar sind"

Er lichtete Menschen ab, die er an öffentlichen Plätzen entdeckte. Menschen, die außer ihm kaum jemand wahrzunehmen schien:

"Ich fotografiere Menschen, die nicht nur häufig zurückgelassen wurden, sondern die tatsächlich unsichtbar sind - denn die Menschen wollen sie nicht sehen", sagte di Camillo in einem Interview mit dem "GUP Magazine".

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"Ich gehe nah an sie heran, denn ich versuche, der Seele der Menschen nahe zu kommen, die ich fotografiere."

Di Camillo gibt Menschen ein Gesicht

Dieser ehrliche Wunsch spiegelt sich in jeder einzelnen Fotografie des Künstlers wieder. Di Camillos Bilder sind ungewöhnlich ausdrucksstark, beinahe überzeichnet.

Plötzlich wird jede einzelne Falte eines Menschen sichtbar, der sonst vollständig im Hintergrund der Stadt verschwindet.

Di Camillo sagt: "Diese Menschen laufen herum und sie sind gesichtslos. Ich finde, jeder Mensch hat es verdient, ein Gesicht zu haben."

Seine Fotos veröffentlicht der Künstler unter anderem auf seinem Instagram-Account.

  • Donato di Camillo
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(lk)

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