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Warum die Ökostrom-Umlage schon wieder steigt

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ERNEUERBARE ENERGIE
Die Ökostrom-Umlage steigt im nächsten Jahr auf 6,88 Cent | Florian Gaertner via Getty Images
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  • Verbrauchern drohen erneut höhere Stromkosten
  • Die Ökostrom-Umlage wird im nächsten Jahr um 0,53 Cent pro Kilowattstunde steigen
  • Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Preisanstieg

Verbraucher müssen zur Förderung von Strom aus Windkraft und Sonne auch im nächsten Jahr tiefer in die Tasche greifen. Wie die vier Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, Amprion, Tennet und TransnetBW am Freitag mitteilten, steigt die sogenannte Ökostrom-Umlage von derzeit 6,35 Cent auf 6,88 Cent pro Kilowattstunde.

Warum steigen die Kosten immer weiter? Und was bedeutet der Preisanstieg für die Verbraucher? Hier sind die Antworten auf die acht wichtigsten Fragen:

1. Was ist die Ökostrom-Umlage?

Um Anreize für den Ausbau der Stromerzeugung aus Wind, Sonne, Wasser und Biomasse zu schaffen, gibt es ein Fördersystem.

Das im Jahr 2000 beschlossene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) garantierte Erzeugern bislang, dass sie ihren Ökostrom 20 Jahre lang zu festen Preisen verkaufe können, unabhängig von Angebot und Nachfrage. Diese sogenannte Einspeisevergütung wird aus der EEG-Umlage bezahlt, die auf die Stromrechnung aufgeschlagen wird.

2. Wie wird die Umlage berechnet?

Das ist Aufgabe der vier Übertragungsnetzbetreiber. Sie nehmen den Öko-Erzeugern den Strom ab und verkaufen ihn an der Energiebörse weiter - und zwar zu Marktpreisen, die meist deutlich unter den gezahlten Vergütungen liegen.

Die Differenz kommt aus dem EEG-Topf. Das heißt: Die Umlage steigt, wenn die Börsenpreise für Strom wie in diesem Jahr kräftig sinken.

3. Wie hat die Politik reagiert?

In den Jahren 2010 bis 2013 reagierte die Politik langsam: Damals sanken die Preise für die Solaranlagen dank Billigherstellern aus China, viele Bürger schafften sich solche Anlagen an, weil das dank Ökostromförderung lukrativ war. Die EEG-Umlage stieg, die Politik aber konnte sich nicht schnell auf Förderkürzungen einigen.

2015 fiel die EEG-Umlage erstmals seit dem Jahr 2000 leicht.

Vom kommenden Jahr an wird die Ökostromförderung ganz neu geregelt und stärker auf mehr Wettbewerb umgestellt. Dann fällt die 20-jährige Preisgarantie für neue Anlagen weg. Stattdessen werden Projekte ausgeschrieben: Wer wenig Subventionen verlangt, soll den Zuschlag bekommen.

4. Wie viel zahlen die Verbraucher konkret?

In diesem Jahr kommen fast 23 Milliarden Euro in den EEG-Topf. Dafür zahlen Verbraucher pro Kilowattstunde Strom 6,35 Cent.

Für einen Haushalt mit einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden im Jahr bedeutet das nach Berechnung des Energieverbands BDEW eine Belastung von gut 220 Euro im Jahr bei einer Gesamtstromrechnung von rund 1000 Euro. Vor zehn Jahren lag die EEG-Umlage noch bei 88 Cent.

Laut der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist Strom für Privathaushalte nur in Dänemark noch teurer als in Deutschland.

Mehr zum Thema: So treibt Merkels grüne Energiepolitik Hunderttausende Deutsche in die Armut

5. Werden alle Stromverbraucher gleich belastet?

Nein, energieintensive Betriebe bekommen kräftige Rabatte. Das soll die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie bewahren und Arbeitsplätze sichern. Dadurch aber steigt die Ökostrom-Umlage weiter, denn die Gesamtkosten verteilen sich auf weniger Schultern. Die Zeche zahlen die kleinen Stromverbraucher - Privathaushalte und kleinere Firmen.

6. Steigt die EEG-Umlage jetzt nicht mehr?

Nein, sagt der Energieexperte der Verbraucherzentrale, Niels Schnoor. Der Ausbau sei nun mit der Umstellung der Förderung zwar gedrosselt und könne besser gesteuert werden.

Der Börsenpreis dürfte wegen der Stromüberangebots auf absehbare Zeit weiter sinken und daher die Umlage in die Höhe treiben. Hinzu kommt aus Sicht der Verbraucherschützer die anhaltend hohe Förderung für teure Windparks auf hoher See. Und die Ausnahmen für die energieintensiven Unternehmen gelten weiter.

7. Was heißt das nun für den gesamten Strompreis?

Das ist kaum vorherzusagen.

"Billiger wird der Strom sicher nicht", sagt BDEW-Hauptgeschäftsführer Stefan Kapferer.

Er macht dafür staatlich verordnete Abgaben verantwortlich. Von denen ist die EEG-Umlage nur ein Teil. Insgesamt machen Steuern, Abgaben und Umlagen über die Hälfte des Strompreises aus. Dazu kommen die Kosten für die Netze, die rund 25 Prozent des Strompreises ausmachen. Zwar hat die Bundesnetzagentur die künftigen Renditen für die Netzbetreiber erst diese Woche gesenkt. Die Kosten dürften wegen des geplanten Ausbaus der Leitungen in den nächsten Jahren aber kräftig steigen.

Der Ökostromboom hat aber den Strompreis an der Börse sinken lassen, zu dem Stromanbieter die Energie einkaufen. Die Frage ist, ob die Stromanbieter das auch an den Endkunden weitergeben.

Verbraucherschützer Schnoor sieht aber auch die Verbraucher in der Pflicht. Wer über eine hohe Stromrechnung klage, habe schon seit Jahren die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Davon machten nur weiter zu wenige Kunden Gebrauch.

8. Gibt es keine Maßnahmen, weitere Preissteigerungen zu stoppen?

Doch, wie aus einem Gutachten des Ifo-Instituts für das Bayerische Wirtschaftsministerium hervorgeht, das am Freitag veröffentlicht wurde. Die EEG-Umlage könnte demnach bei 6,5 Cent pro Kilowattstunde eingefroren werden – das wären 0,15 Cent mehr als bisher, aber 0,33 Cent weniger, als für nächstes Jahr angesagt wurde.

Wie das funktionieren soll? Den Forschern zufolge würden die Umlage erst einmal nicht reichen, um die Kosten zu decken - ein Kredit soll die Lücke schließen.

In einem Szenario, das auf der aktuellen Preisentwicklung aufbaut, schätzen die Experten jedoch, würden die EEG-Kosten nach einem kurzfristigen Anstieg wieder abfallen. So entstehe lediglich eine Finanzierungslücke bis zum Jahr 2028, die den Kredit gedeckt werde.

Danach entständen durch die weiterhin fixierte EEG-Umlage Überschüsse, die für die Rückzahlung des Kredits verwendet werden könnten. Die Schulden wären schließlich 2038 getilgt – und die EEG-Umlage könnte reduziert werden.

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(sk)