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Deutschlandtag der Jungen Union: Die Konservativen auf Sinnsuche

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ZIEMIAK
Angela Merkel und JU-Chef Paul Ziemiak | dpa/HuffPost
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Wenn am Wochenende die jungen Konservativen in Paderborn zusammenkommen, werden sie drei Auftritte besonders aufmerksam verfolgen.

Jenen von Paul Ziemiak, ihrem Anführer. Jenen von Jens Spahn, dem jüngsten Konservativen, dem Kanzlerambitionen nachgesagt werden. Und jenen von Kanzlerin Merkel, der Mutti, mit der man sich als Nachwuchs naturgemäß streiten muss.

Diese drei Auftritte sind deshalb so zentral, weil die Konservativen mehr noch als vor einem Jahr um ihre Identität streiten. Sie stellen sich die Frage: Was ist eigentlich noch konservativ? Die blamabel verlorenen Landtagswahlen und der Erfolg der AfD hat die CDU in eine Sinnkrise gestürzt – und genau hier nehmen die junge Wilden Anlauf.

Junge Konservative bringen sich für heißen politischen Herbst auf Linie

Ziemiak fungiert in dieser Sinnsuche als Anpeitscher. Auf dem Deutschlandtag bringen sich die jungen Konservativen für einen heißen politischen Herbst auf Linie. Welche Wirkung das entfalten kann, konnte man vor einem Jahr in Hamburg beobachten.

Damals lähmte der Obergrenzen-Streit die Union auf der Höhe der Flüchtlingskrise – der Ärger stärkte die extremen Ränder, die der Bevölkerung mit immer radikaleren Vorschlägen Tatendrang vorgaukeln konnten, ohne überhaupt in der Verantwortung zu sein.

Ziemiak ging auf dem Deutschlandtag in die Offensive, warb für eine Obergrenze, die Merkel strikt ablehnte. Damals bewies er geradezu prophetisches Geschick: Der entsprechende Antrag wurde auf dem CDU-Parteitag zwar mehrheitlich abgelehnt, erhielt aber breite Zustimmung von den innenpolitischen Hardlinern. Heute gilt die Begrenzung der Flüchtlingszahlen als ausgemacht, man spricht nur nicht drüber.

Laut und unbequem muss die Junge Union sein, das beherrscht Ziemiak wie kein Zweiter


Ziemak kann sich als außerparlamentarische und innerparteiliche Opposition leisten, die großen Räder zu drehen. Laut und unbequem muss die Junge Union sein, das beherrscht Ziemiak wie kein Zweiter aus seinen Reihen.

Und auch dieses Jahr lässt Ziemiak keinen Zweifel daran, wo es hingehen soll. In der "SZ" gab er jungen Konservativen schonmal eine Botschaft vor dem Deutschlandtag mit. Es war nicht weniger als eine Abrechnung mit der Bundesregierung.

Statt einer großen Koalition sehe er nur "großes Chaos", sagte Ziemiak. Die Koalition stehe "für Minimalkonsens von der Rente über den digitalen Wandel bis zur Energiewende".

All das wird sich Merkel vermutlich anhören müssen, wenn sie am Samstag um 11 Uhr in Paderborn ans Pult steigt und sich nach ihrer Rede der Diskussion stellt. Wird sie die Gelegenheit nutzen, um ihren Nachwuchs hinter sich zu versammeln? Oder gibt es eine Standpauke? Die jungen Wilden jedenfalls werden ganz genau hinhören.

Spahn bringt wirtschaftlichen Sachverstand mit

Auch deswegen, weil am Tag danach jemand auf das Podium steigt, der in der Jungen Union für viele der besser Kanzler ist. Er gilt als unbequem, hochintelligent, schlagfertig, witzig, beherrscht die neuen Medien – als ein Kanzler 2.0, sozusagen.

In der "Bild" rief er zu mehr Streit auf. Eigentlich ein Nobrainer, den man aber als flammende Kampfansage gegen den Singsang des Merkel-Kabinetts interpretieren konnte.

Spahn bringt außerdem mit, was viele in der Union derzeit vermissen: viel wirtschaftlichen Sachverstand. Der ging an der Seite der SPD und in der Flüchtlingskrise völlig verloren – und auch Spahn änderte daran nichts.

Als Wirtschaftspolitiker nahm man ihn kaum wahr, stattdessen verschaffte er sich Gehör in der Flüchtlingsdebatte: Er war es, der das Burka-Verbot immer wieder auf die Agenda hob und so vielen Konservativen aus der Seele sprach.

Kanzlerambitionen bei Spahn?

Schon seit Jahren wird er als aussichtsreichster Merkel-Nachfolger gehandelt. Am Anfang war das noch für viele ein albernes Gedankenspiel, das ihm aber erstaunlicherweise nicht schadete, sondern nützte. Spahn quittiert Fragen nach seinen Kanzlerambitionen immer mit einem süffigen Grinsen: Mal schauen, sagt er da. Dementis klingen anders.

Als Böhmermann gestern im ZDF "Wetten, dass.." wiederauferstehen ließ, saß auch Spahn auf dem Sofa. Schwarz-Grün sei eine Möglichkeit für 2017, sagte er – und, dass er sich "das mit dem Cem als Vizekanzler gut vorstellen kann“.

Vielleicht erklärt er ja in Paderborn etwas ausführlicher, was er mit das gemeint haben will.

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(lk)