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Gegen den Kunststoffwahnsinn: Münchner Unternehmen stellt Teller aus Laub her

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TELLER
leaf
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Pedram Zolgadri ist am Handy zu erwischen. Er hetzt gerade zu einem möglichen Investor. Sein Geschäft: Einmalteller verkaufen. Seine Mission: die Welt besser machen.

Zolgadri und seine Partner vom Münchner Startup Leaf Republic wollten eine Alternative zur irren Plastikflut.

Wegwerfgeschirr, das wirklich nachhaltig ist, nicht aus Papier, Maisstärke, Bambus oder Zuckerrohr, das nicht so grün ist, wie viele denken.

Öko-Geschirr, das nicht nach Öko aussieht. Denn Öko-Teller, die gibt es schon in Deutschland, das Berliner Startup Leef zum Beispiel produziert Teller aus Palmblättern. Aber sie sind braun und wesentlich dicker als die Teller, die Leaf Republic herstellt.

"Wie machen das die Armen mit dem Geschirr, wie die Asiaten?"

Also packte Zolgadri 2009 seinen Rucksack und suchte ein anderes Material, ein Jahr lang reiste er um die Welt, erzählt er. "Wie machen das die Armen mit dem Geschirr, wie die Asiaten?"

In Bangladesch, sagt er, sah sein Material zum ersten Mal. Nahm es aber noch nicht wahr.

Erst in Indien verstand er. Da fand er kein Hotel, die Einheimischen, nicht gerade die Reichsten, luden ihn ein, bei ihnen zu bleiben. Und servierten Essen auf Blättern.

teller

Was er da gegessen hat, weiß Zolgadri nicht mehr. "Irgendetwas super Leckeres, vegetarisch, verdammt scharf." Er weiß nur noch, dass er die Blätter so toll fand. Genauer: die Blätter der Siali-Schlingpflanze, die dort wild wächst.

2013 gründete Pedram Zolgadri seine eigene Firma

Und weil Zolagdri gern in großen Dimensionen denkt, dachte er damals: "Europa muss von Laubblättern essen."

Zolgadri weiß, dass das etwas, naja, seltsam klingt. Aber er glaubte an seine Idee.

Auf einem Wochenmarkt fand er Vorläufer seiner Teller. "Kleine, potthässliche Schüsselchen", sagt er.

2013 gründete er mit Carolin Fiechter eine eigene Firma. Leaf im Firmennamen, klar, das steht für Blatt. Und Republic? Das, so sagte Fiechter in einem Interview , solle verdeutlichen, dass die Firma ihre Entscheidungen am Gemeinwohl orientieren wolle.

Und nach vielem Hin und Her produziert die Firma heute in Taufkirchen bei München. Und bezieht ihre Blätter aus Nepal, Bangladesch, Indien, Kolumbien.

Die Teller sind wasserabweisend

2000 Frauen, deren Männer arbeitslos sind, arbeiten für Leaf Republic als Pflückerinnen, sagt Zolgadri. Dreimal ihm Jahr ernten sie die Blätter der Siali-Pflanzen, ein weiteres Mal lassen sie die Pflanzen unversehrt, um sie zu schonen.

Noch nachhaltiger wäre es wohl, wenn man Blätter hiesiger Bäume verwenden könnte. "Funktioniert aber nicht", sagt Zolgadri, "die zerbröseln".

teller

In Deutschland werden dann Teller aus den gereinigten Blättern, die mit Hitze zu Platten gepresst und mit Gras genäht werden. Ein Teller entsteht aus zwei Blatt-Platten, dazwischen kommt eine Lage aus wasserabweisendem Papier, das auf gemahlenen Siali-Blättern besteht. Zur Desinfektion wird das Ganze noch mit UV-Licht behandelt.

Die Blatt-Teller sind laut Zolgadri "wasserabweisend". Heißt: Sie halten Pürees Stand, Salaten, Joghurt, dicken Soßen, aber keiner Brühe. Die Kosten für die Teller: ungefähr ab 10 Cent pro Stück.

Das Essgeschirr ist kompostierbar und laut Zolgadri nach 28 Tagen vollständig abgebaut.

Sechs der 15 Mitarbeiter sind Flüchtlinge

In München arbeitet Leaf Republic mit 15 Leuten, davon sechs Flüchtlingen. Warum? "Weil ich selber einer war", sagt Zolgadri.

Als er neun war, floh seine Mutter mit ihm und seinen Geschwistern aus dem Iran, 1988 schließlich kam er nach Deutschland. Hinter ihm lagen Monate der Flucht, miese Erfahrungen mit Schmugglern und türkischem Gefängnis. Er hat sich hochgearbeitet, studierte Unternehmensgründung und Filmproduktion.

Flüchtlinge, findet Zolgadri hätten genau den Mut, den Deutschland brauche. "Das Land braucht Unternehmer, Menschen mit Eiern in der Hose", sagt er. Wer alles zurückgelassen habe wie viele Flüchtlinge, bringe solchen Unternehmergeist mit.

Zolgadri ist mit seinen Tellern noch lange nicht am Ziel. Er will die Zukunft nicht nur neu gestalten. Er will sie neu erfinden.

Das ist ein sehr, sehr ambitioniertes Ziel.

Dafür hetzt er jetzt zum Investor.

Die Chancen stehen wohl nicht schlecht. Denn die Leute glauben an das Projekt. Auf der Crowdfunding-Seite Kickstarter haben sie schon 63.000 Euro eingeworben. Ihr Ziel war 50.000 gewesen.

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(lk)