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Dieser Satz zeigt, was in dem Fall Al-Bakr schief gelaufen ist

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DER ANSTALTSLEITER DER JUSTIZVOLLZUGSANSTALT
Der Anstaltsleiter der Justizvollzugsanstalt Leipzig, Rolf Jacob, äußerte sich am Mittwoch zu dem Suizid von Albakr. | Arno Burgi/dpa
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  • Die JVA Leipzig sah bei dem Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr keine akute Suizid-Gefahr
  • Al-Bakr soll bei der Aufnahme keine Hinweise auf eine drohende Selbsttötung gegeben haben
  • Es fehlte bei der Aufnahme allerdings eine wichtige Person: ein Dolmetscher

Die Verantwortlichen der Justizvollzugsanstalt Leipzig sind bei dem Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr von keiner akuten Suizid-Gefahr ausgegangen. Er sei "ruhig" und "sachlich" gewesen, erklärte der Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rolf Jacob und es habe keine Hinweise gegeben, dass er aufgeregt gewesen sei.

Aus diesem Grund, so argumentiert Jacob, habe die JVA trotz sprachlicher Barrieren nicht sofort einen Dolmetscher hinzugerufen. Der JVA-Leiter sagte am Donnerstag in einer Pressekonferenz: "Wenn eine akute Lebensgefahr besteht, wird ein Dolmetscher geholt.“ Aber: "Sein Verhalten gab keinen Anlass, einen Dolmetscher zu holen."

Dabei gab Jacob kurz darauf selbst zu: "Kommunikation ist das Wesentliche bei der Suizid-Gefahr."

JVA wurde auf Gefahr zur Selbsttötung hingewiesen

Die JVA Leipzig wurde vom Ermittlungsrichter darauf hingewiesen, dass Al-Bakr im Hungerstreik sei und eine Gefahr zur Selbsttötung bestehe.

Die Justizvollzugsanstalt sah das allerdings anders. Wie der sächsische Justizminister Sebastian Gemkow (CDU) berichtet, wurden in der JVA Gespräche mit dem Gefangenen geführt, um sich ein Bild von der Person zu machen.

Allerdings waren das zunächst Gespräche, bei denen kein Dolmetscher dabei war. Das heißt: Eine Verständigung war quasi unmöglich.

Erst am Folgetag sollte für ein Gespräch mit der Psychologin dann ein Dolmetscher hinzugeholt werden. Diese hatte laut Jacob allerdings noch keine Erfahrung in Gesprächen mit Terroristen. Auch sie ging nach dem Gespräch mit Al-Bakr von keiner akuten Selbstmordgefahr aus.

Die fragwürdige Argumentation der Behörden

Wenn also bereits ein Hinweis auf Suizid-Gefahr vorlag und, wie der JVA-Leiter Jacob betont, Kommunikation bei der Suizid-Gefahr wesentlich ist, warum wurde dann zur Sicherheit nicht sofort ein Dolmetscher hinzugerufen?

Jacob gab darauf eine bedrückend einfache Antwort:

"Es ist nach Feierabend und am Wochenende nicht immer möglich, einen Dolmetscher zu finden."

Am frühen Donnerstagnachmittag räumte dann Sachsens Vize-Ministerpräsident Martin Dulig ein, dass die Behörden Fehler gemacht hätten. "Es ist offensichtlich zu einer Reihe von Fehleinschätzungen sowohl über die Bedeutung, als auch den Zustand des Gefangenen gekommen", sagte der SPD-Politiker am Donnerstag in Dresden.

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(sk)