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Terrorverdächtiger Al-Bakr begeht Selbstmord in Leipziger JVA

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AL BAKR
Medien: Terrorverdächtiger Al-Bakr begeht Suizid | Carsten Koall via Getty Images
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Der Terrorverdächtige Dschaber Al-Bakr hat in der Justizvollzugsanstalt Leipzig Suizid begangen . Al-Bakr sei erhängt in seiner Zelle gefunden worden, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Zuerst hatte die "Bild"-Zeitung darüber berichtet.

Hier die Antworten auf die fünf wichtigsten Fragen zum dem Selbstmord.

1. Wie konnte es zu dem Selbstmord kommen?

Das ist zu diesem Zeitpunkt das große Rätsel. "Spiegel Online" berichtet, der 22-jährige Al-Bakr habe aufgrund von akuter Suizidgefahr unter ständiger Beobachtung gestanden. Der Syrer sei zudem im Hungerstreik gewesen.

Der MDR berichtete am Donnerstagmorgen, der Syrer habe sich mit einem T-Shirt erhängt. Gegenüber der „Leipziger Volkszeitung“ sagte das sächsische Justizministerium, der Selbstmord sei "unerklärlich". Die Leitung der JVA hatte sich in der Nacht im Ministerium noch nicht gemeldet – obwohl der Fall höchste Brisanz hat.

Der Pflichtverteidiger des Terrorverdächtigen spricht von einem "Justizskandal". Der Justizvollzugsanstalt Leipzig sei das Suizid-Risiko des Mannes bekannt gewesen, sagte der Dresdner Rechtsanwalt Alexander Hübner "Focus-Online". Al-Bakr habe in der Zelle bereits Lampen zerschlagen und an Steckdosen manipuliert. Hübner habe noch am Nachmittag mit dem JVA-Leiter telefoniert, dieser habe ihm versichtert, dass Al-Bakr ständig beobachtet werde.

Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung wurde der Syrer allerdings nur einmal in der Stunde kontrolliert.

2. Was wurde Al-Bakr zur Last gelegt?

Al-Bakr war am Montag in Leipzig festgenommen worden. Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz hatte er einen Sprengstoffanschlag auf einen Berliner Flughafen geplant und bereits weitestgehend vorbereitet.

Der Anschlag sei binnen Tagen möglich gewesen, sagte Behördenpräsident Hans-Georg Maaßen der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

3. Wie war es zur Festnahme gekommen?

Der 22-Jährige war am Montag in Leipzig festgenommen worden, nachdem er von Landsleuten erkannt, überwältigt und der Polizei übergeben worden war. Diese hatten ihren Landsmann nach eigenen Angaben bei sich aufgenommen, weil er nach einem Schlafplatz gesucht hatte.

albakr

Dann hätten sie erkannt, um wen es sich bei dem Gast handele - und ihn mit einem Verlängerungskabel auf dem Sofa gefesselt, bis die Polizei eintraf und Al-Bakr am Montagmorgen festnahm.

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4. Hat Al-Bakr vor seinem Tod gegenüber der Polizei ausgesagt?

Ja. In seinen Vernehmungen hat er nach dpa-Informationen die drei Syrer, die ihn überwältigten, der Mitwisserschaft bezichtigt. Inwieweit diese Aussage als glaubhaft eingestuft wurde, blieb zunächst unklar.

5. Wo hatte sich Al-Bakr radikalisiert?

Al-Bakr war Anfang 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Nach Recherchen des MDR war er zwischenzeitlich wieder in Syrien. Das habe die Familie des 22-Jährigen mitgeteilt, berichtete das Magazin "Exakt".

Laut Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) wurde Al-Bakr 2015 von den Sicherheitsbehörden überprüft. "Allerdings ohne Treffer. Es steht ja auch noch gar nicht fest, wann es dort zu einer Radikalisierung gekommen ist", sagte er am Mittwoch in Berlin.

Dem MDR zufolge reiste Al-Bakr im Herbst vergangenen Jahres zwei Mal in die Türkei und hielt sich auch einige Zeit in der syrischen Stadt Idlib auf. Mitbewohner aus dem nordsächsischen Eilenburg hätten ebenfalls von seinem Aufenthalt in Idlib berichtet. Sie hätten den 22-Jährigen aber nicht als besonders religiös beschreiben. Nach seiner Rückkehr soll er sich jedoch verändert haben.

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