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"Ziviler Guerillakrieg": Französische Polizisten streiken gegen Duldung von No-Go-Areas

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VIRY
Die ausgebrannten Polizeifahrzeuge in Viry-Chatillon | THOMAS SAMSON via Getty Images
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Frankreichs Polizisten greifen zu einer drastischen Maßnahme - sie treten in den Bummelstreik.

Die Proteste löste ein brutaler Angriff mit Brandsätzen auf vier Beamte aus, bei dem ein Beamter schwerste Verbrennung erlitt und nun im Koma liegt.

Polizisten in Frankreich sehen sich immer öfter brutalen Angriffen ausgesetzt, besonders in den Pariser Banlieues. Doch vom Staat fühlen sie sich alleine gelassen.

Vor Polizeiwachen in Paris, in Marseille, Toulouse und Lyon versammelten sich gestern daher Beamte in Uniform aus Protest. Sie fordern bessere Ausrüstung, mehr Personal. Aber vor allem wollen sie eines: ein härteres Durchgreifen der Justiz gegen Gewalttäter.

"Ziviler Guerillakrieg"

Der Angriff vom Samstag zeigte eine neue Qualität der Gewalt: Zwei Streifenwagen waren ausgerückt, um eine Videokamera in der Kommune Viry-Châtillon zu schützen, die eine als Umschlagplatz für Drogen bekannte Kreuzung überwachen sollte.

Etwa 15 Personen hätten am Samstagnachmittag Brandsätze in zwei Polizeiautos geworfen, sagte ein Sprecher der Polizeigewerkschaft dem Sender BFMTV.

Mehr zum Thema: "Erinnert an Bürgerkrieg": Warum Frankreich kurz davor ist, sich selbst zu zerfleischen

Der Sprecher sprach von einer "gut organisierten Gruppe", mit der man in einem "zivilen Guerillakrieg" sei. Die Täter ergriffen die Flucht und wurden nicht gefasst. Nach Ansicht der Polizei stammen die Täter aus dem Viertel La Grande Borne.

"Ich sah ein Dutzend Menschen in Kapuzenpullis, die auf die Polizeiautos zuliefen. Sie warfen die Fenster ein und schmissen Molotow-Cocktails in beide Autos", berichtete zudem ein Zeuge dem Sender.

"Natürlich gibt es No-Go-Zonen in Frankreich"

Die Täter haben dabei den Tod der Beamten in Kauf genommen oder sogar gewünscht. Sie hatten die insgesamt vier Beamten am Aussteigen gehindert. Die vier Polizisten erlitten schwere Verbrennungen.

Die Brutalität des Angriffs entsetzte Frankreich. Am Wochenende reisten Premierminister Manuel Vals und Innenminister Bernard Cazeneuve zum Ort des Angriffs. Der Innenminister sagte: "Die Autorität des Staates wird garantiert. Es gibt keine No-Go-Zonen". Immerhin, er gab zu das manche Gegenden "besonders schwierig" seien.

Auf die Polizisten wirken diese Worte allerdings wie Hohn. "Natürlich gibt es No-Go-Zonen in Frankreich, in welchen die Polizei nicht eingreifen und ihre Arbeit in Sicherheit machen kann", sagte Denis Jacob von der Gewerkschaft Alternative Police CFDT dem Magazin "The Local".

"Und das Gleiche gilt für Feuerwehrmänner und jeden Repräsentanten des Staates", fügte er hinzu.

Frédéric Lagache, der Sprecher der Polizeigewerkschaft Alliance, bezeichnete das Viertel La Grande Borne gegenüber Faz.net als "rechtlose Zone".

Er ist der Ansicht, dass sie die Regierung damit abgefunden habe, dass dort nicht mehr für Recht und Ordnung gesorgt werden kann.

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