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Das sind Haenyo, die letzten koreanischen Meerjungfrauen

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Die Tradition des Tiefseetauchens reicht in Korea bis ins fünfte Jahrhundert zurück. Die Bewohner sammeln auf diese Weise Austern, Seegurken, Meerschnecken, Seeigel und Tintenfische aus dem Meer.

Ursprünglich war der Beruf - wenig überraschend - eine reine Männerdomäne. Doch seit dem 18. Jahrhundert sind Taucherinnen, auch bekannt als Haenyo oder “Meerfrauen”, gegenüber ihren männlichen Kollegen deutlich in der Überzahl.

Dabei ist es absolut kein einfacher Job. Haenyo mussten einst ohne jegliche Ausrüstung bis zu zwanzig Meter in eiskaltes Wasser hinabtauchen und über zwei Minuten am Stück die Luft anhalten. Die Arbeit war gefährlich und erforderte viel Mut, brachte den Frauen aber häufig weit mehr Geld ein als ihre Männer in anderen Berufen verdienten.

Heute, im Jahr 2016, existiert die Tradition der Haenyo noch immer - doch vielleicht nicht mehr lange. Die New Yorker Fotografin Mijoo Kim hat die wenigen verbleibenden Frauen begleitet, die ihr ganzes Leben der Kunst des Tauchens gewidmet haben.

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“Diese Taucherinnen tragen ein koreanisches Erbe mit sich und werden die letzten ihrer Art sein”, schrieb Kim in einer Email an die Huffington Post. “Sie sind die letzte Generation der Haenyo.”

Junge Koreanerinnen, die auf Inseln in der Provinz Jeju aufwachsen, die einst das Zuhause der Haenyo war, zieht es nun aufs Festland. Dort erhoffen sie sich eine bessere Ausbildung und einen moderneren Beruf. Schon 2010 waren die meisten der Haenyo über 70 Jahre alt, Nachfolgerinnen sind nicht in Sicht.

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Kim ist selbst Koreanerin und hat Fotografie lange als Mittel gesehen, Einblicke in ihr kulturelles Erbe zu geben. Die Haenyo haben sie besonders fasziniert. Trotz ihres jahrhundertelangen Vermächtnisses und ihrer herausragenden Arbeitsmoral sind sie außerhalb von Korea noch immer weitgehend unbekannt.

Die Aufnahmen zu schießen, war nicht einfach. Kim stand um vier Uhr morgens auf, um die Haenyo auf ihrem Trip in die Tiefen der Meere zu begleiten. Sie fuhr mitten im Winter zwei Stunden in die südkoreanische Provinz Gijang.

2013, als sie die Fotoreihe startete, lagen die Temperaturen durchschnittlich zu dieser Jahreszeit knapp unter dem Gefrierpunkt. Winter ist in Korea Seeigel-Zeit und deswegen Hochsaison für die Haenyo.

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“Der erste Tag, an dem ich versuchte, unter Wasser Fotos zu machen, war der schlimmste während des gesamten Shootings”, erzählt Kim.

“Ich dachte, ich sei eine gute Schwimmerin. Ich war optimistisch, dass ich das schaffen würde und freute mich sehr, dass ich die Möglichkeit bekam, Unterwasser-Aufnahmen zu machen. Aber es war wirklich nicht einfach. Ich kam nicht einmal hinterher. Sie wirkten wie junge Meerjungfrauen auf mich - so schnell und wendig. Ich konnte keinen einzigen Seestern erkennen, weil sie im Wasser nicht von Felsen zu unterscheiden waren.”

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Trotz all der anfänglichen Schwierigkeiten ist das Ergebnis von Kims Fotoprojekt atemberaubend. Es zeigt die Haenyo sowohl in Aktion als auch in Ruhephasen, die Strapazen ihrer täglichen Arbeit und den intensiven Ausdruck auf ihren Gesichtern.

Am eindrucksvollsten sind die Portrait-Aufnahmen der Frauen. Kim hat nah an ihre Gesichter herangezoomt, die in engen Neoprenanzügen stecken. Die Anstrengung steht ihnen ins Gesicht geschrieben, ihre Augen sind gefüllt mit Tränen.

Kim will mit ihrer Serie eine von Frauen geführte Tradition unsterblich machen, die es schon bald nicht mehr geben könnte. “Ich will nicht nur ihre Schönheit als Frauen zeigen, sondern auch deutlich machen, wie mutig sie sind, dass sie sich derartigen Herausforderungen im Leben stellen”, sagt sie.

Wenn sie das nächste Mal nach Korea reist, will sie die Serie fortführen.

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Dieser Artikel erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Lea Kosch aus dem Englischen übersetzt.

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