Huffpost Germany

Das reichste Dorf Chinas ist zugleich der mysteriöseste Ort der Welt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

Jeder Bewohner hat hunderttausende Euro auf dem Bankkonto, arbeitet sieben Tage in der Woche und lebt in einem schicken Haus mit europäischem Auto in der Garage.

In diesen blumigen Worten schildern chinesische Medien das Leben in Huaxi, dem angeblichen reichsten Dorf Chinas.

Doch das ist nicht alles - Huaxi ist der wohl unheimlichste Ort Chinas und wohl einer der mysteriösesten Orte der Welt. Denn das Leben in Huaxi bewegt sich zwischen sozialistischer Utopie und der Dystopie einer Diktatur.

1961 wurde es von Wu Renbao, einem ehemaligen Sekretär der kommunistischen Partei, gegründet. Damals lebten dort rund 600 arme Bauern. Renbao war der Meinung, dass der Schlüssel zum Glück in Reichtum, einem Auto, einem Einfamilienhaus – und natürlich einer Familie – liegt.

Gründer Renbao investierte in dem Ort in die Rohstoffgewinnung - unter anderem Aluminium - und heute besitzt das Dorf ein Multisektor-Industrieunternehmen (von Stahl bis Textilien), das auch an der Börse ist.

Mehr zum Thema: Milliardär aus Hongkong bietet jedem, der seine Tochter heiratet, 180.000.000 Dollar – so sieht sie aus

Und ja, alle Dorfbewohner sind heute noch Eigentümer des Unternehmens. Sie alle besitzen Aktien und erhalten zusammen ein Fünftel der jährlichen Gewinnausschüttung.

Jeder der ursprünglichen Bewohner und deren Nachkommen, die in der Firma arbeiten, erhalten ein Haus, ein Auto, Kleidung und sogar Lebensmittel geschenkt.

Alle Bewohner besitzen Aktien an dem Unternehmen

Wie viele Menschen in Huaxi leben, ist nicht bekannt. Mal heißt es Zehntausende. Mal heißt es Hunderttausende. Damit wäre es gar kein Dorf mehr, sondern eine ausgewachsene Stadt.

huaxi

Doch der Reichtum hat auch seinen Preis: Die Fabriken laufen 365 Tage im Jahr und auch die Angestellten arbeiten sieben Tage in der Woche. Urlaub gibt es nicht.

Die Bewohner kommen nicht hinaus - deshalb kommt die Welt zu ihnen

Der Gründer ist aber trotzdem der Meinung, dass alle Bewohner die Welt kennen lernen sollten. Aber da die Bewohner nicht hinaus in die Welt kommen, muss die Welt eben zu ihnen kommen.

Und so ließ Renbao einen „Weltpark“ errichten, in dem es Kopien des Opernhauses von Sydney, der chinesischen Mauer, der Freiheitsstatue, des Triumphbogens und des Weißen Hauses gibt.

Die Kommunistische Partei Chinas liebt diesen Ort. Denn er soll zeigen, dass Sozialismus funktioniert. Jeder bekommt ein Stück vom Kuchen, jeder arbeitet für sein Stück vom Kuchen.

Nur wer dort geboren ist, erhält alle Vorteile

Wer jetzt seine Koffer packen und dorthin ziehen will, der sei vorgewarnt: Nur die "Originalbewohner“ erhalten all diese Annehmlichkeiten. Nämlich jene Familien, die schon seit 1960 dort wohnen.

Alle anderen Bewohner, und das sind angeblich immerhin 95 Prozent der Bevölkerung, bekommen normales Gehalt, keine Krankenversicherung – und keine Anteile an der Firma.

huaxi

Die "Ureinwohner“ dürfen laut der chinesischen Presse nicht mit Medien sprechen. Ein Nachtleben soll es auch nicht geben. Keine Bars und Cafès, keine Drogen, kein Glücksspiel. Alles ist bestens überwacht, überall sind Lautsprecher.

Und wer auf die Idee kommt zu kündigen, der verliert mit einem Schlag alles. Sein Haus, sein Auto, sein Geld. Die ganze Familie muss wegziehen. "Sogar wenn Bewohner reich werden, dürfen sie später keine der Wertgegenstände mitnehmen“, sagte ein Anwalt namens Yuan Yulai der Nachrichtenagentur AFP.

Der Sohn des Gründers, Wu Xieen, ist zurzeit der Dorfvorstand. Wu Renbao verstarb nämlich im März 2013. Immerhin konnte er sich 2011 aber noch einen Traum wahrmachen und den ersten Wolkenkratzer der Stadt eröffnen.

huaxi

Damit hoffen die Bewohner ihren neuesten Sektor, den Tourismus, weiter voranzutreiben.

Auch auf HuffPost:

Ein Mann riss eine Kellerwand ein - was er fand, ist eine wissenschaftliche Sensation

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Eine ebenso simple wie geniale Idee steckt hinter dem Projekt World Bicycle Relief. Diese nämlich lautet: "Fahrrad = Mobilität = Bildung". So einfach kann Hilfe tatsächlich sein.

World Bicycle Relief stellt Menschen in Entwicklungsländern Fahrräder zur Verfügung, damit sie ihr Leben aus eigener Kraft verändern können. Denn in ländlichen Regionen Afrikas bedeutet ein Fahrrad ein großes Maß an Lebensqualität: Es verkürzt die Transportwege und erleichtert seinem Besitzer den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung.

Mit über 200.000 Fahrrädern, die in Afrika montiert werden, und 1000 ausgebildeten Mechanikern hilft WorldBicycleRelief vor Ort dabei, Armut zu bekämpfen und fördert Bildung und die wirtschaftliche Entwicklung in Gegenden, die sonst von der Infrastruktur abgeschnitten wären.

Unterstütze sie jetzt bei dieser Arbeit und spende auf betterplace.org.

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(ben)