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An die Eltern, die ihre Kinder öffentlich wickeln: Muss das sein?

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DIAPERS
An die Eltern, die ihre Kinder öffentlich wickeln: Das muss doch wirklich nicht sein | skynesher via Getty Images
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Liebe Eltern,

Am Sonntag ist es mir gerade erst wieder passiert. In einem Münchner Café, das ich so gern besucht habe: Ich setze mich. Bestelle Kuchen. Dann nimmt ein junger Vater seine Tochter, legt sie auf die Bank neben ihm - und zieht ihr die Hose herunter, um sie zu wickeln - assistiert von seinem Freund.

Um die beiden herum: Leichtes Getuschel. Eine ältere Dame rümpft die Nase. Muss das hier sein? Steht den anderen ins Gesicht geschrieben.

Doch scheinbar merkt ihr nichts. Macht einfach weiter. Als wäret ihr allein auf der Welt.

Ich könnte mich nun darüber aufregen. Über Windeln, die in Windelbeuteln verschwinden. Darüber, dass dies der falsche Ort ist. Und überhaupt: Was bildet ihr Eltern euch eigentlich ein?

Wenn einer wickelt, dann bitteschön die Frauen

Doch dann überlege ich, was ich an eurer Stelle tun würde. Denn ich habe noch keine Kinder.

Und da wird mir klar: Ihr habt ein Problem. In vielen Restaurants und Cafés könnt ihr nicht anders.

Sie sind nicht für Menschen mit Kindern ausgelegt. Manchmal habe ich den Eindruck, dass viele Orte Menschen mit Kindern sogar ablehnen.

Wenn überhaupt, gibt es Wickeltische nur auf Damentoiletten.

Ich frage mich: Was ist das eigentlich für ein Männerbild? Wenn einer wickelt, dann bitteschön die Frauen.

Das muss sich ändern. Wir brauchen endlich Wickeltische auf allen Männertoiletten. In Cafés, Restaurants, Behörden.

Diese Forderung hat übrigens prominente Unterstützer: US-Schauspieler Ashton Kutcher forderte das schon vergangenes Jahr. Kurz nachdem er zum ersten Mal Vater wurde.

Regierung, du bist an der Reihe

Da ein Umbau mit Kosten verbunden ist, sträuben sich die meisten Café-Besitzer vor diesem Schritt. Grund genug für die Regierung, sich ebenfalls in die Diskussion einzuschalten.

Wie in Amerika.

Erst am Wochenende unterschrieb der amerikanische Präsident Barack Obama einen Gesetzesentwurf, der klarstellt: In alle öffentlichen Männertoiletten gehört ein Wickeltisch. So setzt der zweifache Familienvater ein klares Zeichen in der Familienpolitik. Und in der Gleichberechtigung. Wieso sollten nur Frauen eine Windel austauschen können?

Ja, warum eigentlich?

Frauen an den Herd, Männer nicht an den Wickeltisch

Die Zeiten, in denen Frauen sich nur um das warme Abendessen und die Kindererziehung kümmern, sind längst antiquiert. Immer öfter sieht man Männergruppen, die mit ihren Kids unterwegs sind.

Sich auch gerne mal einen Eiskaffee mit ihrem besten Kumpel in einem Restaurant gönnen - und dann auch gerne mal die Windel ihres Kleinkindes wechseln würden, wenn es denn sein muss. Ohne, dass alle Gäste das Innere sehen und schlimmstenfalls riechen müssen.

In unserer modernen Gesellschaft ist es außerdem nicht nur heterosexuellen Paaren vorenthalten, ein Kind zu bekommen. Auch homosexuelle Paare in Deutschland können, wenn bislang auch nur über Umwege, ein Kind adoptieren.

Klar, lesbische Paare haben bei der Wickelfrage kein Problem. Aber wie sieht es mit Schwulen aus?

Wieso sollten diese Menschen keine Chance darauf haben, mit ihrem Kind einmal einen Ausflug zu machen? Ohne sich Sorgen machen zu müssen, den Abend neben der Waschmaschine verbringen zu dürfen.

Zumal es nicht nur den Klamotten schadet, sondern auch den Kindern, wenn sie über einen längeren Zeitraum in einer vollen Windel sitzen.

Im Sinne aller

Alleine die Tatsache, dass man Wickeltische öffentlich fordern muss, zeigt, wie wenig die deutsche Familienpolitik mit dem Zeitgeist geht.

Es muss sich etwas ändern.

Im Sinne unserer, wie sie sich selbst gerne bezeichnet, offenen Gesellschaft. Im Sinne der Familien. Im Sinne der Politiker, deren Aufgabe es ist, sich für ihre Wähler einzusetzen. Und im Sinne der Restaurant-Besitzer, deren Umsatz für ihre Existenz entscheidend ist.

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Wenn du eine Tochter hast, nimm dir drei Minuten Zeit, um dieses Video zu sehen

(vr)