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5 Momente in denen Schulz gezeigt hat, dass er der bessere Kanzlerkandidat wäre

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SPD
dpa
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Sigmar Gabriel oder Martin Schulz: Die Sozialdemokraten debattieren über ihren Kandidaten für die Bundestagswahl.

Dabei scheint die Entscheidung schon gefallen. Jedenfalls, wenn man dem "Spiegel" glaubt. Das Magazin hatte kürzlich Stimmen aus der SPD zitiert, wonach es eine breite "Bloß nicht Gabriel"-Bewegung in der Partei gebe. Wie es wirklich mit der Schulz-Begeisterung bei den Sozialdemokraten steht, ist offiziell nicht bekannt.

Dass Schulz der bessere Kanzlerkandidat wäre, hat er aber schon gezeigt - in diesen 5 Moment:

1. Schulz hat im richtigen Moment Haltung bewiesen, als Gabriel zögerte

Es waren scharfe Worte in Zeiten der Zurückhaltung: Als einer der ersten deutschen Spitzenpolitiker meldete sich Martin Schulz im Satire-Streit zwischen ZDF-Moderator Jan Böhmermann und dem türkischen Präsidenten Recep Erdogan zu Wort.

"Es ist nicht hinnehmbar, dass der Präsident eines anderen Landes verlangt, dass wir in Deutschland demokratische Rechte einschränken, weil er sich karikiert fühlt. Wo kommen wir denn da hin?“, sagte er damals. Vizekanzler Sigmar Gabriel äußerte sich lange gar nicht zu dem Streit.

Ähnlich forsch regierte Schulz auf den Putschversuch in der Türkei. Er warnte unmittelbar vor einem „Ein-Mann-Staat“. Die Bundesregierung hingegen reagierte beinahe unterkühlt, wie Gabriel vor wenigen Wochen selbst einräumen musste.

"Wahrscheinlich hätten wir schneller hinfahren müssen - am selben Tag oder am Tag danach. Wahrscheinlich hätten wir viel stärker unsere emotionale Beteiligung zeigen müssen", sagte er am Sonntag beim "Tag der offenen Tür" der Bundespressekonferenz.

Schulz sprach damals aus, was viele Deutsche dachten. Das rechneten sie ihm hoch an. Gabriel hingegen musste sich als Mitglied der Bundesregierung zurückhalten. Diplomatisch stand durch das laufende Flüchtlingsabkommen und die damit verbundenen Verhandlungen über die Visafreiheit viel auf dem Spiel.

Dass Schulz kein Mitglied der Bundesregierung ist, könnte auch im Wahlkampf ein Vorteil sein. Er kann die Bundesregierung angreifen, ohne sich selbst zu beschädigen. Gabriel kann das nicht - er hat jede Entscheidung als Vizekanzler mitzuverantworten.

2. Schulz trifft den Ton, Gabriel beleidigt

Schulz und Gabriel sind emotional und sprechen die Sprache des Volkes. Schulz bleibt dabei aber staatsmännisch, anders als Gabriel. Eine Kombination, die er vielen Spitzenpolitikern in Deutschland voraus hat und eine seiner größten Stärken ist.

Von Schulz sind zumindest öffentlich keine Ausrutscher dokumentiert. Und wer sich in der SPD umhört, wird auch nicht fündig. Gabriels Liste der Beleidigungen und Beschimpfungen hingegen ist lang.

Als er nach den Ausschreitungen von Heidenau die Pegida-Anhänger als Mob beschimpfte, standen im Willy-Brandt-Haus die Telefone nicht mehr still. Das wollten sich selbst Parteimitglieder von ihrem Chef nicht gefallen lassen – kaum auszudenken, was im Land losgewesen wäre, wenn er Kanzler gewesen wäre.

Mit seinem Stil verprellt Gabriel nicht nur Wähler, sondern auch Vertraute. Die „Süddeutsche“ schrieb in einem Portrait: "Schulz hat es geschafft, um sich herum eine Korona bedingungslos loyaler Mitarbeiter aufzubauen, die jederzeit ungefragt von den geradezu überirdischen Fähigkeiten ihres Chefs schwärmen können. Gabriel hingegen schafft es immer wieder, auch treue Mitarbeiter mit seinen Ausfällen zu verstören."

Politikexperte Werner Patzelt von der TU Dortmund hat eine einfache Erklärung dafür. "Schulz ist ohne innenpolitische Altlasten. Außerdem ist er parteiintern wesentlich weniger Leuten auf die Füße getreten, weil er in Europa aktiv war", sagt er im Gespräch mit der Huffington Post.

"Insofern hat Schulz weniger Abnutzungserscheinungen als Gabriel. Aber die Niederungen der Parteipolitik werden auch ihn einholen, sollte er als Kandidat antreten."

3. Schulz ist politisch konsequent, Gabriel verstrickt sich in Widersprüche

Es waren die Tage nach dem Brexit-Votum, als Gabriel und Schulz ein Papier zur "Neuordnung Europas" veröffentlichten. Darin sprachen sie sich für mehr Macht für Brüssel aus. Kaum verwunderlich für den EU-Parlamentspräsidenten wie Schulz, Gabriel aber überlegte sich das nochmal. Kurz danach ruderte er wieder zurück und forderte die EU auf, "Ballast abzuwerfen", den Mitgliedsstaaten also Macht zurückzugeben.

Diese Wechselhaftigkeit ist geradezu typisch für Gabriel.

Es ist ja auch ok, wenn Politiker ihre Meinung ändern, der politische Diskurs verlangt es gar manchmal. Wenn das aber nicht nachvollziehbar und transparent wirkt, kaufen es ihm viele nicht mehr ab.

Schulz dagegen hat solche politischen Richtungsänderungen bisher vermieden.

4. Schulz hat es in seinem Amt zu Ansehen gebracht, Gabriel fehlen Erfolge

Schulz hat für Brüsseler Verhältnisse eine beachtliche Bilanz vorzuweisen. Als er fast 28 Prozent im Europawahlkampf für die SPD holte, war das mehr, als man ihm zutraute. Schulz war damals weitestgehend unbekannt, die SPD, wie heute noch, in einer Umfragekrise.

Als Parlaments-Präsident hat er es geschafft, dem Amt ungeheure Popularität und Macht zu verschaffen. Er hat es geschafft, dass die Agenda in Brüssel nicht mehr die Mitgliedsstaaten, sondern direkt gewählte Abgeordnete und die Kommission setzen.

Gabriel hingegen hangelt sich von Niederlage zu Niederlage. Als Ministerpräsident von Niedersachsen wurde er in Wahlen abgestraft. Unter ihm ist die SPD in Umfragen auf 19 Prozent gerutscht. Den Genossen ist der Mut entglitten, was auch daran liegt, dass Gabriel eine aussichtslose Figur macht.

Das führt dazu, dass viele SPDler ihrem Parteichef nicht mehr zutrauen, die Partei erfolgreich durch den Wahlkampf zu führen. "Wir brauchen einen Kandidaten, der rockt, der es aber vor allem nicht selbst verbockt", reimte ein SPD-Spitzenmann im „Spiegel“. Und in dieser Rolle sehen viele eher Schulz als Gabriel.

5. Während Gabriel zögerlich erscheint, gibt sich Schulz selbstsicher

Schulz hält sich zwar noch zurück, seine Avancen für eine Kandidatur öffentlich zu machen. Beobachter aber erkennen in ihm immer deutlicher den Willen, als nächster SPD-Kanzlerkandidat ins Rennen zu gehen.

Der "Spiegel" schreibt in einem Portrait über ihn: "Der ganze Zuspruch machte etwas mit Schulz, sodass ihm, der bei Fragen nach der Kanzlerkandidatur lange nur ärgerlich abgewunken hat, das Wollen mittlerweile aus jeder Pore dringt."

Gabriel hingegen zögert. Er hat als Parteichef das Zugriffsrecht auf die Kandidatur, nutzt es aber nicht. Anfang des Jahres machten gar Berichte die Runde, Gabriel erwäge, gar keinen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Und tatsächlich sind die Chancen gen Null, die Kanzlerschaft zu holen.

"Es stellt sich die Frage, wer sozusagen die größere Null einfährt", sagt Patzelt. "Keiner von beiden hat gute Chancen, Bundeskanzler zu werden." In den derzeitigen Umfragen hat nichtmal Rot-Rot-Grün eine Mehrheit. "Und noch einmal die Juniorrolle in einer Großen Koalition anzusteuern, wird erst recht nicht motivieren", sagt Politik-Experte Patzelt.

Die ungeregelte Kandidatenfrage trägt dazu bei. Die SPD weiß, wie entscheidend die richtige Personalie ist, die sie ins Rennen schickt. Das weiß sie aus Wahlerfolgen wie in Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern, wo beide Kandidaten gegen alle Erwartungen die Wahl deutlich gewannen.

Und das weiß sie aus schmerzhaften Niederlagen wie 2013, wo sie mit Steinbrück einen Kandidaten aufstellten, der weder in Partei noch in der Bevölkerung sonderlich beliebt war. Und viele in der SPD glauben, dass mit Gabriel wieder jemand antritt, der sich zu viele Feinde gemacht hat.

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