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Alle zehn Sekunden trifft ein kurzes Radiosignal die Erde – jetzt könnte das Rätsel gelöst werden

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TELESCOPE
Ein Radioteleskop könnte jetzt ein rätselhaftes Phänomen aus dem All lösen | Andrew Benge via Getty Images
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  • Ein kurzes Radiosignal aus dem All hat der Forschung Rätsel aufgegeben
  • Der Impuls scheint aus den Tiefen des Weltraums zu stammen und weist außergewöhnliche Eigenschaften auf
  • Ein neues Teleskop könnte jetzt das mysteriöse Phänomen lösen

Astronomen haben kurze Radioimpulse entdeckt, die bemerkenswerte Eigenschaften besitzen. Die Signale sind äußerst energiereich und scheinen weder von der Erde noch aus der Milchstraße zu stammen.

Bisher konnte ihr Ursprung nicht geklärt werden. Ein neues Radioteleskop soll das Rätsel jetzt lösen, wie die Zeitung "Tagesspiegel" berichtet.

Eine Energie wie von 500 Millionen Sonnen

Entdeckt wurde das außergewöhnliche Signal erstmals 2009 von Astronom Duncan Lorimer. In den Archivdaten des Parkes-Radioteleskops in Australien aus dem Jahr 2001 fand er ein einzigartiges Radiosignal von fünf Millisekunden Dauer.

Kurze Radioimpulse aus dem All stammen für gewöhnlich von extrem schnell rotierenden Neutronensternen. Sie senden einen gebündelten Strahl aus, der als kurzes Signal von Radioteleskopen empfangen wird, wenn er die Erde streift. Mit jeder Drehung des Neutronensterns müsste sich das Signal jedoch wiederholen.

Das Signal, das Lorimer fand, blieb zunächst aber einzigartig. Außerdem deutete die hohe Streuung auf einen Ursprung aus dem All hin. Die niedrigen Frequenzen des Signals trafen später ein als die hohen. Eine solche Streuung kommt zustande, wenn die Radiostrahlung Gaswolken im Weltall durchquert.

Aus der Streuung errechnete Lorimer und sein Kollege Matthew Bailes, dass der Radioimpuls mehrere Milliarden Lichtjahre durchquert haben musste. Damit aus dieser Entfernung ein Signal auf der Erde ankommt, müsse in wenigen Millisekunden die Energie von 500 Millionen Sonnen freigesetzt werden. "Es schien sich also um etwas ziemlich Außergewöhnliches zu handeln", sagt Lorimer dem "Tagesspiegel".

Eine Mikrowelle behinderte die Forschung

Gestört wurde die Aufklärung des Signalursprungs aber zunächst von etwas Banalem – von einer Mikrowelle. Für ihre Doktorarbeit durchsuchte Sarah Burke-Spolaor 2010 noch einmal die alten Parkes-Daten und fand 16 weitere Millisekunden-Signale.

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Diese Signale stammten aber offensichtlich von der Erde, auch wenn sie eine Streuung wie das von Lorimer gefundene Signal aufwiesen. Damit war für viele Forscher auch der kosmische Ursprung des ungewöhnlichen Signals von Lorimer infrage gestellt. Wurde der Impuls fehlerhaft aufgezeichnet?

5 Jahre lang spekulierten die Astronomen und Physiker über die rätselhaften Signale. Dass sie immer zur Mittagszeit aufgezeichnet wurden, führte schließlich zu ihrem Ursprung. Eine Studentin entdeckte, dass das Radioteleskop Signale der Mikrowelle registriert hatte. Das vorzeitige Öffnen der Ofentür ließ aus dem Inneren einen kurzen Puls von Radiostrahlung entweichen, zuerst die hohen und schließlich die tieferen Frequenzen. Ein vermeintliches Signal aus dem All war geboren.

Lorimers Fund aber war nicht zur Mittagszeit empfangen worden. Das Signal musste tatsächlich aus den Weiten des Kosmos stammen.

Weitere Funde bestätigen Lorimer

Mittlerweile konnten weitere Observatorien Radioimpulse registrieren, die die gleichen Eigenschaften wie Lorimers Signal aufweisen. Rechnet man die Entdeckungen hoch, müsste etwa alle zehn Sekunden irgendwo ein solcher Radioblitz aufleuchten.

Natürlich spekulieren einige Forscher auch bei den Millisekunden-Pulsen, dass Außerirdische hinter dem Phänomen stecken. Wahrscheinlicher aber ist laut dem "Tagesspiegel", dass Forscher in den wenigen Funden des außergewöhnlichen Signals ein vermeintliches Muster gesehen haben, dass bei einem Anwachsen der registrierten Impulse verschwinden könnte.

Tatsächliche löste sich das Muster in der außergewöhnlichen Streuung auf, je mehr der Radioblitze von Forschern aufgezeichnet wurden. Als wahrscheinliche Erklärung des Phänomens halten die Forscher Neutronensterne mit extrem starken Magnetfeldern. Sie könnten über viele 100 Millionen Lichtjahre hinweg beobachtbar sein.

2017 könnte das Rätsel gelöst werden

Das kanadische Radioteleskop "Chime" könnte nun die endgültige Auflösung der rätselhaften Signale liefern. Mit vier jeweils 100 Meter langen Antennen ist es zwar auf die Untersuchung der kosmischen Expansion spezialisiert. Doch ganz nebenbei könnte es mehr als ein Dutzend der Millisekunden-Signale am Tag registrieren, wenn es 2017 in Betrieb geht.

Damit könnten die statistischen Abweichungen berichtigt werden und der Ursprung der mysteriösen Signale gefunden werden.

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